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Lexikon

Kalter Krieg

1. Lernjahr – Abitur

Kalter Krieg, allgemein die politische Konfrontation von Staaten ohne Waffengewalt. Unterhalb der direkten Kriegsschwelle werden in der Auseinandersetzung diplomatische, wirtschaftliche und propagandistische Maßnahmen getroffen.

Der Begriff charakterisierte nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs die Spannungen zwischen den USA und der UdSSR über die Gestaltung der Nachkriegspolitik, insbesondere gegenüber Deutschland und Osteuropa. Diese Spannungen hielten etwa bis 1955 an und wurden dann trotz andauernder Gegensätze zwischen den beiden Machtblöcken in Ost und West, die sich durch die Verfügungsgewalt über Atomwaffen verstärkten, durch den Versuch beiderseitiger Entspannungspolitik im Rahmen des Ost-West-Konflikts abgelöst.

Der Weg in den Kalten Krieg nach 1945

Der Militärgouverneur der USA in Deutschland, General Lucius D. Clay, ordnete am 4.5.1946 die Einstellung von Reparationsleistungen aus der US-Zone in die Sowjetunion an, weil im Tausch die Lebensmittellieferungen aus der sowjetischen Zone ausblieben. Die auf der Potsdamer Konferenz vereinbarte wirtschaftliche Einheit Deutschlands wurde damit hinfällig.

Der amerikanische Außenminister George C. Marshall (*1880, †1959) signalisierte im Januar 1947 den Übergang von einer Politik der Geduld gegenüber der UdSSR zur Politik der Eindämmung (Containment-Politik).

Der amerikanische Präsident Harry S. Truman (*1884, †1972, 33. Präsident der USA von 1945 bis 1953) verlangte am 12.3.1947 vor dem amerikanischen Kongress die Bereitstellung finanzieller Mittel für Griechenland (Bürgerkrieg mit den Kommunisten) und für die Türkei sowie für die Entsendung militärischen Fachpersonals und sagte Hilfe der USA zu „für die in ihrer Freiheit bedrohten Völker“ (Trumandoktrin).

Der amerikanische Außenminister Marshall verkündete am 6.6.1947 das Europäische Wiederaufbauprogramm, den nach ihm benannten Marshallplan. Die kommunistisch regierten Länder Osteuropas gründeten daraufhin 1949 den Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RgW, COMECON).

Die Außenministerkonferenz der Siegermächte in London Ende 1947 wurde ohne Einigung vorzeitig abgebrochen.

Die Sowjetunion verließ am 20.3.1948 den Alliierten Kontrollrat für Deutschland, der damit faktisch seine Arbeit einstellt. Ab 26.6.1948 sperrte die Sowjetunion die Versorgung West-Berlins (Berlinblockade). Auslöser war die Währungsreform in den westlichen Besatzungszonen. Bis zum 12.5.1949 wurde die Stadt mit allem Lebensnotwendigen durch die Westalliierten über eine Luftbrücke versorgt.

Am 4.4.1949 wurde der Nordatlantikpakt NATO in Washington gegründet. Gründungsmitglieder dieses Militärbündnisses waren Belgien, Dänemark, Frankreich (Austritt aus dem militärischen Teil 1966), Großbritannien, Island, Italien, Kanada, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen, Portugal und die USA. 1955 trat die Bundesrepublik Deutschland bei.

Die Sowjetunion wurde 1949 Atommacht. 1952 zündeten die USA eine Wasserstoffbombe, die Sowjetunion folgte ein Jahr später.

Im Gegenzug zur Gründung der NATO schlossen die UdSSR, Albanien (Austritt 1968), Bulgarien, Polen, Rumänien, die ČSSR und Ungarn am 14.5.1955 ein Militärbündnis. Diesem Warschauer Pakt trat 1956 die DDR offiziell bei.