Direkt zum Inhalt
Lexikon

Zweiter Weltkrieg

1. Lernjahr ‐ Abitur

Zweiter Weltkrieg, die von Hitler begonnene kriegerische Auseinandersetzung zwischen den Achsenmächten (vor allem Deutschland, Italien und Japan) und den Alliierten (vor allem Großbritannien, USA, Sowjetunion und Frankreich) 25 Jahre nach dem Beginn des Ersten Weltkriegs. Der Zweite Weltkrieg kostete über 62 Millionen Menschen das Leben. In keinem Krieg wurden so viele Soldaten und Zivilisten getötet oder verletzt oder verloren ihre Heimat und ihren Besitz.

Die Vorgeschichte

Der Versailler Vertrag und weitere Verträge von 1919/1920 führten in Europa nicht zur gewünschten politischen und wirtschaftlichen Stabilität. Mit dem Faschismus in Italien und dem Nationalsozialismus in Deutschland setzten sich politische Ideologien durch, die eine expansive Außenpolitik befürworteten. So eroberte Italien Äthiopien und nach der Machtübernahme Hitlers gab Deutschland die Politik einer Revision des Versailler Vertrags auf, verfolgte eine aggressive Außenpolitik und betrieb eine Aufrüstung.

Deutschland und Italien unterstützten die faschistischen Aufständischen im spanischen Bürgerkrieg und begründeten die Achse Berlin–Rom. Italien strebte die Vorherrschaft im Mittelmeerraum an, Deutschland die Vorherrschaft in Mitteleuropa und neuen „Lebensraum im Osten“.

Gegen diese Gewaltbereitschaft setzte vor allem Großbritannien eine Politik der Beschwichtigung (Appeasementpolitik), die USA und die Sowjetunion verhielten sich zunächst neutral. So konnte sich Hitler geschickt durchsetzen: Anschluss Österreichs 1938, Münchener Abkommen (1938), Einmarsch in Prag (1939) Hitler-Stalin-Pakt (1939).

Der Kriegsverlauf im Überblick

Nach raschen erfolgreichen Feldzügen (Strategie des Blitzkriegs) etwa in Polen und im Westen wurde das Vordringen der Deutschen gestoppt und die von ihnen und ihren Verbündeten beherrschten Gebiete wurden ab 1942/43 zurückerobert. Die Alliierten drangen ab 1944 auf deutsches Gebiet bis nach Berlin vor.

Überfall auf Polen und Krieg im Westen

Nach der Entfesselung des Kriegs mit dem Überfall auf Polen durch die deutsche Wehrmacht am 1.9.1939 kapitulierte Polen am 28.9.1939. Deutschland begann den Krieg ohne eine Kriegserklärung nach fingierten Grenzzwischenfällen.

Am 3.9.1939 erklärten Großbritannien und Frankreich dem Deutschen Reich den Krieg. Am 6.10.1939 wurde die Eroberung Polens abgeschlossen. Polen wurde gemäß der Geheimabsprachen im Hitler-Stalin-Pakt zwischen Deutschem Reich und Sowjetunion aufgeteilt. Hitlers Friedensangebot an die Westmächte auf der Basis der neuen Realitäten wurde von diesen abgelehnt.

Im April 1940 wurden Norwegen und Dänemark besetzt. Am 10.5.1940 begann die deutsche Offensive im Westen gegen Frankreich unter Verletzung der Neutralität der Niederlande, Belgiens und Luxemburgs.

Am 10.6.1940 trat Italien auf deutscher Seite in den Krieg ein. Die Achse Berlin–Rom wurde zum Dreimächtepakt (Deutschland, Italien und Japan).

Am 22.6.1940 folgte der Waffenstillstand mit Frankreich. Nord- und Mittelfrankreich wurden besetzt. Nordfrankreich mit Paris und den Häfen wurden von einer Militärregierung verwaltet, in Mittelfrankreich regierte die deutschlandfreundliche Vichy-Regierung.

England unter Premierminister Winston Churchill (*1874, †1965) blieb zum Widerstand entschlossen. Am 13.8.1940 begann die Luftschlacht um England. Sie dauerte bis Mai 1941.

Nach der italienischen Niederlage im Krieg gegen Griechenland und in Nordafrika ließ Hitler einen Angriff der Wehrmacht vorbereiten, um eine Front der Alliierten auf dem Balkan zu verhindern und den geplanten Krieg gegen die Sowjetunion militärstrategisch zu flankieren. Am 6.4.1941 überfielen deutsche Truppen Jugoslawien und Griechenland. In Nordafrika begann im September 1940 der Afrikafeldzug.

Überfall auf die Sowjetunion und Krieg im Osten

Hitlers Krieg war ein Angriffskrieg, ein Rassenkrieg und ein Vernichtungskrieg mit dem Völkermord an den Juden in ganz Europa (Holocaust) und der Dezimierung der slawischen Bevölkerung im Osten.

Deutsche Truppen und ihre Verbündeten stießen unter Verletzung des Kriegsrechts nach dem Überfall auf die Sowjetunion („Unternehmen Barbarossa“) am 22.6.1941 weit in den russischen Raum vor. Im Oktober 1941 blieb der Russlandfeldzug vor Moskau und Leningrad stecken.

Nach Geländegewinnen im Sommer 1942 (deutsche Truppen drangen bis zur Krim und dem Kaukasus vor) wurde die 6. Armee der Wehrmacht mit rund 250.00 Soldaten am 22.11.1942 in Stalingrad eingeschlossen (Kessel von Stalingrad). Sie kapitulierte am 2.2.1943. Stalingrad wurde zum bedeutenden Wendepunkt des Kriegs. Reichspropagandaminister Joseph Goebbels (*1897, †1945) forderte nun den totalen Krieg und den Kampf bis zum Endsieg. Russische Partisanenverbände und die Rote Armee konnten bis Ende 1944 die Sowjetunion befreien

Nach dem Überfall Japans auf die US-Flotte in Pearl Harbor am 7.12.1941 traten die USA aktiv in den Krieg ein. Danach erklärte Hitler den USA den Krieg, ohne Japan gegenüber hierzu vertraglich verpflichtet gewesen zu sein. Damit wurde der Krieg endgültig in den pazifischen Raum übertragen und zu einem Weltkrieg. Die USA griffen auch in Europa in den Krieg ein.

Der Vormarsch der Alliierten

Mit der britischen Gegenoffensive am 23.6.1942 und der Landung einer amerikanisch-britischen Invasionsarmee in Marokko und Algerien (7./8.11.1942) begann der deutsch-italienische Rückzug aus Nordafrika (am 13.5.1943 Kapitulation der deutsch-italienischen „Heeresgruppe Afrika“ bei Tunis in Tunesien). Amerikanische und britische Streitkräfte landeten am 10.7.1943 an verschiedenen Stellen Siziliens. Am 8.9.1943 wurde zwischen Italien und den alliierten Mächten ein Waffenstillstand geschlossen. Nach der Verhaftung Benito Mussolinis (*1883, †1945) wechselte Italien die Kriegsfront.

Ab 1943 verwandelten Bomberverbände der Alliierten mit ihren Luftangriffen vor allem auf Städte, Infrastruktur und Industrieanlagen ganz Deutschland in ein Kriegsgebiet.

Auf verschiedenen Konferenzen stimmten die „Großen Drei“ der Anti-Hitler-Koalition, der amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt (*1882, †1945), der britischen Premierministers Winston Churchill (*1874, †1965) und Josef Stalin, ihre Deutschlandpolitik aufeinander ab und verfolgten ihr Hauptziel einer bedingungslosen Kapitulation der Achsenmächte Deutschland, Italien und Japan.

Das Ende des Kriegs

Am 6.6.1944 landeten die Alliierten in der Normandie. Der 6.6.1944 wird auch D-Day genannt („Tag X“ im Deutschen). Die von Deutschland besetzten Gebiete und schließlich das Deutsche Reich selbst wurden nun von Westen und seit Ende 1944 auch von Osten aufgerollt. Die Wehrmacht war einem Zweifrontenkrieg ausgesetzt. Aachen wurde am 21.10.1944 als erste deutsche Großstadt von den Amerikanern besetzt.

Die Rote Armee überschritt im Januar 1945 die Oder und umzingelte am 25.4.1945 Berlin. Bei Torgau an der Elbe trafen am selben Tag amerikanische und sowjetische Truppen zusammen. Am 29.4.1945 kapitulierten die deutschen Streitkräfte in Italien.

Hitler beging am 30.4.1945 Selbstmord im Bunker der Reichskanzlei in Berlin, Goebbels am 1.5.1945. Großadmiral Karl Dönitz (*1891, †1980) wurde Hitlers Nachfolger als Staatsoberhaupt. Am 2.5.1945 kapitulierte der Stadtkommandant der Reichshauptstadt.

Die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht wurde am 7.5.1945 von Generaloberst Alfred Jodl (*1890, †1946, wichtigster militärischer Berater Hitlers) im US-Hauptquartier in Reims (Frankreich) unterzeichnet. In der Nacht vom 8./9.5.1945 folgte die Wiederholung der Zeremonie im sowjetischen Hauptquartier in Berlin-Karlshorst, auf deutscher Seite durch Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel (*1882, †1946), Chef des Oberkommandos der Wehrmacht. Die Kapitulation trat am 8.5.1945 in Kraft.

Der Krieg im Pazifik zwischen den USA und Japan dauerte noch bis zum August/September 1945. Er endete mit den Abwürfen zweier Atombomben auf die japanischen Städte Hiroschima am 6. und Nagasaki am 9.8.1945 und zwang Japan zur Kapitulation am 2.9.1945. Die Atombomben auf Hiroschima und Nagasaki fordern rund 200.000 Tote und 100.000 Verletzte. An den Spätfolgen starben noch Tausende.

In Deutschland übernahm der von den vier Siegermächten USA, Sowjetunion, Großbritannien und Frankreich errichtete Alliierte Kontrollrat am 5.6.1945 die Regierungsgewalt. Auf der Potsdamer Konferenz vom 17.7. bis 2.8.1945 wurde die Nachkriegsordnung für Deutschland und Europa festgelegt.

Die Schreckensbilanz

In keinem Krieg vor oder nach dem Zweiten Weltkrieg wurden so viele Menschen getötet oder verletzt oder haben ihren Besitz und ihre Heimat verloren. Der Zweite Weltkrieg forderte unter Zivilbevölkerung und Soldaten mindestens 62 Millionen Tote.

Unter den Opfern hatte die Sowjetunion über 20 Millionen Tote zu beklagen, davon über 13 Millionen sowjetischer Soldaten und 7 Millionen Zivilisten. Zurecht wurde in der Sowjetunion Stalins vom großen Vaterländischen Krieg gegen Deutschland gesprochen.

In Deutschland starben 5,25 Millionen Menschen, darunter mehr als eine halbe Million Zivilisten im Luftkrieg nach der Bombardierung deutscher Städte.

In Polen starben 5 bis 6 Millionen Menschen, davon über 4 Millionen Zivilisten. Japan beklagte 1,8 Millionen Tote, darunter 600.000 Zivilisten.

Die Zahl der durch NS-Verbrechen in Europa ums Leben gekommenen Personen wird auf mindestens 13 Millionen geschätzt. Der Judenvernichtung im Holocaust fielen über 6 Millionen Menschen zum Opfer.

10 bis 12 Millionen ehemalige nach Deutschland verschleppte Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter waren bei Kriegsende im zerstörten Deutschland unterwegs.

Die Zahl der vertriebenen Deutschen belief sich auf 12 Millionen. 2,3 Millionen kamen durch die Folgen von Flucht und Vertreibung ums Leben.

Das historische Erbe

Dem Verständnis der Väter und Mütter des Grundgesetzes nach hatte das Deutsche Reich nicht aufgehört zu existieren, sondern nur einen neuen Namen erhalten: Bundesrepublik Deutschland.

Lange stritt man, ob der 8.5.1945 als Tag der „Niederlage“ bzw. „Kapitulation“ oder als „Tag der Befreiung“ gelten soll. Das Schlagwort von der „Stunde null“ beinhaltete allerdings mehr als die Charakterisierung des staatlichen und militärischen Endes. Es kennzeichnete die Infragestellung von bis dahin weitverbreiteten Einstellungen und Werten und beschrieb zudem die Situation physischer Not bei Kriegsende. Die Bewältigung von Alltagsproblemen und die Überwindung von Kriegsschäden rangierten bald vor der Auseinandersetzung mit Kriegsursachen und Kriegsschuld.

Der Versuch einer juristischen Vergangenheitsbewältigung und die Entnazifizierung misslangen im Wesentlichen. In dem „Stuttgarter Schuldbekenntnis“ vom Oktober 1945 sprach der Rat der Evangelischen Kirchen Deutschlands von einer kirchlichen Mitschuld. Nur vier von 27 Landeskirchen stellten sich hinter diese Erklärung.

Mit Beginn des Kalten Kriegs wurden aus ehemaligen Kriegsgegnern Verbündete. In der Bundesrepublik Deutschland erschien eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit dem Bündnis mit den Alliierten hinderlich, in der DDR ersetzte ein staatlich verordneter „Antifaschismus“ die Vergangenheitsbewältigung.

Nach Kriegsende hörten in den Auschwitzprozessen (1963-1965 und 1977-1981) in Frankfurt am Main gegen Mitglieder der Lagermannschaften viele zum ersten Mal in aller Öffentlichkeit und Deutlichkeit, was jahrzehntelang verschwiegen, vergessen oder verdrängt worden war.

Seit 1996 ist in Erinnerung an die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz der 27. Januar offizieller Gedenktag in Deutschland für die Opfer des Holocaust. Die Diskussionen um das Holocaustdenkmal in Berlin, die Kontroverse um die Wehrmachtsausstellung sowie das Wiederaufkeimen von nationalistischen und rechtsradikalen neonazistischen Tendenzen und politischen Bewegungen belegen, dass die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ein wichtiger Bestandteil der politischen Nachkriegskultur Deutschlands geworden ist.