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Lexikon

Grammatik

1. Lernjahr ‐ Abitur

Über das Wort „Grammatik“

Genus, Betonung:  die Grammatik
Plural:  die Grammatiken
Abkürzung:  Gr., Gramm.
Herkunft:  von lat. grammatica Grammatik, von griechisch grammatikḗ (téchnē) die Buchstaben betreffende (Kunst), Schreibkunst, Grammatik  (von grámma Geschriebenes, Buchstabe)

 

Definition

Definition 1:  Unter „Grammatik“ versteht man ein Sprachsystem, d.h. die Gesamtheit aller funktionalen Bauelemente, Funktionen und Regeln einer Sprache. Nicht zur Grammatik gehört der „Wortschatz“ (= „Lexikon“), d.h. die Gesamtheit der Wörter der Sprache. Genauer gesagt: Von den Wörtern gehören zur Grammatik nur die Funktionswörter (Funktionspartikeln, Präpositionen, Konjunktionen, Subjunktionen, manche Adverbien) und die Affixe und Regeln der Wortbildung und Formenbildung (= Flexion), aber nicht die damit gebildeten Wörter. 

Definition 2:  Unter „Grammatik“ versteht man die Beschreibung und Erklärung eines Sprachsystems nach Definition 1. Die Beschreibung und Erklärung des nicht zur Grammatik gehörenden Wortschatzes heißt „Lexikologie“.

 

Teilbereiche der Grammatik

Nach traditioneller Auffassung besteht die Grammatik aus folgenden Teilbereichen:

(1)  Lautlehre (= Phonologie)

(2)  Schriftsystem (einschließlich Rechtschreibung = Orthografie)

(3)  Wortbildung 

(4)  Formenlehre (= Flexion)

(5)  Satzlehre (= Syntax)

Grammatikbücher moderner Sprachen verzichten oft auf die Darstellung des (2) Schriftsystems (bzw. der Rechtschreibung). Sprachen wie Englisch, Französisch, Deutsch, Chinesisch, Japanisch oder Thailändisch werden nämlich auf so komplizierte, unregelmäßige Weise geschrieben, dass dies wegen der Stoffmenge besser in eigenständigen Werken behandelt wird. Auch die (1) Lautlehre und die (3) Wortbildung werden in Grammatiken oft nur verkürzt oder gar nicht behandelt. 

Heutige Grammatiken des Lateinischen oder moderner Sprachen fügen der Satzlehre manchmal eine eigenständige Textlehre hinzu, die Erscheinungen behandelt wie (a) die Verknüpfung von Sätzen zu Texten sowie (b) Texttypen und Textfunktionen und deren Auswirkungen auf die Textgestaltung. Die Inhalte von (a) gehören traditionell zur Satzlehre, während die Inhalte von (b) wenig mit der einzelnen Sprache als Sprachsystem zu tun haben, sondern eher mit der Anwendung von Sprache allgemein, kulturtypischen Besonderheiten oder Stil, und daher nicht unbedingt in ein Grammatikwerk einer Einzelsprache aufgenommen werden müssen.

In den Grammatiken der alten Sprachen finden sich meist auch eine Zusammenstellung von Stilmitteln und eine Verslehre (= Metrik). Stilmittel gehören zur Anwendung von Sprache allgemein, mit wenig Bezug zur Grammatik einer Einzelsprache. Die Verslehren der alten Sprachen hängen stark mit der Silbenbildung und daher mit der Lautlehre zusammen und sind in hohem Grad typisch für eine Einzelsprache; teilweise wirkt die Versbildung auch auf Lautgestalt und Formenbildung zurück.