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Lexikon

Französische Revolution

1. Lernjahr ‐ Abitur
Französische Revolution, eine der wichtigsten Einschnitte in der Geschichte, mit dem die Grundlagen für den modernen Verfassungsstaat mit Menschenrechten und Bürgerrechten sowie demokratischen Strukturen gelegt wurden. Die Französische Revolution überwand das Ancien Régime, die alte Regierungsform des Absolutismus. Die traditionelle Ständegesellschaft musste der bürgerlichen Gesellschaft weichen
Zu Beginn weckte die Revolution in weiten Teilen der Erde Hoffnung auf politische und soziale Veränderungen. Mit der Hinrichtung des Königs 1793 und der Terrorherrschaft der Jakobiner schlug die Sympathie jedoch in Ablehnung um. 1799 ergriff General Napoleon Bonaparte die Macht und erklärte die Revolution für beendet. 

Erste Phase: Frankreich wird konstitutionelle Monarchie

In der ersten Phase von Mai 1789 bis September 1791 erhob sich der dritte Stand (Bürger, Bauer, Handwerker). Am 5.5.1789 eröffnete König Ludwig XVI. (*1754, †1793, König von Frankreich von 1774 bis 1792) erstmals seit 1614 die Versammlung der Generalstände mit 1 200 Abgeordneten, um neue Steuern durchzusetzen. Der Staat war vor allem infolge zahlreicher Kriege und der Unterstützung der Siedler im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg fast bankrott. 
Der dritte Stand (600 Abgeordnete, erster Stand der Geistlichkeit und zweiter Stand des Adels jeweils 300 Abgeordnete) forderte vergeblich die Abstimmung nach Köpfen statt nach Ständen. Die selbstbewussten Vertreter des Bürgertums waren das Rückgrat der Wirtschaft und von den Ideen der Aufklärung beeinflusst. Dem König wurden 40.000 Beschwerdebriefe der Untertanen vorgelegt, auf die er nicht reagierte. Der Streit über die Abstimmungsmodalitäten verhinderte die Arbeit der Generalstände.
Am 17.6.1789 erklärte sich der dritte Stand zur Nationalversammlung, beanspruchte, ganz Frankreich zu vertreten, und forderte die beiden anderen Stände auf, sich mit ihm zu vereinigen. Die Abgeordneten der Nationalversammlung schworen 20.6.1789 im Ballhaus des Schlosses von Versailles, nicht eher auseinanderzugehen, bis Frankreich eine gerechte Verfassung habe, die die Menschenrechte garantiere (Ballhausschwur). Der König befahl der Nationalversammlung zunächst, sich aufzulösen. Als sie sich widersetzte, erkannte er die Nationalversammlung an. 
Als sich die Nationalversammlung am 9.7.1789 zur verfassungsgebenden Nationalversammlung erklärte, zog der König um Versailles und Paris Truppen zusammen. Am 14.7.1789 ermordete eine aufgebrachte Menge einen Teil der Wachmannschaft des Pariser Staatsgefängnisses Bastille, eines Symbols der willkürlichen Königsherrschaft, eignete sich Kanonen an und befreite sieben Gefangene (Sturm auf die Bastille). Königliche Soldaten lagerten vor Paris. Die Pariser Bevölkerung befürchtete die Bestrafung wegen der revolutionären Ereignisse in Paris.
In einer Nachtsitzung vom 4. auf den 5.8.1789 beschloss die Nationalversammlung und verkündete am 11. August die Abschaffung der Privilegien des ersten und zweiten Stands: Die Leibeigenschaft  wurde abgeschafft, die Grundherren waren keine Richter mehr, Geldvorrechte und Steuerbefreiungen wurden abgeschafft, alle Bürger wurden zu Ämtern in Staat und Heer zugelassen. Das war das Ende der mittelalterlichen Feudalgesellschaft mit Lehnswesen und Grundherrschaft. Formell besaßen alle Bürger gleiche Rechte und Pflichten. Die befreiten Bauern stürmten daraufhin Schlösser und Herrenhäuser ihrer Grundherren, blieben aber besitzlos.
Am 26.8.1789 folgte die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte in der Nationalversammlung: Die Erklärung wurde einer künftigen Verfassung vorangestellt. Sie fordert Liberté (Freiheit des Einzelnen), Égalité (Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz) und Fraternité (Brüderlichkeit aller Menschen). Vorbilder waren die Unabhängigkeitserklärung der nordamerikanischen Kolonien von Großbritannien und die amerikanische Verfassung. Die Erklärung galt (damals fast selbstverständlich) nur für Männer. 
Die königliche Familie wurde am 21.6.1791 bei einem Fluchtversuch ins Ausland verhaftet. Viele Adlige hatten das Land bereits verlassen. Der König wurde verdächtigt, durch Kontakt mit dem feindlichen Ausland Hochverrat begangen zu haben. 
Die neue französische Verfassung wurde am 3.9.1791 verkündet. Der König war an die Verfassung gebunden. Es herrschte Gewaltenteilung. Frankreich wurde eine konstitutionelle Monarchie. Diese Verfassung wurde Vorbild aller bürgerlichen Verfassungen des 19. Jahrhunderts.

Zweite Phase: Frankreich wird eine Republik

In der 2. Phase von April 1792 bis Januar 1793 radikalisierte sich mit den Koalitionskriegen die Revolution. Frankreich wurde von seinen monarchischen Nachbarn bedroht. Die Bedrohung Frankreichs von innen und außen und der Kontakt des Königs mit dem republikfeindlichen Ausland trieben die Revolution voran.
Als der Befehlshaber der preußisch-österreichischen Truppen drohte, Paris zu zerstören, wenn dem König etwas zustoße, stürmte eine Volksmenge am 10.8.1792 das königliche Stadtschloss (Sturm auf die Tuilerien). Über 400 Menschen starben. Der König stand noch immer unter Verdacht, mit dem feindlichen Ausland und exilierten Adligen in Kontakt zu stehen. Die königliche Familie wurde gefangen genommen. Das aufgebrachte Volk stürmte vom 2. bis 7.9.1792 das Pariser Gefängnis und tötete über 1000 meist adlige Gefangene (Septembermorde). Die meisten Adligen, die noch in Frankreich geblieben waren, flohen ins Ausland.
Nach Selbstauflösung der Nationalversammlung und nach Wahl des Nationalkonvents am 21.9.1792 folgte die Ausrufung der Republik. Die Monarchie war damit abgeschafft. Es bildeten sich neue politische Gruppierungen, die unterschiedliche Ziele verfolgen.
Mit knapper Mehrheit (387 zu 334 Stimmen) wurde am 17.1.1793 im Nationalkonvent das Todesurteil über den König gefällt. Am 21.1.1793 wurde König Ludwig XVI. wegen Hochverrats hingerichtet. Großbritannien, Spanien, das Heilige Römische Reich Deutscher Nation und andere europäische Mächte traten daraufhin in den Kampf gegen Frankreich ein (Koalitionskriege).
Im Juni 1793 verabschiedete der Nationalkonvent eine republikanische Verfassung, die allerdings nie in Kraft trat.

Dritte Phase: Radikalisierung und Schreckensherrschaft

In der 3. Phase von Juni 1793 bis November 1799 übten zunächst die radikalen Jakobiner bis Juli 1794 eine Terrorherrschaft aus. Der innere Streit über den Fortgang der Revolution, Aufstände und die anhaltende Bedrohung von außen mündeten in der Schreckensherrschaft unter dem Rechtsanwalt Maximilien de Robespierre (*1758, †1794).
Seit Sommer 1792 bekämpften sich zwei revolutionäre Gruppen mit unterschiedlichen Zielen: die gemäßigten Girondisten und die radikalen Jakobiner. Im Juni 1793 gewannen die Jakobiner unter Führung Robespierres die Oberhand und rissen die Macht an sich. Die Girondisten wurden aus dem Parlament ausgeschlossen, ihre Anführer verhaftet, hingerichtet oder zum Selbstmord gezwungen. Mit dem Vorwurf, die Girondisten würden Frankreich an seine Feinde in den Koalitionskriegen verraten, brachten sie die Bevölkerung der Hauptstadt auf ihre Seite.
Im Juli 1793 übertrug der Nationalkonvent dem Wohlfahrtsausschuss die Macht, weil Frankreich durch die Koalitionskriege und Aufstände im Chaos zu versinken drohte. Der Wohlfahrtsausschuss regierte als provisorische Regierung ab Oktober 1793 mit diktatorischen Vollmachten. Die Jakobiner erklärten ihre politischen Gegner zu „Feinden der Revolution“. Am 10.6.1794 erließ der Nationalkonvent ein neues Gesetz gegen Revolutionsgegner. Die Phase des großen Schreckens mit vielen Hinrichtungen, die Schreckensherrschaft der Jakobiner, begann.
Die seit März 1793 eingerichteten Revolutionstribunale waren gefürchtet: Angeklagte mussten ihre Unschuld beweisen. Es gab nur zwei Urteile: Freispruch oder Tod. Ein Verdacht konnte ein Todesurteil bedeuten. Viele Urteile standen vor der „Verhandlung“ fest. Jeder Verdacht konnte als Verrat an der Revolution gewertet werden und zur Anklage führen. Es herrschte ein Klima der Angst und der Denunziation (Anschwärzung). Niemand war vor Anklage und Todesurteil sicher. Insgesamt wurden in Frankreich nach Schätzungen bis zu 500.000 Menschen verhaftet und zwischen 17.000 und 40.000 Menschen hingerichtet, oft mit der Guillotine.
Als auch frühere politische Freunde Robespierres wie Georges Jacques Danton (*1759, †1794) hingerichtet wurden, herrschte in Paris eine Atmosphäre der Angst vor Willkür und Terror. Seine Gegner verschworen sich gegen ihn. Am 27.7.1794 wurde Robespierre mit seinen engsten Anhängern verhaftet und angeklagt. Der Führer der radikalen Jakobiner wurde selbst ein Opfer des von ihm inszenierten Terrors. Unter dem Beifall der Menge wurden er und seine Anhänger guillotiniert. Die Schreckensherrschaft war beendet.
Nach der Schreckensherrschaft ging die Macht an die bürgerlichen Mitglieder des Nationalkonvents über. Im September 1795 sichert die dritte Verfassung dem Großbürgertum wieder ihre Vormachtstellung. Ab Oktober 1795 kam ein fünfköpfiges Direktorium, eine Vertretung des wohlhabenden Bürgertums, an die Macht. 
Da es dem Direktorium nicht gelang, die Krise Frankreichs zu überwinden, wuchsen die Unzufriedenheit und die Sehnsucht nach einem „starken Mann“. Am 9.11.1799 ergriff General Napoleon Bonaparte nach einem Staatsstreich die Macht und erklärte die Französische Revolution für beendet.