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Lexikon Latein

Partizip

Andere Bezeichnungen:  Verbaladjektiv, Mittelwort

 

Über das Wort „Partizip“

Herkunft:  von lat. participium teilhabendes Wort  (zu particeps teilnehmend, teilhabend; zu pars Teil und capere nehmen. Gemeint ist, dass diese Verbform an Eigenschaften des Adjektivs Anteil hat.)
Genus:  Neutrum: das Partizip
Plural:  die Partizipien
Abkürzung:  Part.

 

Definition

„Partizip“ ist ein Formtyp des Verbs. Unter „Partizip“ versteht man eine Wortform mit folgenden Eigenschaften:
• Ein Partizip ist fähig, wie ein adjektivisches Attribut einen Gegenstand zu beschreiben (Formel: „nach oben wie ein Adjektiv“);
• von einem Partizip können die Ergänzungen (= Komplemente) und Angaben (= Supplemente) abhängen, die für Verben typisch sind (Formel: „nach unten wie ein Verb“);
• ein Partizip hat, wenn es nicht zur Verbformenumschreibung verwendet ist, immer die Funktion eines Nebensatzprädikats.

 

Formenbestand

Im Deutschen verfügen wir nur über zwei einfache Partizipien:
•  gleichzeitig Aktiv:  mahnend = einer, der mahnt/mahnte;
•  vorzeitig Passiv:  gemahnt = einer, der gemahnt worden ist/war.
Diese sind als Übersetzungen eingetragen in die Tabelle der lateinischen Partizipien unten. Mit schwerfälligen Umschreibungen kann das Deutsche alle sechs Felder der Tabelle füllen (im letzten Feld die Bedeutung 2.). Das Deutsche kann auch das Feld „vorzeitig Aktiv“ umschreiben, das im Lateinischen meist leer ist.
Ein Passivpartizip der Notwendigkeit (als Entsprechung zum lat. Gerundiv, letztes Feld) bilden wir aus zu + gleichzeitigem Aktivpartizip:
•  nachzeitig Passiv Notwendigkeit:  zu mahnend = einer, der gemahnt werden muss/musste.

Im Lateinischen gibt es vier Partizipien, von denen eins, das Gerundiv, zweimal in die Tabelle eingetragen ist, da es mehrere Funktionen hat. Das verbleibende Feld für „vorzeitig Aktiv“ ist gewöhnlich leer, kann aber bei wenigen Verben durch ein Partizip eines gleichbedeutenden Deponens gefüllt werden. Die Bildung von umschriebenen Partizipien ist im Lateinischen nicht möglich.

Abkürzungen in der Tabelle:
PFA = „Partizip Futur Aktiv“
PPA = „Partizip Präsens Aktiv“
PPP = „Partizip Perfekt Passiv“

Farben in der Tabelle:
BRAUN
= Verbalstamm:
     zeigt die Verbbedeutung an.
LILA = Unterstamm-Kennzeichen:
     zeigt den vom Verbalstamm abgeleiteten Unterstamm (Präsensstamm, Perfektstamm, Supinstamm) an.
DUNKELBLAU = Formtyp-Modus-Tempus-Kennzeichen:
     zeigt Formtyp, Modus und Tempus an, beim Partizip aber statt Modus die Diathese.
ROT = Deklinationsendung:
     zeigt Kasus, Numerus und Genus an.

Betrachte auch die Beispielanalysen von Verbformen unter Konjugation!
 

Partizip - Abbildung 1

Erläuterungen zur Tabelle:  Siehe die folgenden Abschnitte.

 

Bildung

Das gleichzeitige Aktivpartizip (PPA, monēns) und das Gerundiv (monendus) sind vom Präsensstamm (monē-) gebildet nach der jeweiligen Präsensstammkonjugation.
Das vorzeitige Passivpartizip (PPP, monitus) und das nachzeitige Aktivpartizip (PFA, monitūrus) sind vom Supinstamm (monit-) gebildet nach der für alle Verben gleichen Supinstammkonjugation.
Der Perfektstamm bildet kein Partizip.

 

Deklination

Die Partizipien werden dekliniert wie Adjektive der ō/ā-Deklination, mit Ausnahme des gleichzeitigen Aktivpartizips (= PPA, nt-Partizip), das als unregelmäßiger Typ der Adjektive der ī-Deklination dekliniert wird.

 

Tempus und Diathese

Die Partizipien drücken Tempus und Diathese aus. Während die Diathesen (Aktiv und Passiv) genauso funktionieren wie bei den finiten Verbformen, sind die Tempora der Partizipien anders zu verstehen. Traditionell spricht man von „Partizip Präsens“, „Partizip Perfekt“ und „Partizip Futur“, doch haben diese Tempusbezeichnungen eine andere Bedeutung als bei den finiten Verbformen:

• Bei den finiten Verbformen bedeuten die Bezeichnungen „Präsens“, „Perfekt“ und „Futur“ absolute Zeitstufen, d.h. sie unterscheiden, ob der Inhalt des Satzes aus Sicht der Person, die den Satz äußert (Sprecher), in der Gegenwart, der Vergangenheit oder der Zukunft liegt.

• Die infiniten Verbformen (Partizipien und Infinitive) hingegen drücken relative Zeitstufen aus, daher bedeutet:
„Präsens“ = gleichzeitig:  Der Inhalt des Partizipialsatzes liegt in der gleichen Zeit wie der des übergeordneten Satzes; dies kann Gegenwart, Vergangenheit oder Zukunft sein. Ein „Partizip Präsens“ wird also nicht immer mit deutschem Präsens übersetzt, sondern ebenso häufig mit deutschem Präteritum. Ähnliches gilt für die anderen Partizipien.
„Perfekt“ = vorzeitig:  Der Inhalt des Partizipialsatzes liegt zeitlich vor dem des übergeordneten Satzes.
„Futur“ = nachzeitig:  Der Inhalt des Partizipialsatzes liegt zeitlich nach dem des übergeordneten Satzes.

Beispiele mit Regeln für die Übersetzung findest du bei den einzelnen Typen der partizipialen Nebensätze: PC, Abl. abs., AUC.

 

Fehlende Partizipien

Da die Partizipien grundsätzlich drei verschiedenen Zeitstufen und zwei verschiedenen Diathesen angehören können, müsste es eigentlich 3 x 2 = 6 Partizipien geben. Tatsächlich gibt es aber nur vier, von denen zudem das Gerundiv in seiner Verwendbarkeit sehr eingeschränkt ist. Im Einzelnen:

• Das Feld des vorzeitigen Aktivpartizips ist bei den meisten Verben leer. Nur Deponentien können dieses Feld füllen, da ihre Besonderheit, Passivformen in Aktivbedeutung zu verwenden, auch für das vorzeitige Passivpartizip (= PPP) gilt: Es bekommt die Funktion eines vorzeitigen Aktivpartizips. Wenn zu einem gewöhnlichen Verb wie monēre mahnen ein gleichbedeutendes Deponens wie hortārī mahnen existiert, kann dieses die Lücke des vorzeitigen Aktivpartizips füllen, also: hortātus gemahnt habend (siehe Tabelle).
Beachte: Das aktivisch verwendete vorzeitige Passivpartizip des Deponens kann außerdem vorzeitig passivisch und gleichzeitig aktivisch verwendet werden, also z.B.:
÷ hortātus:
   1. gemahnt habend (siehe Tabelle);
   2. gemahnt (= monitus);
   3. mahnend (= monēns).

• Das Gerundiv hat überwiegend die Bedeutung der Notwendigkeit, z.B.:
÷ monendus zu mahnend = einer, der gemahnt werden muss.
Wenn eine Sache notwendig ist, ist sie noch nicht vorhanden und wird erst später vielleicht vorhanden sein. Notwendigkeit ist also ein Spezialfall von Nachzeitigkeit, daher steht das Gerundiv im Feld „nachzeitig Passiv“. Die zweite dort aufgeführte Bedeutung ist rein zeitlich:
÷ monendus künftig gemahnt werdend = einer, der gemahnt werden wird/würde.
Außerdem steht das Gerundiv in rein zeitlicher Bedeutung im Feld „gleichzeitig Passiv“:
÷ monendus gemahnt werdend = einer, der gemahnt wird/wurde.
Diese rein temporalen Bedeutungen hat das Gerundiv nur in den Konstruktionen Abl.abs. und AUC.
Das bedeutet, dass in allen anderen Verwendungsmöglichkeiten des Partizips ein gleichzeitiges und ein nachzeitiges Passivpartizip fehlen!

• In allen Fällen, wo kein passendes Partizip zur Verfügung steht, bleiben dem Römer nur zwei Möglichkeiten:
— den Satz so umzuformulieren, dass aus dem Passiv ein Aktiv oder aus dem Aktiv ein Passiv wird, wo ein Partizip mit der gewünschten Zeitstufe zur Verfügung steht;
— einen anderen Nebensatztyp zu verwenden, vor allem einen Relativsatz oder einen Subjunktionalsatz.

 

Verwendungsmöglichkeiten

 

(1)  Nebensatzprädikat

Alle Partizipien können als Nebensatzverbformen verwendet werden. Im Lateinischen finden sich drei Nebensatztypen, die mit Partizipien gebildet sind. Sie werden Partizipialsätze oder Partizipialkonstruktionen genannt. Genaueres erfährst du unter den Namen der einzelnen Konstruktionen:
Participium coniūnctum (= PC);
Ablātīvus absolūtus (= Abl.abs. = Participium absolūtum = PA);
Ab-urbe-condita-Konstruktion (= AUC); Spezialfälle von dieser sind:
— Accūsātīvus cum participiō (= ACP) und
— Gerundivkonstruktion (= „Gerundīvum prō gerundiō“).
 

(2)  Umschreibung von finiten Verbformen und Infinitiven

Das vorzeitige Passivpartizip (= PPP), das nachzeitige Aktivpartizip (= PFA) und das Gerundiv werden in Verbindung mit Formen des Hilfsverbs esse sein zur Umschreibung von fehlenden oder zusätzlichen finiten Verbformen und Infinitiven verwendet. Genaueres findest du unter umschreibende Konjugation.
 

(3)  Adjektivierung

Die gleichzeitigen Aktivpartizipien (= PPA) und vorzeitigen Passivpartizipien (= PPP) mancher Verben können als Adjektive gebraucht werden. Das kann sich an folgenden Kennzeichen zeigen, die nicht alle gemeinsam auftreten müssen:
• Die Deklination zeigt Endungen, die für Adjektive typisch sind;
• statt der für Verben typischen Ergänzungen (= Komplemente) und Angaben (= Supplemente) finden sich für Adjektive typische Ergänzungen und Angaben;
• das nt-Partizip kann als Prädikatsnomen auftreten;
• das t-Partizip kann nicht mehr als Nebensatzprädikat oder zur Umschreibung finiter Verbformen verwendet werden;
• die Bedeutung verändert sich mehr oder weniger stark.

Beispiele:
÷ sciēns (Gen. scientis, nt-Partizip von scīre wissen) wissend, kundig, geschickt,
   — nimmt im Abl.Sg. die Adjektiv-Endung : aus Partizip scient-ĕ wird Adjektiv scient-ī
        (siehe Adjektive der ī-Dekl.);
   — nimmt statt eines Akk.-Objekts eine Gen.-Ergänzung zu sich, z.B.:
        aus sciēns bellum den Krieg kennend wird sciēns bellī des Krieges kundig = kriegskundig;
   — verbindet sich mit essesciēns est er ist kundig.
÷ doctus (t-Partizip von docēre lehren) gelehrt, gebildet,
   — nimmt statt eines Akk.-Objekts eine Abl.-Ergänzung zu sich, z.B.:
        zwar: docet discipulum linguam Graecam er lehrt den Schüler die griechische Sprache,
        aber: discipulus linguā Graecā doctus ein in der griechischen Sprache gebildeter Schüler;
   — kann kein Perfekt Passiv mehr bilden:  doctus est = nur: er ist gebildet, nicht: er wurde gelehrt.
 

(4)  Substantivierung

Die gleichzeitigen Aktivpartizipien (= PPA) und vorzeitigen Passivpartizipien (= PPP) mancher Verben können als Substantive gebraucht werden. Die Kennzeichen dafür entsprechen denen der Adjektivierung, nur ist statt „Adjektiv“ „Substantiv“ einzusetzen. Es kommt hinzu:
• Das nt-Partizip kann auch als Subjekt auftreten (was bei gegenständlichem Gebrauch nicht erlaubt ist).
Manche Partizipien wurden erst adjektiviert und dann vom Adjektiv ausgehend weiter substantiviert.

Beispiele:
÷ sapiēns (Gen. sapientis, nt-Partizip von sapere verständig sein):
   adjektiviert: verständig, weise; substantiviert: der Weise;
   — nimmt im Abl.Sg. als Adjektiv die Endung , als Substantiv die Endung an
        (Part./Sbst. scient-ĕ, Adj. scient-ī);
   — steht auch als Subjekt, z.B.:  sapiēns sine metū vīvit der Weise lebt ohne Furcht.
÷ factum (Neutrum des t-Partizips von facere machen, tun) das Getane = die Tat,
   — verbindet sich mit Adjektiven, z.B.:  iūstum factum eine gerechte Tat;
        aber immer noch möglich mit bestimmten Adverbien, also ist die Substantivierung
        noch nicht völlig vollzogen; z.B.:  bene factum etwas gut Getanes = eine gute Tat.

Beachte:  Substantivierung macht ein Wort tatsächlich zum Substantiv. Dies ist zu unterscheiden vom gegenständlichen (= „substantivischen“) Gebrauch, bei dem die Eigenschaften der ursprünglichen Wortart erhalten bleiben; z.B. (Cicero-Sätze):
÷ Iacet corpus dormientis ut mortuī. Der Körper eines Schlafenden liegt da wie (der Körper) eines Toten.
   Hier ist dormientis nur gegenständlich gebrauchtes Partizip,
   da dormiēns schlafend niemals als Subjekt auftreten kann.
÷ Medicī leviter aegrōtantēs lēniter cūrant. Wörtlich: Die Ärzte behandeln die leicht Krankenden sanft.
   Auch aegrōtāns krankend, krank kann nicht als Subjekt gebraucht werden;
   außerdem kann es noch durch ein Adverb (leviter leicht) erweitert werden;
   das Partizip ist also eindeutig nur gegenständlich gebraucht.

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