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Zeitformen in Latein – Einfach erklärt

Lernjahr 4

Was sind die Zeitformen in Latein?

Meist begegnen einem die lateinischen Wörter, die man in der Vokabelliste gelernt hat, nicht in genau derselben Form in einem lateinischen Text, wie sie im Vokabelverzeichnis und im Wörterbuch stehen. Das liegt unter anderem daran, dass Verben in verschiedene Zeiten gesetzt werden und unterschiedliche Endungen erhalten. Zeitformen sind auch unter dem lateinischen Namen Tempora bekannt. Man unterscheidet in Latein drei Zeiträume:

  • Vergangenheit
  • Gegenwart
  • Zukunft

Durch die verschiedenen Zeitformen Latein führen dich unsere Lernwege. Abschließend kannst du dein Wissen in unseren Klassenarbeiten zu den Zeitformen in Latein auf die Probe stellen.

Warum gibt es verschiedene Zeitformen?

An den verschiedenen Zeiten lassen sich Handlungen und Ereignisse zeitlich einordnen und womöglich eine Abfolge erkennen. Denn die unterschiedlichen Zeitformen verdeutlichen, welche Ereignisse in der Zukunft, der Gegenwart, der Vergangenheit oder sogar der Vorvergangenheit stattfinden.

Die Namen der Zeiten kennst du bestimmt schon aus dem Deutschunterricht. Im Deutschen nennt man das Imperfekt Präteritum, ansonsten ist das Zeitensystem aber aus dem Lateinischen übernommen.

Welche Zeiten gibt es in Latein?

Verben lernst du als Vokabel mit den sogenannten Stammformen. Diese Stammformen von einem Verb bestehen meist aus vier Verbformen:

  • dem Infinitiv Präsens Aktiv: vocare (rufen)
  • der 1. Person Singular im Präsens Aktiv, z. B. voco (ich rufe)
  • der 1. Person Singular im Perfekt Aktiv, z. B. vocavi (ich habe gerufen)
  • dem Partizip Perfekt Passiv im Neutrum, z. B. vocatum (gerufen)

Die Stammformen sind die Basis für alle Formen, die ein Verb bilden kann. Fast alle lateinischen Zeitformen werden ausgehend vom Präsensstamm oder dem Perfektstamm gebildet. Hier eine Übersicht, mit welchem Stamm die verschiedenen Zeiten gebildet werden:

  • mit dem Präsensstamm:
    Präsens (mane-o)
    Imperfekt (mane-bam)
    Futur I (mane-bo)
  • mit dem Perfektstamm
    Perfekt (mans-i)
    Plusquamperfekt (mans-eram)
    Futur II (mans-ero)

Mehr zu den Verben im Allgemeinen erklären wir dir auf unserer Übersichtsseite zu den Verben.

Wann steht welche Zeitform?

Das Präsens wird verwendet, um über gegenwärtige Geschehnisse zu sprechen:

  • Canis accurrit. Der Hund läuft herbei.

Will man ein vergangenes Ereignis schildern, wählt man Perfekt oder Imperfekt:

  • Aquilina in arbore sedit. Aquilina hat auf dem Baum gesessen. (Perfekt)
  • Aquilina in arbore sedebat. Aquilina saß (immer) auf dem Baum. (Imperfekt)

Außerdem gibt es noch die Vorvergangenheit. Der Fachbegriff lautet Plusquamperfekt. Wenn man diesen Begriff in seine Silben zerlegt, dann klingt er gar nicht mehr so sehr nach einem Fachbegriff: Plus-quam-perfekt, also genau genommen Mehr-als-Perfekt. Es handelt sich also um eine Zeit, die noch weiter in der Vergangenheit zurückliegt als das Perfekt. Beispiel:

  • Parentes filium curaverunt, nam lacrimare coeperat. Die Eltern kümmerten sich um ihr Kind, weil es angefangen hatte zu weinen.

Um die Zukunft auszudrücken, gibt es im Lateinischen zwei Möglichkeiten. Zum einen kann man das Futur I verwenden, zum anderen das Futur II:

  • Amicas ad cenam vocabimus. Wir werden unsere Freundinnen zum Essen einladen. (Futur I)
  • Amicas ad cenam vocaverimus. Wir werden unsere Freundinnen zum Essen eingeladen haben. (Futur II)

Wozu Zeitformen lernen?

Lateinische Texte einfach so „runterlesen“ und verstehen – dazu muss man schon ein Profi sein. Aber das Übersetzen und Verstehen fällt dir leichter, je mehr du über die Hintergründe und Umstände einer Handlung weißt. Die zeitliche Abfolge der Geschehnisse ist ein wichtiger Hinweis, ohne den man beim Übersetzen schnell Verständnisprobleme bekommt. Nur, wenn man die Zeitformen kennt, kann man sicher das Tempuskennzeichen und somit die Zeitform bestimmen.