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Der Kasus in Latein

Lernstufe:

Was ist ein Kasus?

Das Wort Kasus kommt vom lateinischen Wort casus und bedeutet auf Deutsch Fall. Aus dem Deutschen kennst du vier grammatische Fälle: Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ. Im Lateinischen gibt es noch zwei weitere: den Ablativ und den Vokativ.

Der Kasus wird durch eine bestimmte Endung an einem Wort ausgedrückt. Ein Kasus gibt an, welche Funktion ein Nomen im Satz hat und in welcher Beziehung es zu den anderen Satzelementen steht.

Nur ganz bestimmte Wörter können Kasusendungen erhalten:

  1. Substantive (z. B.: amicus – der Freund)
  2. Pronomen (z. B.: is – er)
  3. Adjektive (z. B.: magnus – groß)
  4. bestimmte Zahlwörter (z. B.: unus – eins)

In diesem Text erhältst du einen Überblick, welche Kasus es im Lateinischen gibt. Welche Funktion die Fälle im Satz haben, erklären wir dir im Lernweg Kasus-Funktionen.

Welche Kasus gibt es in Latein?

  1. Nominativ: Diesen Kasus lernt man als Erstes kennen. Alle Substantive, die man mithilfe der Vokabelliste lernt, stehen dort im Nominativ: amicus, amici m. – der Freund. 
  2. Genitiv: Die zweite Form, die bei Substantiven in der Vokabelliste meist hinter dem Nominativ angegeben steht, ist der Genitiv: amicus, amici m. 
  3. Dativ: Der Dativ wird für das Dativobjekt eines Satzes gebraucht, zum Beispiel: senatori – dem Senator/für den Senator.
  4. Akkusativ: Auch der Akkusativ wird für Objekte im Satz verwendet: senatorem – den Senator.
  5. Ablativ: Dieser Kasus steht für all die Funktionen, die nicht durch die anderen vier Kasus abgedeckt werden. Da der Ablativ also ein breites Bedeutungsspektrum abdeckt, kann er beim Übersetzen eine Herausforderung darstellen, zum Beispiel: oculo – mit dem Auge/im Auge.

Was ist der Vokativ?

Neben den fünf oben erklärten Kasus gibt es noch einen sechsten Fall: den Vokativ (Ruf-Fall). Er kommt so selten vor, dass er in den Deklinationstabellen meist nicht aufgeführt wird. Er ist in der Regel mit dem Nominativ identisch, sodass man beim Übersetzen oft nicht einmal merkt, dass es sich um einen Vokativ handelt: Flavia, ubi es? Flavia, wo bist du? 

Einzige Ausnahme ist der Vokativ der o-Deklination maskulin, wo er auf -e endet: Quintubi es? Quintus, wo bist du?

Welche Endungen gibt es für die Kasus?

Es gibt unterschiedliche Muster, nach denen Nomen dekliniert werden:

  1. a-Deklination
  2. o-Deklination (maskulin und Neutrum)
  3. 3. Deklination (konsonantische DeklinationMischdeklination und i-Deklination)
  4. e-Deklination
  5. u-Deklination

Pro Deklination solltest du dir jeweils ein Wort als Beispiel merken. So erhältst du ein Schema, mit dem du unbekannte Nomen vergleichen kannst.

Welche Fragen gibt es für die Kasus?

Wenn du einen Satz übersetzen willst, bestimme das Prädikat und frage davon ausgehend nach den anderen Satzgliedern:

  1. Nach dem Nominativ fragt man mit: „Wer oder was ...?“
  2. Den Genitiv ermittelt man mit der Frage: „Wessen ...?“
  3. Für den Dativ kann man zwei Fragen verwenden: „Wem ...? Für wen ...?“
  4. Auch für den Akkusativ gibt es zwei Fragen: „Wen oder was ...? Wohin ...?“
  5. Der Ablativ beantwortet alle übrigen Fragen: „Wodurch/Womit ...? Mit wem ...? Wo ...? Wann ...?“

Der Vokativ beantwortet keine Frage. Er wird verwendet, wenn man jemanden ruft oder direkt anspricht.

Wie genau du die Satzglieder im Lateinischen bestimmst, kannst du auf der Aufgabenseite Satzglieder Latein nachlesen.

Welche Rolle spielt der Kasus bei der KNG-Kongruenz?

Die KNG-Kongruenz ist ein zentraler Bestandteil des Lateinischen, genau so, wie man auch in vielen anderen Sprachen nicht daran vorbeikommt. Zwei Wörter gehören dann zusammen, wenn sie in demselben Fall (Kasus), in derselben Zahl (Numerus) und in demselben Geschlecht (Genus) stehen: Filia felix – das glückliche Mädchen.

Wozu Kasus lernen?

Die Deklinationen und damit auch die Kasusendungen zu kennen, macht einen großen Teil der lateinischen Sprache aus, nämlich genau ein Drittel der KNG-Kongruenz. Ohne Kenntnisse der Kasus gleicht das Übersetzen lateinischer Texte bestenfalls einem Ratespiel. Daher ist es unerlässlich, die Deklinationen zu beherrschen, um lateinische Texte erfolgreich zu entschlüsseln und zu übersetzen.