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Einen epischen Text interpretieren

Oberstufe Dauer: 80 Minuten

Wie du die Analyse eines epischen Textes vorbereitest

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Analyse eines epischen Textes vorbereiten

Analyse eines epischen Textes vorbereiten (2)

Wie du Textart und Textstil in der Epik bestimmst

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Schritt-für-Schritt-Anleitung

Aufgabe

Analysiere die Figurenrede in Hebels Text und bestimme die Stilebene.

Johann Peter Hebel_Kaiser Napoleon Und Die Obstfrau In Brienne.pdf

Schritt 1: Bestimme die epische Form

Bestimme, welche epische Form bei dem Textausschnitt vorliegt. Oftmals gibt dir die Aufgabenstellung schon einen Hinweis. Rufe dir die charakteristischen Merkmale und Aussageabsichten der epischen Formen ins Gedächtnis.

Merkmale epischer Formen

Schritt 2: Ermittle den Textstil

Die Besonderheiten der sprachlichen Darstellungsweise bezeichnet man als Stil. Stilistische Eigenheiten können auf Vorlieben eines Autors beruhen, aber der Stil hängt auch von anderen Bedingungen ab. Manche Textsorten verlangen eine entsprechende Schreibweise (z. B. der schmucklose Stil der Kurzgeschichte) und in einer Epoche kann ein besonderer Stil vorherrschen (z. B. der üppige Stil des Barock).

Stilebenen

Der Autor eines epischen Textes entscheidet sich zunächst für eine Stilebene:

  • gewählt-gehobener Stil: z. B. „Antlitz/Angesicht“, „entschlafen/ableben“
  • normalsprachlicher Stil: z. B. „Gesicht“, „sterben“
  • umgangssprachlich-vulgärer Stil: z. B. „Visage/Fresse“, „abkratzen/verrecken“

Charakterisiere den Stil des Textes. Achte dabei auf die Bevorzugung bestimmter Wörter, Wortarten, Satzarten usw. sowie auf auffällige Stilfiguren wie Wortfiguren, Satzfiguren, Gedankenfiguren, Wiederholungs- und Klangfiguren (siehe S. 10 ff.).
Bei der Analyse des Satzbaus helfen dir folgende Leitfragen:

  • Kommen bestimmte Satzarten (Fragesätze, Ausrufe, Passivsätze) häufig vor?
  • Was fällt dir beim Satzumfang auf? Überwiegen kurze, möglicherweise unvollständige Sätze, die z. B. den Eindruck von Nervosität erwecken? Gibt es hauptsächlich lange Sätze, die z. B. eine intensive Beschreibung beinhalten?
  • Finden sich vor allem Satzreihen oder Satzgefüge? Werden mit Hypotaxen (Satzgefüge aus Haupt- und Nebensätzen) temporale oder kausale Zusammenhänge klar vermittelt? Werden mit Parataxen (Satzreihen aus einzelnen Hauptsätzen) Sachverhalte eher unzusammenhängend dargestellt?
  • Werden Satzfiguren (auffällige Abweichungen von der gängigen Syntax) benutzt? Für Erzähltexte sind vor allem folgende Satzfiguren wichtig: Asyndeton, Akkumulation/ Häufung, Ellipse, Inversion, Klimax, Parallelismus (vgl. S. 12). 

Bei der Analyse der Wortwahl helfen dir folgende Leitfragen:

  • Überwiegen bestimmte Wortarten? Nominalstil kann statisch, Verbalstil eher dynamisch wirken; die gehäufte Verwendung von Adjektiven lebendig.
  • Wird Alltagssprache oder Fachwortschatz verwendet?
  • Gibt es Wörter und Wendungen aus dem Dialekt?
  • Findet man auffallend häufige Wiederholungen einzelner Wörter?
  • Werden Wortfiguren (Abweichungen von der üblichen Wortwahl) benutzt, z. B. Anapher, Hyperbel (starke Übertreibung), Metapher, Neologismus (Wortneuschöpfung), Vergleich (vgl. S. 10 ff.)?

Frage dich immer nach der Wirkung der Stilmittel: Welche Absicht verfolgt der Autor mit dem Einsatz bestimmter sprachlicher Mittel, welche Wirkung wird erzielt? Bestimme, welche ersten Informationen du aus dem Stil über den Erzähler und die Figuren ableiten kannst:

  • Der Stil in der Erzählerrede zeigt das Verhalten des Erzählers (auktorialer Erzähler vs. personaler Erzähler). Der Stil der Erzählerrede ist ein Mittel der Leserlenkung: Ein besonders emotionaler, umgangssprachlich gefärbter Stil wirkt anders als eine nüchterne Erzählweise und kann den Leser u. U. besonders für eine Figur einnehmen.
  • Der Stil der Figurenrede trägt zur Charakterisierung einzelner Figuren hinsichtlich ihres Bildungsstandes, Sozialverhaltens, ihrer psychischen Verfassung bei.

Lösung

Festzustellen ist eine mittlere bis gehobene Stilebene trotz sozialer Unterschiede und unterschiedlichen Bildungsstands der Figuren. Auch in einem Moment großer Erregung – z. B. als sich der Kaiser der Obstfrau zu erkennen gibt – ändert sich die Stilebene nicht. An der Stilebene der Figurenrede kann daher weder die äußere noch die innere Verfassung der jeweiligen Figuren abgelesen werden; sie erscheint dem modernen Leser vielleicht als auffällig und ungewohnt, dennoch handelt es sich hierbei um übliche Umgangsformen der damaligen Zeit.

Textart und Textstil in der Epik bestimmen

Textart und Textstil in der Epik bestimmen

Wie du die Handlung eines epischen Textes untersuchst

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Schritt-für-Schritt-Anleitung

Aufgabe

Erläutere die Handlung von Hebels Kalendergeschichte. Untersuche den Aufbau der Geschichte und überlege, welche Wirkung sie auf den damaligen Leser haben sollte.

Johann Peter Hebel_Kaiser Napoleon Und Die Obstfrau In Brienne_4.pdf

Schritt 1: Gliedere den Text in Handlungsschritte

Oft musst du der Interpretation epischer Texte eine kurze Inhaltsangabe voranstellen. Gliedere dazu den Text in Handlungsschritte, um den Aufbau beschreibbar zu machen. Die meisten Erzählhandlungen laufen in drei Handlungsschritten ab: Einleitung, Hauptteil, Ergebnis.

Einleitung: Die Ausgangslage ist eine Situation, die einen Handlungsspielraum eröffnet und den Figuren Möglichkeiten zum Handeln eröffnet. Die Ausgangssituation kann folgendermaßen gestaltet sein:

  • Vorwort: Der Erzähler führt vor Beginn der Handlung in das Thema ein.
  • Aufbau der Situation: Die Umstände des Handlungsbeginns werden am Anfang entfaltet, der Erzähler führt in den Ort und die Zeit der Handlung ein und stellt die Hauptfiguren vor. Dies ist der Normalfall des Erzählens.
  • Resultat der Handlung: Das Ende wird an den Anfang gestellt.
  • Auftaktszene: Eine besonders bedeutsame oder wirkungsvolle Episode wird an den Anfang gestellt.

Hauptteil: Die Handlung der Figur ändert die Ausgangssituation.

Ergebnis: Als Ergebnis der Handlung wird eine neue Lage herbeigeführt (Erfolg oder Misserfolg). Als Ergebnisse sind diese Möglichkeiten denkbar:

  • geschlossenes Ende: Die Handlung wird so abgeschlossen, wie der Verlauf der Ereignisse es nahelegt. Es bleiben keine Fragen offen.
  • offenes Ende: Die Handlung wird nicht bis zu einer Lösung fortgeführt, sondern endet vorher. Es bleiben Fragen offen, die der Leser aus seiner Kenntnis der Charaktere und der Geschehnisse heraus selbst beantworten muss.
  • überraschendes Ende: Die Handlung endet anders, als der Verlauf der Ereignisse dies nahelegt. Untersuche die Funktion der Anfangssituation und beurteile die Schlusssituation, indem du das Ende mit den Erwartungen vergleichst, die beim Leser geweckt worden sind.

Schritt 2: Beschreibe die innere und äußere Handlung

Unterscheide bei der Untersuchung der Handlung zwischen den äußeren Vorgängen und der inneren Entwicklung der Figuren.

Äußere und innere Handlung

Als äußere Handlung bezeichnet man Vorgänge und Taten, die von außen sichtbar und hörbar sind. Bei einer Verfilmung der Erzählung kann man die äußere Handlung als Bild und Ton aufnehmen. Erzählerbericht und wörtliche Rede treiben vor allem die äußere Handlung voran.
Die innere Handlung dagegen umfasst, was die Figuren denken, fühlen und wünschen, also alle geistigen und emotionalen Zustände und Entwicklungen. Bestimmte Formen der Figurenrede (erlebte Rede, innerer Monolog, Bewusstseinsstrom) geben innere Handlung wieder.

 

Schritt 3: Bestimme Rückblick und Vorausdeutung

Der Erzähler kann kontinuierlich erzählen, d. h. eine Folge von Ereignissen in chronologischer Reihenfolge darstellen, er kann aber auch diskontinuierlich erzählen, indem er von der Chronologie abweicht. Bestimme, ob das Geschehen kontinuierlich oder diskontinuierlich (in verdrehter Reihenfolge) erzählt wird.
Beim kontinuierlichen Erzählen sind die Sequenzen, d. h. in der Handlung unterscheidbare Episoden, in der Reihenfolge ihres Geschehens angeordnet. Untersuche, welche Sequenzen breiten Raum einnehmen und damit offenbar bedeutsamer sind als andere. Achte bei einer kontinuierlichen Erzählweise auf mögliche Abweichungen von der Chronologie (z. B. Rückblenden oder Vorausdeutungen) und frage dich nach ihrem Sinn.
Beim diskontinuierlichen Erzählen arbeitet der Erzähler mit Rückblenden sowie Vorausdeutungen.

  • In Rückblenden wird früheres Geschehen in die erzählerische Gegenwart geholt. Das kann z. B. notwendig werden, wenn verschiedene Handlungsstränge an unterschiedlichen Schauplätzen angesiedelt sind.
  • In Vorausdeutungen werden spätere Ereignisse und Entwicklungen vorweggenommen oder nur angedeutet. Das kann durchaus zur Steigerung der Spannung beitragen, da der Leser nicht nur daran interessiert ist, was geschieht, sondern auch daran, wie es dazu kommt.

Untersuche die Anordnung der Episoden oder Erzähleinheiten. Wiederholen sich bestimmte Abläufe? Steigert sich die Handlung? Gibt es einen Kontrast zwischen verschiedenen Vorgängen? Wird die eigentliche Handlung in eine Rahmenhandlung eingebettet, von der aus sie kommentiert wird? Montiert der Autor verschiedene Textelemente (z. B. Zeitungsartikel, Protokolle, Briefe), die das Geschehen aus verschiedenen Perspektiven zeigen?

Schritt 4: Untersuche den Spannungsaufbau

Untersuche, wie in dem Text Spannung aufgebaut wird. Unterscheide bei der Untersuchung des Spannungsaufbaus zwischen den folgenden vier Phasen:

  • Spannungserzeugung: Es wird eine Frage aufgeworfen.
  • Spannungssteigerung: Das Interesse des Lesers bzw. Zuschauers an der Beantwortung dieser Frage wird gesteigert.
  • Spannungsverzögerung (retardierendes Moment): Die Beantwortung der Frage wird hinausgeschoben.
  • Spannungslösung: Die Frage wird beantwortet.

Bestimme, wie sich der zu untersuchende Textauszug einordnen lässt, bzw. ordne die einzelnen Sequenzen der Erzählung den verschiedenen Spannungsphasen zu.

Schritt 5: Finde Leitmotive

Gerade in längeren Texten können Leitmotive ein Netz von Beziehungen knüpfen. Um Leitmotive aufzuspüren, achte darauf, ob sich bestimmte Textelemente gezielt wiederholen.
Leitmotive können sein:

  • wiederkehrende Handlungselemente,
  • wiederholt verwendete sprachliche Bilder,
  • sich wiederholende Redewendungen, Gesten usw.

Untersuche, welche tieferen Sinnzusammenhänge durch die Leitmotive strukturell abgebildet werden.

Dingsymbole

Eine leitmotivische Verwendung finden sogenannte Dingsymbole, d. h. Gegenstände, Tiere oder Lebewesen, die an bedeutsamer Stelle innerhalb eines literarischen Werkes wiederkehren und als Symbol oder Sinnbild eine zentrale, leitmotivische Rolle spielen.

Lösung

1. Die erste Erzähleinheit spielt in Brienne: Räumliche Umstände werden genannt; die Beziehung zwischen dem jungen Napoleon und der Obstfrau wird dargestellt; am Ende dieser Einheit steht ein Kommentar (Z. 1–10).
Die zweite Erzähleinheit stellt einen raffenden Bericht dar (ca. 20 Jahre in wenigen Zeilen) – diese Einheit hebt sich von der vorausgehenden Passage und dem nachfolgenden Text ab: Napoleon und die verschiedenen Schauplätze der Weltgeschichte sind hier von Bedeutung – am Ende dieser Einheit folgt wieder ein Kommentar des Erzählers (Z. 20 f.). In Zeile 20 beginnt die dritte Erzähleinheit, die wieder in Brienne spielt und ein Treffen zwischen Napoleon und der Obstfrau szenisch darstellt.
2. Die Geschichte ist symmetrisch angelegt: Die erste und die dritte Erzähleinheit sind spiegelbildlich angeordnet; beide Szenen spielen am gleichen Ort, in beiden treffen die Hauptfiguren im Abstand von vielen Jahren aufeinander; die Handlung wiederholt sich mit umgekehrten Vorzeichen. Zunächst ist die Obstfrau überlegen und verhält sich großzügig. In der zweiten Erzähleinheit ist es nun Napoleon, der in gesteigerter Form überlegen und großzügig ist. Großzügigkeit sollte mit Großzügigkeit vergolten werden – dies spiegelt sich im Textaufbau, denn der extrem geraffte Bericht zwischen den beiden Erzähleinheiten zeigt die zeitliche und soziale Distanz zwischen dem Geschehen im ersten und im dritten Teil. Vor und nach dieser Raffung macht der Erzähler jeweils eine Pause, in der er einerseits das Geschehen kommentiert, andererseits auf vorausgehende und folgende Teile der Handlung hinweist. Ein ungeübter Leser kann dem Handlungsverlauf ohne Mühe folgen; die Gliederung des Textes zeigt, wie durch Gegenüberstellungen, Unterbrechungen usw. dem Leser eine lehrhafte Aussage nahegebracht werden soll.

Handlung eines epischen Textes untersuchen

Handlung eines epischen Textes untersuchen

Wie du die Erzählerfigur analysierst

Bewertung

Schritt-für-Schritt-Anleitung

Aufgabe

Finde Beispiele für verschiedene Formen der Erzählerrede in Hebels Text.

Schritt 1: Bestimme die Erzählform

Der Erzähler ist die vermittelnde Instanz zwischen der Handlung und dem Leser. Bestimme zunächst die Erzählform: Handelt es sich um einen Ich-Erzähler oder um einen Er/Sie-Erzähler?

Bestimme, welche Rolle, Funktion und Möglichkeiten ein bestimmter Erzähler hat: Ist der Erzähler Teil der Handlung? Tritt er als eigenständige, ausgestaltete und beschreibbare Figur auf? Über welchen Blickwinkel verfügt er? Welche Einsichten in das Innenleben anderer Figuren hat er?

  • Der Ich-Erzähler übernimmt in einer Erzählung immer zwei Funktionen: Als erzählendes Ich gibt er eine Geschichte wieder, in der er gleichzeitig als erlebendes Ich eine Figur der Handlung ist. Da er keinen Einblick in Gedanken und Gefühle anderer Figuren hat, verfügt er über ein eingeschränktes Wissen und kann nur auf seine eigenen Erfahrungen und Wahrnehmungen zurückgreifen. Stelle dir bei einem Ich-Erzähler daher immer die Frage nach seiner Verlässlichkeit: Von wem hat er etwas erfahren, warum weiß er bestimmte Dinge, vermutet er manches nur?
  • Einen Er-Erzähler kannst du nur deutlich wahrnehmen, wenn er die Handlung bewertet, die Charaktere und ihr Verhalten kommentiert oder auf zukünftiges Geschehen verweist.

Schritt 2: Bestimme die Erzählperspektive

Der Erzähler nimmt einen bestimmten Blickwinkel auf das Geschehen ein und entscheidet so, wie der Stoff auf den Leser wirkt. Bestimme das Erzählerverhalten bzw. die Erzählperspektive, aus der das Geschehen dargestellt wird. Kommentiert der Erzähler das Geschehen? Kommuniziert der Erzähler mit dem Leser? Hat der Erzähler Distanz zum Geschehen oder ist er involviert? Von welchem Standpunkt aus wird erzählt? Welche Kenntnisse hat der Erzähler über die Gefühle und Gedanken aller/einzelner Personen? 

Grundformen des Erzählerverhaltens

Schritt 3: Bestimme die Erzählhaltung

Frage dich bei der Analyse der Erzählerfigur auch danach, wie der Erzähler zum Geschehen und zu den Figuren steht. Welche Gefühle leiten ihn? Welche Haltung nimmt der Erzähler zu dem Geschehen und den Figuren ein?

  • Ist er positiv eingestellt: Sympathie, Verständnis, Zuneigung, Vertrauen, Achtung, Respekt.
  • Ist er negativ eingestellt: Ironie, Distanz, Kritik, Verachtung, Misstrauen, Gleichgültigkeit. Wo werden seine Einstellungen und Ansichten deutlich? Welche Weltanschauung und Wertvorstellungen hat er? Welche Rolle spielt dies für das Textverständnis?

Schritt 4: Ermittle die Erzählerrede

Bestimme die Form der Erzählerrede, indem du untersuchst, wie der Erzähler vom Geschehen berichtet: Wird die Handlung straff und raffend oder szenisch ausgestaltet wiedergegeben? Nutzt der Erzähler Handlungsunterbrechungen, um Kommentare oder Beschreibungen anzuführen?

Formen der Erzählerrede

  • Raffender Bericht: Die Handlung wird straff und in starker Zeitraffung wiedergegeben, das Geschehen wird nur in Umrissen dargestellt.
  • Szenische Darstellung: Das Geschehen wird ausführlich, zeitdeckend oder nur in geringer Zeitraffung wiedergegeben, häufig in Figurenrede.
  • Kommentar (Erörterung): Der Erzähler nutzt die Handlungsunterbrechung für ausführliche Äußerungen allgemeiner Art, mit denen er zu dem Erzählten Stellung nimmt.
  • Beschreibung: Der Zustand einer Person oder einer Sache wird ausführlich dargestellt, während die Handlung stillsteht.

Lösung

Der Text beginnt mit einem gerafften Bericht über die Jugend Napoleons und dessen geschäftliche Verbindung mit der Obstfrau. Hier bewertet der Erzähler die schulischen Leistungen Napoleons. In der zweiten Erzähleinheit werden bedeutsame Ereignisse in rascher Folge sprunghaft in einem raffenden Bericht aneinandergereiht: eine Kurzbiografie Napoleons (General – Zeit in Ägypten – Rückkehr nach Frankreich) sowie die historische Dimension der Figur. Die dritte Erzähleinheit bringt eine kurze Erinnerungssequenz auf der Straße – nach einem kleinen Zeitsprung wird das Geschehen im Zimmer der Obstfrau mittels einer szenischen Darstellung erzählt: Szenisch dargestellt werden das Wiedersehen der Obstfrau und Napoleons und die anschließende Belohnung der Obstfrau. Der Text endet mit einem gerafften Bericht über die weitere Entwicklung, der mit der Erinnerung an den Anfang der Geschichte schließt: Der Sohn wird in der Schule erzogen, aus der auch der Held hervorgegangen ist.

Erzählfigur eines epischen Textes analysieren

Erzählfigur eines epischen Textes analysieren

Wie du Raum und Zeit in der Epik untersuchst

Bewertung

Schritt-für-Schritt-Anleitung

Aufgabe

Gliedere Hebels Kalendergeschichte in Sequenzen, die hinsichtlich Zeit, Ort und Figuren möglichst einheitlich sind.

Johann Peter Hebel_Kaiser Napoleon Und Die Obstfrau In Brienne_4.pdf

Schritt 1: Bestimme das Raumkonzept

In vielen Texten spielt es eine Rolle, an welchen Orten sich die einzelnen Ereignisse zutragen. Berücksichtige bei der Erschließung eines epischen Textes immer die Funktion des Raumes.
Der Schauplatz kann

  • eine Handlung ermöglichen: Eine Handlung kann einen bestimmten Schauplatz erfordern, z. B. ein Amtszimmer oder eine Hafenstadt;
  • Figuren charakterisieren: Eigenarten von Figuren können sich in ihrem Lebensraum zeigen, z. B. in der Zimmereinrichtung oder einer kargen Landschaft;
  • eine bestimmte Atmosphäre erzeugen: Stimmungen wie Niedergeschlagenheit können z. B. in der Enge und Düsternis eines Zimmers illustriert werden;
  • einen Kontrast darstellen: Der Kontrast kann für die Handlung wichtig sein, z. B. die ärmlichen Zimmer der Dienstboten, die repräsentativen Räume der Herrschaft;
  • symbolisch Inhalte und Probleme widerspiegeln: Die Grundidee eines Erzähltextes kann sich im Ort der Handlung zeigen, z. B. ein erfolgreicher Aufstieg zu Macht und Einfluss in einer lebhaften und modernen Stadt.

Schritt 2: Analysiere die Zeitgestaltung

Für viele Texte ist es von Bedeutung, wann die Ereignisse einer Geschichte zeitlich angesiedelt sind. Häufig haben die zeitlichen Bedingungen einen symbolischen Gehalt oder sind für die Charakterisierung von Figuren wichtig. Folgende Leitfragen helfen dir bei der Untersuchung der zeitlichen Bedingungen.

  • Zeitalter: In welcher Zeit ist das Geschehen historisch angesiedelt? Welches Weltbild hatten die Menschen zu dieser Zeit? Welche politischen und sozialen Gegebenheiten kennzeichnen die Epoche?
  • Tages- und Jahreszeit: Steht eine Tages- oder Jahreszeit für eine bestimmte Entwicklung, z. B. Morgen – Neubeginn, Herbst – Verfall? Erzeugt sie eine besondere Atmosphäre?
  • Lebensabschnitt der Figuren: Welchen Lebensabschnitt erleben die Figuren gerade (Jugend, Alter usw.)? Haben sie daher eine bestimmte Haltung zur Zeit?

Erfasse die Zeitstruktur der Handlung, indem du die beiden Zeitebenen des Textes, Erzählzeit und erzählte Zeit, untersuchst.

Erzählzeit und erzählte Zeit

Unter Erzählzeit versteht man die Zeitspanne, die der Erzähler benötigt, um die Geschichte zu erzählen. Man kann sie gleichsetzen mit der Lesezeit, die der Leser braucht, um den Text zu lesen.
Die erzählte Zeit dagegen umfasst die Zeitspanne, die die dargestellten Ereignisse in Anspruch nehmen, z. B. einen Tag im Leben eines Menschen oder die mehrere Jahrzehnte umfassende Geschichte einer Familie.

Untersuche anschließend das Verhältnis von Erzählzeit zu erzählter Zeit, um die Zeitstruktur des Textes zu beschreiben. Anhand der Zeitstruktur kannst du ablesen, welchen Teilen des Geschehens der Erzähler Bedeutung beimisst. Erzählzeit und erzählte Zeit können in folgenden Verhältnissen zueinander stehen.

  • Zeitdeckung: Erzählzeit und erzählte Zeit sind (in etwa) gleich lang. Der Leser hat den Eindruck, unmittelbar am Geschehen teilzuhaben, wenn z. B. in wörtlicher Rede Dialoge wiedergegeben werden.
  • Zeitraffung: Die Erzählzeit ist kürzer als die erzählte Zeit, wenn längere Zeiträume in einer Zusammenfassung dargestellt werden. Dabei kann die Zeit nur leicht gerafft werden, die Raffung kann aber auch so stark sein, dass mehreren Jahren oder Jahrzehnten nur wenige Worte gewidmet werden. Von einem Zeitsprung spricht man, wenn größere Zeiträume ganz ausgelassen werden. Bei der Zeitraffung entsteht Distanz zum Dargestellten, da der Erzähler es für wenig bedeutsam hält.
  • Zeitdehnung: Die Erzählzeit ist länger als die erzählte Zeit. Gedehnt wird die Zeit häufig bei der ausführlichen Wiedergabe von Gedanken und Gefühlen, die eine Handlung begleiten. Solche Passagen sind im Gesamtzusammenhang meist bedeutsam.
  • Zeitpause: Kommentare eines auktorialen Erzählers benötigen Erzählzeit, bringen aber die erzählte Zeit nicht voran. Die Handlung steht während solcher Einschübe gleichermaßen still.

Lösung

Die erste Erzähleinheit (Sequenz) spielt in Brienne:
Die räumlichen Umstände werden genannt; die Beziehung von Napoleon und der Obstfrau wird zeitraffend, die letzte Begegnung weitgehend zeitdeckend dargestellt.

Die zweite Erzähleinheit umfasst die Zeilen 11–19:
Hier erfolgt eine starke Raffung des Erzählten – dieser Teil unterscheidet sich somit stark von dem vorhergehenden und dem nachfolgenden Text. Es wird von Napoleon und von den verschiedenen Plätzen der Weltgeschichte berichtet.

Die dritte Erzähleinheit beginnt in Zeile 20.
Sie spielt wieder in Brienne und zeigt ein Geschehen zwischen Napoleon und der Obstfrau, das weitgehend zeitdeckend geschildert wird. Innerhalb der Sequenzen wechseln die Erzählweisen.

Raum und Zeit eines epischen Textes untersuchen

Raum und Zeit eines epischen Textes untersuchen

Wie du die Figuren eines epischen Textes analysiert

Bewertung

Schritt-für-Schritt-Anleitung

Aufgabe

Finde in Hebels Kalendergeschichte Beispiele für direkte und indirekte Charakterisierung.

Schritt 1: Ermittle die Figurencharakteristik

Sammle möglichst viele Merkmale und Eigenschaften aus folgenden Kategorien über die zu charakterisierende Figur; nicht immer finden sich in einem Text Informationen zu allen Bereichen.

  • Erscheinungsbild: Alter, Körperbau, Aussehen, Kleidung usw.
  • Lebensumstände: Beruf, Bildung, gesellschaftliche Stellung, Beziehungen usw.
  • Verhalten: Gewohnheiten, Verhaltensmuster, Sprechweise usw.
  • Denken und Fühlen: Einstellungen, Interessen, Denkweise, Wünsche und Ängste usw.

Die Merkmale und Eigenschaften einer Figur erhältst du sowohl durch direkte als auch durch indirekte Charakterisierung. Die direkte Charakterisierung erfolgt durch

  • den Erzähler, der die Figur vorstellt, beschreibt, bewertet,
  • andere Figuren, die über die Figur sprechen oder nachdenken,
  • die Figur selbst, die über sich spricht und nachdenkt.

Die indirekte Charakterisierung erfolgt durch

  • die Schilderung des Verhaltens der Figur,
  • die Beschreibung ihres äußeren Erscheinungsbildes,
  • die Wiedergabe ihrer Äußerungen, Gedanken, Gefühle,
  • die Darstellung ihrer Beziehungen zu anderen Figuren.

Die gesprochenen oder gedachten Äußerungen und Empfindungen der Handlungsfiguren bilden oft einen wichtigen Bestandteil szenischer Darstellungen. Verschiedene Formen der Figurenrede enthalten direkte Informationen über den Charakter einer Figur, aber auch die Sprechweise lässt relevante Rückschlüsse zu (vgl. auch S. 20 f.).

Schritt 2: Bestimme die Formen der Figurenrede

  • Direkte Rede
  • Indirekte Rede
  • Figurenrede
  • Erlebte Rede
  • Innerer Monolog: Wie die erlebte Rede versucht der innere Monolog, den Bewusstseinszustand einer Figur unmittelbar vorzuführen. Dies geschieht in einem stummen Selbstgespräch der Figur unter Verwendung von Ich-Form und Präsens bzw. Präsensformen.

Untersuche schließlich, wie der Autor eine Figur konzipiert hat. Erfasse die Figurenkonzeption mithilfe der folgenden Gegensätze.

  • Statisch oder dynamisch: Handelt es sich um eine Figur, die gleich bleibt, oder um eine Figur, die sich im Verlauf der Handlung deutlich verändert?
  • Typisiert oder komplex: Handelt es sich um eine Figur mit wenigen Merkmalen oder um eine Figur mit vielen individuellen Eigenschaften?
  • Geschlossen oder offen: Handelt es sich um eine Figur mit klar verständlichen Wesenszügen oder um eine für den Leser mehrdeutige Figur mit unerklärlichem Verhalten?

Schritt 3: Untersuche die Figurenkonstellation

Die Figuren in einem Erzähltext sind Teile eines mehr oder weniger umfangreichen Beziehungsgeflechts, das als Figurenkonstellation bezeichnet wird und für den Handlungsverlauf grundlegend ist. Arbeite anhand der Figurenkonstellation heraus, in welchem Verhältnis die Figuren zueinander stehen. Bei der Analyse der Figurenkonstellation helfen dir die folgenden Fragen:

  • Zwischen welchen Figuren besteht eine freundschaftliche oder partnerschaftliche Verbundenheit? Worauf gründet diese sich? Was haben die Figuren gemeinsam?
  • Bestehen Konflikte zwischen Figuren? Woher rühren diese Konflikte? Welche unterschiedlichen Interessen haben die Gegner?
  • Gibt es innerhalb einer Gruppe von Figuren eine bestimmte Rangordnung? Wer muss sich wem unterordnen? Woraus entsteht diese Hierarchie?
  • Sind die Beziehungen stabil oder sind sie Veränderungen unterworfen? Wodurch werden Veränderungen ausgelöst?
  • Gibt es eine zentrale Hauptfigur? Wie sind die Nebenfiguren um die Hauptfigur angeordnet? Kann man von Symmetrie oder von Gleichgewicht in der Figurenkonstellation sprechen?

Lösung

Direkte Charakterisierung Napoleons

  • „großer Kaiser“ (Z. 1)
  • „kenntnisreicher Soldat“ (Z. 5)
  • „edler, junger Herr“ (Z. 9/10)
  • „junger Krieger“ (Z. 11)
  • „kann doch auch der beste Kopf so etwas vergessen, bis zuletzt das erkenntliche Gemüt ihn wieder daran erinnert“ (Z. 12 f.)
  • „mag wohl sehr gerührt gewesen sein“ (Z. 21/22 f.)

Indirekte Charakterisierung Napoleons

  • „Das lehrten in der Folge seine Kriege, die er führte, und seine Taten.“ (Z. 2 ff.)
  • „Da er gerne Obst aß“ (Z. 3)
  • „Aber ihr sollt nicht vergessen sein“ (Z. 8/9 f.)
  • seine Karriere: vom General zum französischen Kaiser, der Besuch bei der Obstfrau und sein Verhalten ihr gegenüber

Figuren eines epischen Textes analysieren

Figuren eines epischen Textes analysieren

Wie du einen Aufsatz zu einem epischen Text gliederst und verfasst

Bewertung

Schritt-für-Schritt-Anleitung

Schritt 1: Formuliere die Einleitung

Nenne in der Einleitung die Grundinformationen zu dem zu analysierenden Text wie Autor, Titel, Entstehungszeit und Thema. Nenne bei einem Auszug aus einem bekannten Text relevante Angaben zu den handelnden Figuren, dem Schauplatz und den unmittelbaren Voraussetzungen der Handlung. Formuliere dein vorläufiges Textverständnis in Form einer Deutungshypothese.

Schritt 2: Schreibe den Hauptteil

Stelle deiner Analyse bei längeren Texten eine kurze Inhaltsangabe voran und gib darin das erzählte Geschehen wieder.

Inhaltsangabe

  • Die Zeitform einer Inhaltsangabe ist das Präsens. Wird etwas unmittelbar Vorausgehendes „nachgeholt“, wählt man das Perfekt (Vorzeitigkeit).
  • In der Inhaltsangabe wird keine direkte Rede verwendet; sie ist nicht in der Ichform verfasst.
  • Gib den Inhalt der Textvorlage mit eigenen Worten wieder. Schlüsselwörter des Textes kannst du übernehmen – nicht aber Teile von Sätzen oder ganze Sätze.
  • Die Inhaltsangabe wird in einem sachlichen Stil verfasst – im Gegensatz zur Nacherzählung, die anschaulich, lebendig und spannend sein soll.
  • Die Inhaltsangabe beschränkt sich auf die wesentlichen Einzelheiten der Vorlage. Sie ist kürzer als die Textvorlage.
  • Die Inhaltsangabe enthält keine Bewertungen, Kommentare oder Interpretationsansätze.

Entscheide, ob sich eine lineare oder eine aspektorientierte Darstellung deiner Untersuchungsergebnisse für die geforderte Analyse anbietet.

  • Deute den Text beim linearen Verfahren Abschnitt für Abschnitt. Das ist sinnvoll bei offenen Aufgabenstellungen oder wenn etwa die Entwicklung einer Figur aufgezeigt werden soll.
  • Gliedere den Text beim aspektorientierten Verfahren nach den einzelnen Deutungsaspekten. Das ist sinnvoll, wenn in der Aufgabe mehrere Aspekte angegeben werden. Beziehe dich dabei in jedem Abschnitt auf den gesamten Text(ausschnitt).

Bedenke immer, ob deine Beobachtungen relevant für die Analyse bzw. die konkrete Fragestellung sind. Verknüpfe deine Beobachtungen immer mit der Funktion, die sie für den Text erfüllen. Vermeide eine Aneinanderreihung von Details und wähle für deine Darstellung eine angemessene Sprache (vgl. S. 48/49). Verwende die indirekte Redewiedergabe (vgl. S. 25), um dem Leser zu verdeutlichen, dass Aussagen von einer Figur stammen und nicht deine eigenen Ansichten sind. Belege deine Aussagen mit Zitaten (siehe S. 7).

Schritt 3: Verfasse den Schluss

Fasse deine Ergebnisse zusammen und gib eine abschließende Deutung ab. Vergleiche anschließend deine Untersuchungsergebnisse mit deinem Vorverständnis oder deiner Deutungshypothese. Hat sich dein Vorverständnis geändert? Möglich ist auch – je nach Aufgabenstellung – der Blick auf übergreifende Zusammenhänge.

Aufsatz zu einem epischen Text gliedern und verfassen

Aufsatz zu einem epischen Text gliedern und verfassen