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Lexikon Latein

Kongruenz

Farben in diesem Lexikonartikel:
ROT = Nominativ;
ROSA = Genitiv;
GRÜN = Dativ;
BLAU = Akkusativ;
GRAU = Ablativ;
• Nicht gekennzeichnet sind die für das Thema nicht entscheidenden Kasusformen und sonstige Wörter.
Wo keine Kasus gekennzeichnet sind, steht das Lateinische wie sonst auch in BRAUN.

 

Über das Wort „Kongruenz“

Genus, Betonung:  die Kongruenz
Plural:  die Kongruenzen
Abkürzung:  Kongr.
Herkunft:  von lat. congruentia Übereinstimmung

 

Definition

Von „Kongruenz“ spricht man, wenn im Text Wörter, die denselben Gegenstand beschreiben, in bestimmten grammatischen Kategorien miteinander übereinstimmen müssen. Diese Kategorien drücken sie durch ihre Flexion aus oder tragen sie als unveränderliche Worteigenschaft in sich.

 

Welche Wörter haben welche Kongruenzeigenschaften?

Im Lateinischen (und Deutschen) können flektierbare Wörter in den Kategorien folgender Dimensionen übereinstimmen (= kongruent sein):
• Kasus  (Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ, Ablativ, Vokativ, Lokativ)
• Numerus  (Singular, Plural)
• Genus  (Maskulin, Feminin, Neutrum)
• Person  (1.Person, 2.Person, 3.Person)
Hinter jeder Dimension sind in Klammern ihre möglichen Kategorien angegeben. Kongruenz bedeutet, dass die betroffenen Wörter aus jeder der vier Dimensionen dieselbe Kategorie zum Ausdruck bringen.

Die folgende Tabelle zeigt, welche Wortarten welche Kongruenzeigenschaften aufweisen.
 

Kongruenz - Abbildung 1

 

KONGRUENZREGELN

Im Lateinischen und Deutschen gelten im Wesentlichen dieselben Kongruenzregeln. Beachte in den folgenden Beispielen, dass bei der Übersetzung eines lateinischen Ausdrucks Kasus und Genus natürlich den deutschen Regeln angepasst werden müssen und daher nicht immer mit dem Lateinischen übereinstimmen.
 

(A)  Eigenschaftskongruenz

Alle flektierbaren Wörter in einem Haupt- oder Nebensatz, die denselben Gegenstand beschreiben (= Eigenschaften desselben Gegenstands sind), müssen (soweit möglich) in KNGP-Kongruenz stehen. KNGP = Kasus + Numerus + Genus + Person. Z.B.:

÷ Ille imperātor Rōmānus omnēs suōs mīlitēs longā ōrātiōne incitāvit.
   Jener römische Feldherr spornte alle seine Soldaten mit einer langen Rede an.

Immer wenn in einem Satz ein Gegenstand erwähnt wird, ist eines von den Wörtern, die ihn beschreiben, gegenständlich gebraucht. Im Beispiel sind die gegenständlichen Wörter fett gedruckt. Meistens sind die gegenständlichen Wörter Substantive oder Pronomen.

Die anderen Wörter, die denselben Gegenstand beschreiben, müssen (soweit ihre Flexion das zulässt) alle Kongruenzmerkmale des gegenständlichen Wortes übernehmen. Im Beispiel sind alle Wörter in derselben Farbe gedruckt wie das gegenständliche Wort, mit dem sie kongruent sind. Kongruenz bedeutet nicht, dass die Wörter eine gleich aussehende Endung haben, sondern dass ihre Endungen die gleiche Bedeutung haben: In dem Ausdruck ille imperātor Rōmānus jener römische Feldherr haben alle Wörter die Kongruenzmerkmale Nominativ Singular Maskulin und stehen für die 3.Person. Da die drei Wörter drei verschiedenen Deklinationstypen angehören, werden die gleichen Kongruenzmerkmale durch drei verschiedene Endungen ausgedrückt: -e in ille, -_ (leere Endung) in imperātor und -us in Rōmānus. Das ebenfalls damit kongruente Verb incitāvit drückt durch die Endung -t Nominativ Singular 3.Person aus.

Wenn im Lateinischen das Subjekt nicht als eigenständiges Wort vorhanden ist, ist das Verb gegenständlich gebraucht (Personalendung = Subjekt!). Z.B.:
÷ Omnēs suōs mīlitēs longā ōrātiōne incitāvit
   Er spornte alle seine Soldaten mit einer langen Rede an.
Im Beispiel wird das Subjekt durch die Personalendung -t von incitāvit angegeben. Wir sehen daran, dass das Subjekt ein Nominativ Singular der 3.Person ist und übersetzen es daher mit er. (Das Genus Maskulin ist dabei aus dem Textzusammenhang erschlossen.)

Die Eigenschaftskongruenz unterliegt folgenden Regeln:
 

(1)  Attribut-zu-Substantiv-Kongruenz

Alle Attribute (Adjektiv, Partizip, Pronomen, Kardi­nalzahl, als Apposition gebrauchtes Substantiv) treten (soweit möglich) in KNG-Kongruenz mit dem Substan­tiv, das sie begleiten. Eine Kongruenz der Person (= P) ist hier nicht möglich, da die attributfähigen Wörter keine Person ausdrücken können. Vergleiche im oben genannten Beispiel die Ausdrücke:
ille imperātor Rōmānus  jener römische Feldherr
omnēs suōs mīlitēs  alle seine Soldaten
longā ōrātiōne  mit einer langen Rede

Ausnahme:  Genitiv-Attribute und Ablativ-Attribute (Ablātīvus quālitātis) stellen einen anderen Gegenstand dar, daher können sie nicht kongruent sein mit dem Gegenstand, dessen Attribut sie sind.
 

(2)  Prädikat-zu-Subjekt-Kongruenz

Alle Prädikate treten (soweit möglich) in KNGP-Kongruenz mit ihrem Subjekt, da das Prädikat als Eigen­schaft seines Subjekts gilt. Vergleiche im oben genannten Beispiel:
÷ Ille imperātor Rōmānus ... mīlitēs ... incitāvit.
   Jener römische Feldherr spornte ... die Soldaten ... an.

Wenn das Prädikat eine umschriebene Verbform ist, sind natürlich alle Verbteile mit dem Subjekt kongruent. Z.B.:
÷ Ille imperātor Rōmānus ... mīlitēs ... cohortātus est.
   Jener römische Feldherr ermutigte ... die Soldaten.
   (Das lateinische Verb ist ein Deponens.)

Wenn das Prädikat aus einem Prädikatsnomen (Substantiv oder Adjektiv) + esse besteht, muss auch das Prädikatsnomen (im Beispiel: crūdēlis) mit dem Subjekt kongruent sein. Z.B.:
÷ Ille imperātor Rōmānus in mīlitēs crūdēlis est.
   Jener römische Feldherr ist grausam gegen die Soldaten.
 

(3)  Subjekt-zu-Prädikat-Kongruenz

Ist das Subjekt ein Demonstrativ-, Interrogativ- oder Relativpronomen und das Prädikat ein Substantiv (als Prädkatsnomen) + esse, tritt – im Gegensatz zum Deutschen – das Subjekt meist in KNGP-Kongruenz zum Prädikat. Als Person (= P) lassen die Pronomen und das Substantiv nur die 3.Person zu. Z.B.:
÷ Quae est tua sententia? Was (wörtlich: welche) ist deine Meinung?
÷ Haec est mea sententia. Das (wörtlich: diese) ist meine Meinung.
÷ Caesar omnibus cōpiīs Cēnabum pervēnit. Ea est urbs Carnutum.
   Cäsar gelangte mit allen Truppen nach Cenabum. Dies (wörtlich: diese) ist eine Stadt der Carnuten.
÷ Caesar omnibus cōpiīs Cēnabum pervēnit, quae est urbs Carnutum.
   Cäsar gelangte mit allen Truppen nach Cenabum, das (wörtlich: die) eine Stadt der Carnuten ist.

 

(B)  Mehrfachnennungskongruenz

Wird derselbe Gegenstand mehrmals genannt, müssen (soweit möglich) alle Nennungen in NGP-Kongruenz stehen.  NGP = Numerus + Genus + Person.
Die Kasus-Kongruenz fällt fort, denn der Kasus zeigt nur die syntaktische Funktion des Gegenstands an der jeweiligen Textstelle an, wo er genannt ist.
 

(1)  Reflexivpronomen-zu-Subjekt-Kongruenz

Refle­xivpronomen müssen NP-kongruent sein mit ihrem Bezugswort (Subjekt) im selben Satz (oder bei „indirekter“ Reflexivität: im übergeordneten Satz). Die Kongruenz im Genus (= G) entfällt, da Reflexivpronomen kein Genus ausdrücken können. Das Reflexivpronomen der 3.Person ( sich) zeigt außerdem keinen Numerus an. Z.B.:
÷ Mārcus lavat.  Marcus wäscht sich (Akk.).
   (Marcus wird im Satz zweimal erwähnt: als Nom.-Subjekt und als Akk.-Objekt.)
   lavō. (Subjekt im Verb)  Ich wasche mich (Akk.).
÷ Mārcus sibī librōs emit.  Marcus kauft sich (Dat.) Bücher.
   Mihī librōs emō. (Subjekt im Verb)  Ich kaufe mir (Dat.) Bücher.
÷ Mārcus narrat [ vīcisse]. (ACI, indirekte Reflexivität) 
   Marcus erzählt, [dass er (selbst) gesiegt habe].
   Narrō [ vīcisse]. (ACI, indirekte Reflexivität) 
   Ich erzähle, [dass ich gesiegt hätte].
 

(2)  Vorerwähnungskongruenz (satz­über­greifend)

Eine Gegenstandsnennung muss mit einer Nennung desselben Gegenstands im vorausgegangenen (selten: im folgenden übergeordneten) Haupt- oder Nebensatz in NGP-Kongruenz treten. Z.B.:
• Demonstrativpronomen:
÷ Mārcus sibī librōs emit. ā Cicerōne scrīptī sunt. 
   Marcus kauft sich Bücher. Diese sind von Cicero verfasst.
• Relativpronomen:
÷ Mārcus sibī librōs emit, quī ā Cicerōne scrīptī sunt. 
   Marcus kauft sich Bücher, die von Cicero verfasst sind.

Bei der Gegenstandsnennung kann es sich auch um eine finite Verbform ohne eigenständiges Subjektwort handeln (d.h. eine Verbform, die den Subjektgegenstand in ihrer Personalendung enthält). Z.B.:
÷ Mārcus sibī librōs emit. Ā Cicerōne scrīptī sunt. 
   Marcus kauft sich Bücher. Sie sind von Cicero verfasst.

 

(C)  Aufzählungskongruenz

Wenn mehrere Gegenstände durch Aufzählung miteinander verbunden sind, stehen sie in K-Kongruenz.  K = Kasus. Aufzählung bedeutet, dass die Gegenstände in die gleiche syntaktische Funktion gesetzt sind (z.B. mehrere aufgezählte Subjekte). Da der Kasus die syntaktische Funktion bezeichnet, muss er bei gleicher syntaktischer Funktion übereinstimmen. Z.B.:
÷ Helvētiī ad iter iūmenta, carrōs frūmentumque comparāvērunt. (drei Akkusativobjekte)
   Die Helvetier beschafften für die Reise Zugtiere, Wagen und Getreide.

 

(D)  Kongruenzkonflikte

In mehreren Fällen führt die Anwendung der oben genannten Kongruenzregeln nicht zu eindeutigen Ergebnissen. Hierfür sind die folgenden Sonderregeln erforderlich.
Abkürzungen:  M = Maskulin, F = Feminin, N = Neutrum, SG = Singular, PL = Plural
 

(1)  Mehrere Substantive mit verschiedenem Genus beschreiben denselben Gegenstand

Dann ist zwischen diesen eine Genus-Kongruenz (meist) nicht möglich; die übrigen Wörter, die den Gegenstand beschreiben, schließen sich dem jeweils syntaktisch oder semantisch nächststehenden dieser Substantive an.
Mögliche Fälle :

(a)  Substantiv + Apposition, z.B.:
  ÷ flūmenN RhēnusM lātissimusM atque altissimusM,
     quīM agrum Helvētium ā Germānīs dīvidit

     der sehr breite und sehr tiefe Fluss Rhein,
     der das helvetische Gebiet von den Germanen trennt

  ÷ flūmenN AxonaF, quodN est in extrēmīs Rēmōrum fīnibus
     der Fluss Axona, der sich am Rand des Gebiets der Remer befindet
  ÷ magnusM thēsaurusM omnium rērum memoriaF
     das Gedächtnis, die große Schatzkammer aller Dinge

(b)  Substantiv-Subjekt + Substantiv-Prädikatsnomen, z.B.:
  ÷ RhēnusM flūmenN lātissimumN atque altissimumN est.
     Der Rhein ist ein sehr breiter und sehr tiefer Fluss.

(c)  Vorerwähnung mit anderem Substantiv, z.B.:
  ÷ Caesar cum ad AxonamF pervēnisset,
     castra ad ipsumN  flūmenN facere iussit.

     Als Cäsar zur Axona (gelangt war =) gelangte,
     befahl er, unmittelbar am Fluss ein Lager zu errichten.

 

(2)  Eine Eigenschaft beschreibt gleichzeitig mehrere Gegenstände

D.h., dass sich ein Adjektiv (oder Partizip, Pronomen) oder eine umschriebene Verbform auf mehrere Substantive bezieht. In diesem Fall haben die Substantive oft verschiedenes Genus oder verschiedenen Numerus. Dann kann das Adjektiv (bzw. Pronomen) natürlich nicht mit allen Substantiven kongruent sein.

(a)  Ein Adjektiv (oder Partizip, Pronomen) ist Attribut zu mehreren Substantiven

Dann steht es in Kongruenz zum nächststehenden Substantiv; z.B.:
÷ Aedificāvērunt novāsF.PL domōsF.PL et templaN.PL et portumM.SG.
   Sie bauten neue Häuser und Tempel und einen neuen Hafen.

(b)  Ein Prädikat (kein Partizipialsatz) hat mehrere Subjekte

• Die Gegenstände sind Personen
Dann steht das Prädikat (auch Prädikatsnomen) im Maskulin Plural; nur wenn ausschließlich von weiblichen Personen die Rede ist, im Feminin Plural. Z.B.: 
÷ MārcusM et IūliaF  laetīM sunt.  (laetī ist Prädikatsnomen)
   Marcus und Julia sind fröhlich.
÷ MārcusM et IūliaF  in hortō repertīM sunt.  (Perfekt Passiv von reperīre)
   Marcus und Julia wurden im Garten gefunden.
Beachte:  Dass bei einer Zusammenfassung von Männern und Frauen Maskulin verwendet wird, ist keine Diskriminierung der Frauen. Der Grund ist vielmehr, dass das sogenannte „Maskulin“ seinen Namen zu Unrecht trägt. Weder im Lateinischen noch im Deutschen noch in anderen Sprachen unserer Sprachfamilie gibt es ein Maskulin. Was „Maskulin“ heißt, ist in Wirklichkeit ein Utrum, also ein Genus, das für Personen beider Geschlechter erfunden wurde.

• Die Gegenstände sind Sachen
Dann steht das Prädikat (auch Prädikatsnomen) in einer von drei möglichen Formen:
— meist in Kongruenz zum nächststehenden Subjekt; z.B.:
     ÷ TemplaN.PL et domūsF.PL et portusM.SG dēlētusM.SG est.
        Die Tempel, die Häuser und der Hafen wurden zerstört.
— auch im Plural mit dem Genus aller Subjekte, wenn deren Genus gleich ist; z.B.:
     ÷ DomusF.SG et viaF.SG aedificātaeF.PL sunt.
        Ein Haus und eine Straße wurden gebaut.
— auch im Neutrum Plural ohne Rücksicht auf die Genera der Subjekte; z.B.:
     ÷ TemplaN.PL et domūsF.PL et portusM.SG dēlētaN.PL sunt.
        Die Tempel, die Häuser und der Hafen wurden zerstört.
     ÷ DomūsF.PL et viaeF.PL aedificātaN.PL sunt.
        Häuser und Straßen wurden gebaut.

• Die Gegenstände sind Personen und Sachen
Dann steht das Prädikat (auch Prädikatsnomen) meist in Kongruenz zum nächststehenden Subjekt; z.B.:
     ÷ FeminaeF.PL et līberīM.PL et bonaN.PL raptaN.PL sunt.
        Frauen, Kinder und Güter wurden geraubt.

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