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Wortbildung einfach erklärt

Lernjahr:

Was versteht man unter Wortbildung?

Es gibt verschiedene Kategorien, in die man Wörter einordnen kann, z. B. Verben, Substantive und Adjektive. Diese Kategorien nennt man Wortarten. Im Lateinischen kann man, ähnlich wie im Deutschen, an bestimmten „Bausteinen“ der Wortbildung erkennen, zu welcher Wortart ein bestimmtes Wort gehört. Neben Definitionen zur lateinischen Wortbildung gibt diese Seite einen Überblick über Regeln der Wortbildung im Lateinischen.

Welche Wortgruppen unterscheidet man in der Wortbildung?

Man kann die Wurzel eines Wortes durch verschiedene Nachsilben (Suffixe) so verändern, dass unterschiedliche Wortarten entstehen. Hier eine Wortfamilie als Beispiel:

Verb liberare  befreien
Substantiv libertas die Freiheit
Adjektiv liberalis freigiebig
Adverb liberaliter auf freigiebige Weise

Durch Vorsilben (Präfixe) lässt sich zwar nicht die Wortart, aber die Wortbedeutung ändern, z. B. heißt das Verb iregehen, das Kompositum inirehineingehen.

Was sind wichtige Regeln der Wortbildung?

Wortbildung bei Verben

Im Deutschen erkennt man Verben meist an der Endung -en der Grundform: lachen, kaufen etc. Wenn man im Vokabelverzeichnis nach lateinischen Verben sucht, erkennt man sie je nach Konjugation an den Endungen: -are, -ire oder -ere. Im Vokabelverzeichnis stehen die Verben in ihrer Grundform (Infinitiv), z. B. ridere – lachen. In Texten tauchen lateinische Verben allerdings meist in veränderter, sprich in konjugierter Form auf. Beim Konjugieren wird eine Verbform nämlich mit Informationen ausgestattet, sodass man Verschiedenes ablesen kann:

  • Subjekt: Wer führt die Handlung aus?
  • Tempus: In welcher Zeit findet die Handlung statt?
  • Aktiv oder Passiv: Handelt das Subjekt selbst oder stößt ihm etwas zu?

An der Verbform vocaverunt erkennst du zum Beispiel, dass das Subjekt in der 3. Person Plural steht (an der Personalendung -erunt). Die Zeitform ist das Perfekt, das erkennst du am Tempuszeichen -v-. Das Verb steht im Aktiv und übersetzt heißt es: sie haben gerufen.

Wortbildung bei Substantiven

Auch Substantive werden flektiert, also in ihrer Form verändert. Wird ein Substantiv gebeugt, spricht man vom Deklinieren. An einem deklinierten Substantiv kann man meist drei Informationen ablesen: Kasus, Numerus, Genus.

Bei Substantiven, die der 3. Deklination angehören, gibt es einige Endungen, die bereits durch ihr Aussehen grob etwas über das Substantiv aussagen, etwa die Endungen -io oder -or: sanatio – die Heilung (Handlung), sanator – der Heiler (Person, die handelt).

Wortbildung bei Adjektiven

Adjektive funktionieren ähnlich wie Substantive, denn auch sie werden dekliniert. Es gibt auch hier ein paar Suffixe, die eine bestimmte Bedeutung nahelegen: Oft bezeichnet -eus eine dauerhafte Eigenschaft, -osus gibt an, dass etwas voll von einer Sache ist, und -(b)ilis gibt oft an, dass etwas möglich ist: flammeus – brennend, flammend ⇔ flammosus – voll Flammen, brennend ⇔ flammabilis – brennbar, entzündlich.

Wozu nützt einem Wissen zur lateinischen Wortbildung?

Das Lernen von Konjugationen und Deklinationen ist für die Textarbeit unbedingt notwendig. Das leuchtet sofort ein. Das Wissen zur Wortbildung, also zu den lateinischen Nachsilben, scheint nicht dringend nötig. Aber: Wenn man das System hinter der Wortbildung einmal verstanden hat, versteht man viele lateinische Wörter, ohne dass man sie gelernt hat. Dein Wortschatz erweitert sich ohne großen Aufwand. Das Gute ist: Viele Wörter in Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch haben ihren Ursprung im Lateinischen und tragen dieses Erbe bis heute in den Endungen, z. B. wurde die lateinische Endung -bilis zu -ble im Englischen und Französischen: understandable, reachable; impossible, sensible ...