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Lexikon

Nationalsozialismus

1. Lernjahr ‐ Abitur

Nationalsozialismus, die nach dem Ersten Weltkrieg in Deutschland entstandene politische Bewegung, die die gesamte Bevölkerung für die nationalsozialistische Ideologie mobilisieren und die Gesellschaft umbauen wollte, sowie die auf ihr gründende Diktatur von 1933 bis 1945.

Unter nationalsozialistischer Herrschaft wurde die deutsche Gesellschaft innerhalb weniger Jahre fast vollständig umgeformt. Alle politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Maßnahmen zielten auf die Zerstörung der Demokratie, die Errichtung einer totalitären Systems (Totalitarismus) und einen Eroberungs- und „Rassekrieg“ mit der Vernichtung der europäischen Juden.

Die nationalsozialistische Ideologie

Der Krieg als politisches Mittel und der Holocaust gehörten zur nationalsozialistischen Ideologie. Sie verband Konzepte unterschiedlicher Herkunft. Ihre Grundzüge finden sich in Hitlers 1925/26 entstandenem Buch „Mein Kampf“.

Merkmale der nationalsozialistischen Ideologie waren das Führerprinzip, die Rassenlehre mit aggressivem Antisemitismus, ein militanter Nationalismus und Imperialismus mit einer Blut- und Bodenideologie sowie der Sozialdarwinismus.

Als ein auf Befehl und Gehorsam ausgerichteter Herrschaftsgrundsatz war das Führerprinzip zutiefst antidemokratisch. Die unbedingte Autorität lag bei einem Führer. Das Herrschaftssystem war auf den Führer ausgerichtet (Führerstaat). Statt Klassenkampf mit Auseinandersetzungen zwischen Unternehmern und Arbeitern wurde die Volksgemeinschaft gefordert, die dem Führer untergeordnet war.

Die nationalsozialistische Rassenlehre (Rassenpolitik) unterteilte in angeblich höherwertige („Arier“) und minderwertige (dunkelhäutige Menschen, Slawen, Sinti und Roma oder Juden) „Rassen“ und mündete in einen aggressiven Antisemitismus. Auch körperlich oder geistig behinderte Menschen galten als „minderwertig“. Dem „Euthanasieprogramm“ der Nationalsozialisten, das heißt der Ermordung „unwerten Lebens“, fielen mindestens 70.000 behinderte oder kranke Menschen zum Opfer.

Militant nationalistisch und imperialistisch war die Blut­ und Bodenideologie. Sie idealisierte das bäuerliche Leben und forderte für die Deutschen –  ein „Volk ohne Lebensraum“ – neuen „Lebensraum im Osten“. Damit wurden neben dem Krieg gegen minderwertige „Rassen“ auch ein Eroberungskrieg und die Unterwerfung anderer Völker legitimiert.

Durch die Übertragung der Evolutionstheorie des britischen Naturforschers Charles Robert Darwin (*1809, †1882) auf die menschliche Gesellschaft wurde ein ständiger Überlebenskampf zwischen Völkern und „Rassen“ behauptet (Sozialdarwinismus). Nur angeblich starke Völker oder „Rassen“ könnten überleben, schwache gingen unter. Deutsche galten als Angehörige einer „Herrenrasse“.

Ideologische Feindbilder der Nationalsozialisten waren Marxismus, Liberalismus und politischer Katholizismus. Hinzu kamen eine Verachtung der parlamentarischen Demokratie sowie der Kampf gegen das „Diktat von Versailles“ und die „Kriegsschuldlüge“ nach der Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg und dem Versailler Vertrag. Ein politisch und militärisch starkes Deutschland als Drittes Reich sollte aufgebaut werden.

Parteipolitische Basis des Nationalsozialismus seit Beginn der Weimarer Republik war die NSDAP, die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei.

Die Errichtung der Diktatur

Gleich nach Regierungsübernahme am 30.1.1933, der Machtergreifung, begann Hitler, mit Notverordnungen (z. B. nach dem Reichstagsbrand) und dem Ermächtigungsgesetz die Verfassung außer Kraft zu setzen und jede noch mögliche politische oder militärische Opposition auszuschalten. Der Machtergreifung folgte die Gleichschaltung aller Gesellschaftsbereiche.

Sämtliche Organisationen, Vereine und Institutionen wurden von der NSDAP kontrolliert und der nationalsozialistischen Ideologie untergeordnet. Sie wurden ihrer Eigenständigkeit beraubt und nach dem Führerprinzip ausgerichtet. Überzeugte Nationalsozialisten übernahmen schließlich die Führungspositionen auf allen Organisationsebenen.

Die gleichgeschaltete Gesellschaft

Die nationalsozialistische Ideologie sah vor, die Menschen ab dem 10. Lebensjahr in staatliche Organisationen aufzunehmen und so auf den Nationalsozialismus einzuschwören. Dem Einzelnen sollte nur wenig Spielraum für sein Privatleben bleiben. Der nationalsozialistische Staat bestimmte das Leben der Menschen. Er bildete ein totalitäres System, das alle Lebensbereiche erfasste (Totalitarismus).

Neben den Parteigliederungen und Parteiorganisationen wie NSDAP, SA, SS, NS-Frauenschaft gab es die gesellschaftliche, teilweise der NSDAP angegliederte oder staatliche Organisationen wie Deutsches Jungvolk und Deutsche Jungmädel (von 10 bis 14 Jahren), Hitlerjugend und Bund deutscher Mädel (14 bis 18 Jahre), Arbeitsdienst (18 bis 21 Jahre), Deutsche Arbeitsfront (statt Gewerkschaften), Kraft durch Freude (Freizeitgestaltung).

Offiziell gab es keine Verpflichtung für Kinder oder Jugendliche, nationalsozialistischen Organisationen beizutreten. Die Angebote erschienen vielen jedoch attraktiv, sodass praktisch die gesamte Jugend in das System eingebunden war.

Teilweise schwierig gestaltete sich das Verhältnis des Nationalsozialismus zu den christlichen Kirchen. Mit dem Abschluss des Konkordats (Vertrag zwischen dem Deutschen Reich und dem Vatikan) vom 20.7.1933 sicherte das NS-Regime Bestand, Tätigkeit und Einrichtungen der aber nie näher abgegrenzten religiösen, kulturellen und karitativen katholischen Organisationen. Im Gegenzug verbot der Vatikan Priestern und Ordensleuten jede parteipolitische Betätigung.

Ein Drittel aller evangelischen Pfarrer wendete sich mit der Gründung des Pfarrernotbundes am 11.9.1933 gegen die „Gleichschaltung“ durch die Deutschen Christen, die einen „Arierparagrafen“ in der Evangelischen Kirche einführen wollten.

Außen- und Wirtschaftspolitik bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs

Die gesamte Wirtschaft wurde der Kriegsvorbereitung unterworfen und hatte dabei vordergründig auch eine verbesserte wirtschaftliche Lage und einen Rückgang der Arbeitslosigkeit zur Folge. Der Eroberungskrieg im Osten sollte den durch die Staatsverschuldung bedingten Staatsbankrott abwenden.

Die nationalsozialistische Außenpolitik bestand in den Jahren bis 1939 einerseits darin, den Versailler Vertrag zu revidieren und für das Deutsche Reich politische und militärische Gleichberechtigung zu erreichen. Hitler beanspruchte dabei immer wieder das Selbstbestimmungsrecht der Deutschen im Deutschen Reich selbst und in den von Deutschen bewohnten Gebieten im Ausland. Tatsächlich zielte sie darüber hinaus auf die Eroberung von „Lebensraum“ im Osten Europas und die Herrschaft der „arischen Rasse“.

Hitler verfolgte eine Doppelstrategie von Friedenbekundungen nach außen (Beispiele: Nichtangriffspakt mit Polen, Olympische Spiele 1936 in Berlin, Hitler-Stalin-Pakt) und Kriegsvorbereitung mit dem endgültigen Bruch des Versailler Vertrags und anderer internationaler Abkommen (Kündigung der Locarnoverträge) und der Bedrohung anderer europäischer Staaten (Beispiele: Aufrüstung, Wiedereinführung der Wehrpflicht 1935, Besetzung des Rheinlands 1936, Anschluss Österreichs 1938, Münchener Abkommen 1938).

Der Zweite Weltkrieg wurde von den Nationalsozialisten förmlich heraufbeschworen und führte zum Scheitern der von Frankreich und Großbritannien verfolgten Appeasementpolitik.

Die Armee

Um die Gunst Hitlers zu sichern, ordnete Reichskriegsminister und erster Generalfeldmarschall der Wehrmacht Werner von Blomberg (*1878, †1946) nach dem Tod des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg am 2.8.1934 die Vereidigung der Reichswehr auf die Person Hitlers an. Staat auf die Verfassung mussten alle Soldaten einen Treueeid auf Hitler ablegen.

Nach einer Intrige wurden der Reichskriegsminister von Blomberg und der Oberbefehlshaber des Heeres Werner von Fritsch (*1880, †1939) am 4.2.1938 entlassen (Fritschkrise). Anstelle des Reichskriegsministeriums bildete Hitler ein Oberkommando der Wehrmacht (OKW). Er selbst wurde Oberbefehlshaber der Wehrmacht.

Der Zweite Weltkrieg

Die kriegerischen Auseinandersetzungen im Zweiten Weltkrieg zwischen den Achsenmächten (vor allem Deutschland, Italien und Japan) und den Alliierten (vor allem Großbritannien, USA, Sowjetunion und Frankreich) kostete über 62 Millionen Menschen das Leben. In keinem Krieg wurden weltweit so viele Soldaten und Zivilisten getötet oder verletzt oder verloren ihre Heimat und ihren Besitz. In keinem anderen Krieg wurden weltweit mehr Städte, Industrieanlagen und Infrastruktur zerstört und ganze Gebiete verwüstet.

Nach raschen erfolgreichen Feldzügen (Blitzkriege), unter anderem in Polen und im Westen, wurde das Vordringen der Deutschen gestoppt. Die von Deutschland und seinen Verbündeten beherrschten Gebiete wurden ab 1942/43 zurückerobert. Die Alliierten drangen ab 1944 auf deutsches Gebiet bis nach Berlin vor.

Statt ein Drittes Reich („Tausendjähriges Reich“) aufzubauen endete die nationalsozialistische Herrschaft trotz der Ausrufung des totalen Kriegs und dem geforderten Glauben an den Endsieg in der bedingungslosen Kapitulation des Deutschen Reichs am 8.5.1945.

Der Holocaust

Hitler und die Nationalsozialisten steigerten den teilweise vorhandenen Antisemitismus: Die „arische“ Rasse müsse „rein“ gehalten werden. Er verfolgte die Verdrängung der Juden aus dem Berufs-, Wirtschafts- und Gesellschaftsleben.

Der Antisemitismus und die Judenverfolgung vor Kriegsausbruch (Beispiele sind Nürnberger Gesetze und Reichspogromnacht) steigerten sich mit dem Krieg zur vollständigen physischen Vernichtung der jüdischen Bevölkerung im gesamten deutschen Herrschaftsbereich.

Sie mündete in die systematische und technisierte Ermordung von etwa 6 Millionen Juden, 500.000 Sinti und Roma und anderer Menschen. Sie wird als Holocaust oder Schoah bezeichnet.

Der Widerstand

Seit Errichtung der nationalsozialistischen Diktatur formierte sich neben passivem Widerstand auch der aktive Widerstand in Form von Widerstandsgruppen im Untergrund. Jeder Widerstand war lebensgefährlich. Im Deutschen Reich wurden etwa 12.000 Widerstandskämpfer getötet. Dem Widerstand gelang es allerdings nicht, Hitler zu stürzen und den NS-Staat zu überwinden. Letztlich scheiterte auch das Attentat am 20.7.1944 (Zwanzigster Juli).

Das Ende

Nach der Kapitulation Deutschlands im Zweiten Weltkrieg verboten die Siegermächte die NSDAP und alle Organisationen der Partei und des Staates, stellten Partei- und Staatsführung als Kriegsverbrecher vor Gericht (Nürnberger Prozesse), sofern sie nicht wie Hitler vorher Selbstmord begangen hatten, und versuchten, belastete Personen aus dem öffentlichen Leben zu entfernen (Entnazifizierung).