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Zwangsarbeiter, eine Vielzahl unterschiedlicher Personengruppen, die während des Zweiten Weltkriegs ins Deutsche Reich deportiert wurden und dort unter teilweise entwürdigenden Bedingungen zwangsweise für den NS-Staat bzw. für die deutsche Wirtschaft arbeiten mussten. Sie wurden auch als Displaced Persons (DP) bezeichnet.

Zahl der Zwangsarbeiter

Auf dem Gebiet des „Großdeutschen Reichs“ waren 7,7 Mio. ausländische Arbeitskräfte, die man größtenteils mit Zwang zum Arbeitseinsatz ins Reich gebracht hatte, beschäftigt: 5,7 Millionen Zivilarbeiter und knapp 2 Millionen Kriegsgefangene. 2,8 Millionen von ihnen stammten aus der Sowjetunion, 1,7 Millionen aus Polen, 1,3 Millionen aus Frankreich.

Insgesamt wurden zu dieser Zeit Menschen aus fast 20 europäischen Ländern im Reich zur Arbeit eingesetzt.„Der nationalsozialistische «Ausländereinsatz» zwischen 1939 und 1945 stellt den größten Fall der massenhaften, zwangsweisen Verwendung von ausländischen Arbeitskräften in der Geschichte seit dem Ende der Sklaverei im 19. Jahrhundert dar.” (Ulrich Herbert: Zwangsarbeitskräfte in Deutschland und im von Deutschland besetzten Europa im Zweiten Weltkrieg (S. 1116), in: Enzyklopädie Migration in Europa. Vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart, Hrsg.: Klaus J. Bade, Pieter C. Emmer, Leo Lucassen, Jochen Oltmer, München 20082.

Bedeutung für die Kriegswirtschaft

Im Jahr 1944 stellten die ausländischen Zwangsarbeiter – dazu zählte man Zivilarbeiter, Kriegsgefangene, KZ-Häftlinge und jüdische Arbeitskräfte – etwa ein Viertel der in der Gesamtwirtschaft innerhalb des Deutschen Reichs Beschäftigten.

Ohne Zwangsarbeit hätte weder die Rüstungsproduktion aufrechterhalten noch die deutsche Bevölkerung auf vergleichsweise hohem Niveau ernährt werden können. In der Landwirtschaft wurden 1944 rund 46%, in der Rüstungsindustrie rund 30% der 7,7 Millionen Zwangsarbeiter beschäftigt.

Entschädigungsfonds

In Deutschland wurde 2000 die Stiftung »Erinnerung, Verantwortung und Zukunft« ins Leben gerufen, um die noch lebenden Zwangsarbeiter zu entschädigen; Die Stiftungssumme sollte je zur Hälfte von der die öffentliche Hand und die in einer Stiftungsinitiative zusammengeschlossenen deutschen Unternehmen aufgebracht werden. Nur eine Minderheit der rund 2.500 Unternehmen, die im Zweiten Weltkrieg Zwangsarbeiter ausgebeutet hatten, beteiligte sich an dem Entschädigungsfonds.