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Lexikon

Zeitgeschichte

1. Lernjahr ‐ Abitur

Zeitgeschichte, die jüngste Phase der Neuzeit, die mit dem Jahr 1917 beginnt. Sie koppelt sich an die Zäsur in der geschichtlichen Entwicklung, die mit dem Kriegseintritt der USA und der Oktoberrevolution in Russland zusammenfällt. Dadurch entstand eine neue Blockbildung in Gestalt von Kapitalismus bzw. Marktwirtschaft und parlamentarischer Demokratie einerseits und von Sozialismus bzw. Marxismus-Leninismus mit Planwirtschaft und Alleinherrschaft der jeweiligen kommunistischen Partei andererseits. Zudem erweiterte dich der geografische Kreis der weltpolitischen Macht: Nicht mehr Europa oder nicht mehr Europa allein bestimmte die politischen und wirtschaftlichen Geschicke in der Welt, sondern verstärkt auch die USA und die Sowjetunion.

Die Zeitgeschichte ist durch wirtschaftlichen Wohlstand genauso geprägt wie durch menschenverachtende Ideologien wie den Faschismus und Nationalsozialismus, der zur bisher größten Katastrophe der Menschheit, dem Zweiten Weltkrieg, führte.

Nach 1945 verstärkte sich der politische, wirtschaftliche und militärische Gegensatz zwischen Ost und West zum Kalten Krieg und zum Ost-West-Konflikt. Die Politik internationalisierte sich, unter anderem mit der Gründung der Vereinten Nationen. Allerdings dominierte der Ost-West-Konflikt mit den Militärbündnissen NATO und Warschauer Pakt jahrzehntelang.

Darüber hinaus setzte der Erste Weltkrieg Entwicklungen frei, die mit der Entkolonialisierung nach 1945 auf eine allmähliche Emanzipation der vom Kolonialismus und Imperialismus der europäischen Mächte im 19. Jahrhundert erschlossenen und eroberten Überseegebiete hinausliefen. Der Ost-West-Konflikt wurde damit mit dem Nord-Süd-Konflikt ergänzt.

In den 1970er-Jahren verstärkten sich die Bemühungen um Abrüstung und Entspannung. Mit der Entspannungspolitik und der neuen Ostpolitik Deutschlands näherten sich die Machtblöcke einander an. Nach Überwindung des Ost-West-Konflikts seit 1989 mit der Wiedervereinigung beider deutschen Staaten und dem Zerfall des „Ostblocks“ verbreitete sich in Europa ein großer Optimismus. Ehemalige Ostblockstaaten und Nachfolgestaaten der Sowjetunion näherten sich Westeuropa an und wurden Mitglied in der Europäischen Union und der NATO.

Mit dem Elften September 2001 trat ein zeitgeschichtlicher Wendepunkt ein. Statt Ost-West-Konflikt und Nord-Süd-Konflikt stand plötzlich der Kampf gegen den internationalen Terrorismus im Mittelpunkt. Zudem veränderte sich das weltwirtschaftliche Machtgefüge, da nicht mehr nur die westlichen Industrieländer mit ihren hochentwickelten Volkswirtschaften dominierten, sondern vermehrt Entwicklungsländer wie Schwellenländer (darunter die sehr großen Staaten wie China, Indien) stark aufholten.

Auch auf der Ebene der Vereinten Nationen machte sich die Verschiebung von einer Bipolarität (USA bzw. der Westen gegen Sowjetunion bzw. der Osten) zu einer Multipolarität jenseits ehemaliger Machtblöcke bemerkbar. Hierbei ging es nicht nur um den internationalen Terrorismus mit terroristischen Organisationen jenseits von Staaten, sondern auch um internationale Bekämpfung von Hunger, Armut, Krieg und Verelendung in vielen Staaten und Regionen auf der Südhalbkugel sowie um Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaschutz, um möglichst vielen Menschen ein menschenwürdiges Leben auf dem Planeten Erde zu ermöglichen.