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Lexikon

Holocaust

1. Lernjahr – Abitur

Holocaust, die Judenvernichtung während des Nationalsozialismus. Der Begriff stammt aus dem Griechischen und wurde zunächst von amerikanisch-protestantischen Theologen benutzt. Er bezeichnet ursprünglich ein vollständig vom Feuer verzehrtes Opfer.

Die jüdische Welt verwendet zur Beschreibung der Vernichtung der Juden im Nationalsozialismus den Begriff Shoa. Er stammt aus dem Hebräischen und bedeutet „Katastrophe“.

Judenverfolgung vor dem Zweiten Weltkrieg

Der Antisemitismus gemäß der Ideologie des Nationalsozialismus (Rassenpolitik) begann mit der Ausgrenzung und Diskriminierung jüdischer Mitbürger, verschärfte sich in tätlichen Angriffen und steigerte sich in die systematische und technisierte Ermordung von Juden mit Kriegsbeginn. Die Judenverfolgung vor Kriegsausbruch steigerte sich mit dem Krieg zur radikalen Vernichtung im gesamten deutschen Herrschaftsbereich.

Beispiele für die Judenverfolgung sind die Nürnberger Gesetze von 1935 als juristische Grundlage. Damit wurden etwa Heirat und Geschlechtsverkehr zwischen Nichtjuden und Juden bestraft und Juden rechtlich herabgestuft. In der Reichspogromnacht (im nationalsozialistischen Sprachgebrauch „Reichskristallnacht“) im November 1938 kam es zur Ermordung und Verhaftung von Juden, zur Zerstörung von Synagogen und jüdischen Geschäften. Juden dürften nicht mehr Geschäfte oder Betriebe führen.

Judenvernichtung im Zweiten Weltkrieg

Seit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden Deutschland, verbündete und besetzte Gebiete nach Juden „durchkämmt“. Mit dem Überfall auf die Sowjetunion 1941 verschärfte sich das Vorgehen. Aufgegriffene Juden wurden von Erschießungskommandos sofort ermordet oder durch Deportation in Gettos oder in Konzentrationslager gebracht. Sie wurden gezwungen, sich zu Tode zu arbeiten (Zwangsarbeit), zu Tode gehungert oder als „lebensunwert“ in Vernichtungslagern vergast. Die Nationalsozialisten sprachen von der „Vernichtung durch Arbeit“.

Im Namen Hitlers beauftragte Hermann Göring (*1893, †1946, der spätere Oberbefehlshaber der Luftwaffe von 1935 bis 1945) am 31.7.1941 Reinhard Heydrich (*1904, †1942, Chef des Sicherheitsdienstes seit 1932 und des Reichssicherheitshauptamtes seit 1939), „unter Beteiligung der dafür infrage kommenden Zentralinstanzen“ alle erforderlichen Vorbereitungen für eine Vernichtung der Juden im deutschen Einflussbereich in Europa zu treffen.

Für Juden wurde ab 1.9.1941 im Deutschen Reich das Tragen des gelben Judensterns Pflicht. Damit wurden die Juden besonders auffällig aus dem öffentlichen Leben ausgegrenzt.

Im Reich und in den besetzten Ländern wurden ab Oktober 1941 Juden durch Deportation in Konzentrationslagern und Gettos zusammengefasst und in die neu eingerichteten Vernichtungslager deportiert. Die Menschen wurden durch Zwangsarbeit ausgebeutet und getötet. Kinder, Alte und Schwache wurden „selektiert“ und „sonderbehandelt“, das heißt vergast oder auf andere Art getötet. Diese Aktionen wurden von „Sonderkommandos“ durchgeführt, die von der Gestapo und dem SD (Sicherheitsdienst der SS) geleitet wurden. Die Konzentrationslager und Vernichtungslager wurden von SS­Totenkopfverbänden organisiert.

Parteifunktionäre und Ministerialbeamte koordinierten auf der Wannseekonferenz am 20.1.1942 unter der Leitung Heydrichs Maßnahmen zur Ermordung der europäischen Juden. Die Nationalsozialisten sprachen von der „Endlösung der Judenfrage“.

Ende März 1942 gingen die ersten Judentransporte aus Westeuropa und dem Reichsgebiet nach Auschwitz. Im Juni 1942 begannen die Massenvergasungen von Juden in Auschwitz-Birkenau. Nie zuvor oder danach wurden ethnische oder religiöse Gruppen auf industriell organisiertem Weg vernichtet.

Am 1.11.1944 befahl Heinrich Himmler (*1900, †1945, Reichsführer SS seit 1929 und Chef der Polizei seit 1936), die Vergasungen in Auschwitz zu beenden und die Spuren zu verwischen. Das Vernichtungslager Auschwitz wurde am 27.1.1945 von sowjetischen Truppen befreit.

Die tödliche Bilanz

Insgesamt kamen im Holocaust etwa 6 Millionen Juden und 500.000 Sinti und Roma ums Leben. Verfolgt wurden auch politische Gegner, religiöse Minderheiten (Zeugen Jehovas) und Homosexuelle. Dem „Euthanasieprogramm“ der Nationalsozialisten fielen etwa 60.000 bis 80.000 behinderte oder kranke Menschen zum Opfer.

Als ein sehr wichtiges historisches Dokument zum Holocaust und zur Judenverfolgung in der Zeit des Nationalsozialismus gilt das Tagebuch der Anne Frank. Das jüdische Mädchen Anne Frank (*1929, †1945) verfasste ihre Tagebuchaufzeichnungen im Versteck der Familie, die 1933 emigrierte, in Amsterdam untertauchte und sich seit 1942 dort versteckte. Das Versteck wurde 1944 verraten, Anne Frank 1945 im KZ Bergen-Belsen ermordet.

Seit 1996 ist in Erinnerung an die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz der 27. Januar nationaler Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus in Deutschland. 2005 erklärten die Vereinten Nationen den 27. Januar zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust.