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Lexikon Latein

Participium coniunctum

Farben in diesem Lexikonartikel:
ROT = Nominativ
ROSA = Genitiv
GRÜN = Dativ
BLAU = Akkusativ
• Nicht gekennzeichnet sind die für das PC nicht entscheidenden Kasusformen und sonstige Wörter.

 

Über das Wort „Participium coniūnctum“

Herkunft:  von lat. participium coniūnctum verbundenes/angeschlossenes Partizip  (coniūnctum ist vorzeitiges Passivpartizip (= PPP) zu coniungere verbinden, anschließen)
Genus:  Neutrum: das Participium coniūnctum
Plural:  die Participia coniūncta
Abkürzung:  PC

 

Definition

Das „Participium coniūnctum“ (= PC) ist ein Nebensatz, dessen Verb ein Partizip ist und dessen Subjekt ein beliebiger Gegenstand des übergeordneten Sat­zes ist, der in zweiter Funktion als Subjekt des Partizips wiederverwendet ist. Das PC beschreibt diesen Gegenstand des übergeordneten Satzes, daher ist das PC immer ein Attribut.

 

Aussehen des PC im Satz

Beispiele mit vorzeitigem Passivpartizip (= PPP) und wörtlicher Übersetzung ins Deutsche:

÷ Servī [ā dominā missī] fīliō cibōs trādunt.
   Die [von der Herrin geschickten] Sklaven übergeben dem Sohn Speisen.
   oder:  Die Sklaven [, von der Herrin geschickt,] übergeben dem Sohn Speisen.

÷ Servī fīliō [ā dominā missō] cibōs trādunt.
   Die Sklaven übergeben dem [von der Herrin geschickten] Sohn Speisen.

÷ Servī fīliō cibōs [ā dominā missōs] trādunt.
   Die Sklaven übergeben dem Sohn [von der Herrin geschickte] Speisen.

In allen drei Sätzen ist der Nebensatz, also das PC, eingeklammert, der Rest ist der Hauptsatz. Das Partizip des PC und sein Subjekt sind immer in gleicher Farbe markiert. Du siehst, dass das PC kein eigenes Subjekt hat, sondern ein Wort des Hauptsatzes als Subjekt verwendet, das in jedem Satz in einem anderen Kasus steht. Dieses Subjekt gehört also eigentlich sowohl dem Hauptsatz als auch dem Nebensatz an, wegen des Kasus jedoch in erster Linie dem Hauptsatz.

Man kann auch sagen: Das PC beschreibt einen Gegenstand des übergeordneten Satzes. In jedem Satzbeispiel ist ein anderer Gegenstand des Hauptsatzes ausgewählt, um näher beschrieben zu werden.

Beachte:
Obwohl das PC ein Nebensatz ist, wird es weder durch eine Subjunktion noch durch ein Relativpronomen oder Ähnliches eingeleitet.
• Der Kasus des Subjekts des Partizips wird bestimmt von der Funktion dieses Subjekts im übergeordneten Satz.
Da jeder beliebige Gegenstand des übergeordneten Satzes als PC-Subjekt dienen kann, ist auch jeder Kasus möglich.
• Das Partizip muss wie jedes Verb mit seinem Subjekt kongruent sein. Daher kann es ebenfalls in jedem Kasus auftreten, nämlich in dem Kasus seines jeweiligen Subjekts.
In normalen Texten wird das PC wie alle Partizipialsätze nicht durch Satzzeichen vom übergeordneten Satz abgegrenzt, weder durch Klammern noch durch Kommas oder andere Zeichen. Die Grenzen musst du selber finden. Meistens steht das PC nach seinem Subjekt und reicht von diesem Subjekt bis zum Partizip.

 

Satzkonstruktionen in der deutschen Übersetzung

Das lateinische PC kann zwar in den meisten Fällen wörtlich, d.h. mit deutschem PC, übersetzt werden (siehe die Beispielsätze im vorigen Abschnitt). Eine solche Übersetzung klingt jedoch meist unnatürlich und schwerfällig, insbesondere dann, wenn von dem PC weitere Satzglieder abhängen. Du solltest die wörtliche Übersetzung des PC also eher als Hilfe betrachten, um die Struktur des lateinischen Satzes im Deutschen nachzuempfinden und den Sinn zu erfassen. Deine endgültige Übersetzung sollte im Normalfall ein Relativsatz oder Subjunktionalsatz sein. Bei kurzen PCs ist manchmal auch ein präpositionaler Ausdruck möglich. Hier folgt ein Überblick über alle Übersetzungsmöglichkeiten.

Beispiel mit vorzeitigem Passivpartizip (= PPP):
÷ Incolae urbem [ā mīlitibus dīreptam] relinquunt.

(1)  Wörtliche Übersetzung:
Die Einwohner verlassen die [von den Soldaten geplünderte] Stadt.
Da in diesem Fall das PC kurz ist, klingt die deutsche Übersetzung noch akzeptabel.

(2)  Übersetzung mit Relativsatz:
Die Einwohner verlassen die Stadt, [DIE von den Soldaten geplündert worden ist]
   (rot = Nominativ-Subjekt und damit kongruentes Prädikat)
Ein Relativsatz hat dieselbe Funktion wie das PC: Er beschreibt einen Gegenstand des übergeordneten Satzes. Daher kann fast jedes PC mit Relativsatz übersetzt werden. Im Unterschied zum PC muss der Relativsatz jedoch den Gegenstand des übergeordneten Satzes wiederaufnehmen, den das PC als Subjekt verwendet: „die Stadt“ erscheint im Relativsatz als Relativpronomen „die“.
„Urbem die Stadt“ hat zwei Funktionen gleichzeitig: Erstens ist es Akkusativobjekt zu „relinquunt sie verlassen“ und damit Bestandteil des Hauptsatzes. Zweitens ist es Subjekt des PC. Diese beiden Funktionen werden in der Relativsatz-Übersetzung getrennt: Im Deutschen ist „die Stadt“ nur Akkusativobjekt im Hauptsatz, während das Relativpronomen „die“ nur Subjekt des Nebensatzes ist. Da ein Relativsatz immer eine finite Verbform hat, muss das Relativpronomen als Subjekt im Nominativ stehen.

(3)  Übersetzung mit Subjunktionalsatz:
Die Einwohner verlassen die Stadt, [WEIL sie von den Soldaten geplündert worden ist].
Oft – aber nicht immer – hat das PC im übergeordneten Satz die Funktion eines Adverbials. Diese Funktion lässt inhaltlich genauer bestimmen und im Deutschen durch eine Subjunktion (= unterordnende Konjunktion) wiedergeben. Im Beispiel haben wir die Subjunktion „weil“ gewählt, die den Nebensatz als Grund kennzeichnet (weitere Möglichkeiten siehe unten unter „Funktionen des PC ...“). Die Tatsache, dass die Stadt von den Soldaten geplündert worden ist, ist nämlich der Grund dafür, dass die Einwohner die Stadt verlassen. Auch im Subjunktionalsatz muss ein Pronomen den Gegenstand des übergeordneten Satzes wiederaufnehmen, den das PC als Subjekt verwendet: „die Stadt“ erscheint im Subjunktionalsatz als Personalpronomen „sie“.
Wir haben also das PC hier als Adverbialsatz des Grundes (= kausal) übersetzt. Immer dann, wenn das PC eine besondere Funktion für den übergeordneten Satz hat, solltest du es mit einem Subjunktionalsatz übersetzen, um diese Funktion durch die Subjunktion zum Ausdruck zu bringen.

(4)  Übersetzung mit Präpositionalausdruck:
Die Einwohner verlassen die Stadt [WEGEN ihrer Plünderung durch die Soldaten].
Auch diese Übersetzungsmöglichkeit ist nur dann verfügbar, wenn das PC im übergeordneten Satz die Funktion eines Adverbials hat. Beim Präpositionalausdruck wird die Funktion, die das PC im übergeordneten Satz hat, durch eine Präposition ausgedrückt. Wir wählen hier die Präposition des Grundes (= kausal): „wegen“. Von dieser muss ein Substantiv (oder Pronomen) im Genitiv abhängen, daher verwandeln wir das Partizip in ein Substantiv im Genitiv: Aus „geplündert“ wird „Plünderung“. Auch im Präpositionalausdruck muss der Gegenstand des übergeordneten Satzes wieder vorkommen, den das PC als Subjekt verwendet: „die Stadt“ erscheint im Präpositionalausdruck als Possessivpronomen „ihrer“.
Der Präpositionalausdruck ist eine Übersetzungsalternative zum Subjunktionalsatz, klingt jedoch nur dann akzeptabel, wenn nicht zu viele Erweiterungen von ihm abhängen. Im vorliegenden Beispiel sind die Erweiterungen „ihrer“ und „durch das Heer“ gerade noch erträglich.

(5)  Übersetzung mit Hauptsatz:
[Die Stadt ist durch die Soldaten geplündert worden.] DESWEGEN verlassen die Einwohner sie.
Diese Übersetzungsmöglichkeit kann nur angewendet werden, wenn das PC nicht zur Identifizierung seines Subjektgegenstands benötigt wird (= „einschränkendes“ PC: Die Einwohner verlassen DIEJENIGE Stadt, [DIE von den Soldaten geplündert worden ist], im Unterschied zu anderen Städten, die nicht geplündert wurden und daher auch nicht verlassen werden.) Übersetzungsmethode:
• Das PC wird in einen Hauptsatz umformuliert.
• Wenn das PC als Adverbial gebraucht ist, wird der PC-Hauptsatz dem ursprünglichen Hauptsatz vorangestellt. Der ursprüngliche Hauptsatz erhält zum Ausdruck des Sinnverhältnisses ein satzverknüpfendes Adverb (= Konjunktionaladverb) (im Beispiel oben: DESWEGEN).
• Wenn das PC als reines Attribut gebraucht ist, wird der PC-Hauptsatz dem ursprünglichen Hauptsatz nachgestellt. Der ursprüngliche Hauptsatz bleibt unverändert. Z.B.:
÷ Mercātor urbem Cēnabum [ā mīlitibus dīreptam] adiit.
— wörtlich:  Der Händler besuchte die [von Soldaten geplünderte] Stadt Cenabum.
— mit Hauptsatz:  Der Händler besuchte die Stadt Cenabum. [Sie war von Soldaten geplündert worden.]

Beachte:  Die Übersetzungsmöglichkeit (5) wird in den folgenden Abschnitten nicht berücksichtigt.

 

Tempus in der deutschen Übersetzung

 

(A)  beim gleichzeitigen Aktivpartizip (= PPA)

Beispiele bei übergeordnetem Verb der [a] Gegenwart, [b] Vergangenheit oder [c] Zukunft:
÷ [a]  Incolae mīlitēs [urbem dīripientēs] timent.
÷ [b]  Incolae mīlitēs [urbem dīripientēs] timēbant.
÷ [c]  Incolae mīlitēs [urbem dīripientēs] timēbunt.

(1)  Wörtliche Übersetzung:
[a]  Die Einwohner fürchten die [die Stadt plündernden] Soldaten.
[b]  Die Einwohner fürchteten die [die Stadt plündernden] Soldaten.
[c]  Die Einwohner werden die [die Stadt plündernden] Soldaten fürchten.
Das lateinische PC wird mit deutschen PC wiedergegeben, die Partizipien sind funktionsgleich. Das Tempus des übergeordneten Verbs hat hier keinen Einfluss auf die Übersetzung des PC.

(2)  Übersetzung mit Relativsatz:
[a]  Die Einwohner fürchten die Soldaten, [DIE die Stadt plündern].
[b]  Die Einwohner fürchteten die Soldaten, [DIE die Stadt plünderten].
[c]  Die Einwohner werden die Soldaten fürchten, [DIE die Stadt plündern werden = plündern].
Der Relativsatz verlangt eine finite Verbform. Da das lateinische Partizip gleichzeitig ist, muss im Relativsatz dasselbe Tempus gebraucht werden wie im übergeordneten Satz. Allerdings ist es im Deutschen üblich, im untergeordneten Satz das Futur wegen seiner umständlichen Bildungsweise durch ein Präsens zu ersetzen, sofern sich dadurch kein Missverständnis ergeben kann.

(3)  Übersetzung mit Subjunktionalsatz:
[a]  Die Einwohner fürchten die Soldaten, [WEIL sie die Stadt plündern].
[b]  Die Einwohner fürchteten die Soldaten, [WEIL sie die Stadt plünderten].
[c]  Die Einwohner werden die Soldaten fürchten, [WEIL sie die Stadt plündern werden = plündern].
Auch der Subjunktionalsatz verlangt eine finite Verbform. Es gelten dieselben Tempusregeln wie beim Relativsatz.

(4)  Übersetzung mit Präpositionalausdruck:
[a]  Die Einwohner fürchten die Soldaten [WEGEN ihrer Plünderung der Stadt].
[b]  Die Einwohner fürchteten die Soldaten [WEGEN ihrer Plünderung der Stadt].
[c]  Die Einwohner werden die Soldaten [WEGEN ihrer Plünderung der Stadt] fürchten.
Der Präpositionalausdruck verwandelt das Partizip in ein Substantiv, das kein Tempus ausdrücken kann, und das Subjekt des Partizips in ein Possessivpronomen. Das Tempus des übergeordneten Verbs hat hier keinen Einfluss auf die Übersetzung des PC.
 

(B)  beim vorzeitigen Passivpartizip (= PPP)

Beispiele bei übergeordnetem Verb der [a] Gegenwart, [b] Vergangenheit oder [c] Zukunft:
÷ [a]  Incolae urbem [ā mīlitibus dīreptam] relinquunt.
÷ [b]  Incolae urbem [ā mīlitibus dīreptam] relīquērunt.
÷ [c]  Incolae urbem [ā mīlitibus dīreptam] relinquent.

(1)  Wörtliche Übersetzung:
[a]  Die Einwohner verlassen die [von den Soldaten geplünderte] Stadt.
[b]  Die Einwohner verließen die [von den Soldaten geplünderte] Stadt.
[c]  Die Einwohner werden die [von den Soldaten geplünderte] Stadt verlassen.
Das lateinische PC wird mit deutschen PC wiedergegeben, die Partizipien sind funktionsgleich. Das Tempus des übergeordneten Verbs hat hier keinen Einfluss auf die Übersetzung des PC.

(2)  Übersetzung mit Relativsatz:
[a]  Die Einwohner verlassen die Stadt, [DIE von den Soldaten geplündert worden ist].
[b]  Die Einwohner verließen die Stadt, [DIE von den Soldaten geplündert worden war].
[c]  Die Einwohner werden die Stadt verlassen, [DIE von den Soldaten geplündert worden sein wird = geplündert worden ist].
Der Relativsatz verlangt eine finite Verbform. Da das lateinische Partizip vorzeitig ist, muss im Relativsatz ein Tempus gebraucht werden, das zum Tempus im übergeordneten Satz vorzeitig ist:
• Vorzeitig zur Gegenwart (= Präsens) ist das Perfekt,
• vorzeitig zur Vergangenheit (= Perfekt, Präteritum, Plusquamperfekt) ist das Plusquamperfekt,
• vorzeitig zur Zukunft (= Futur, Futurperfekt) ist das Futurperfekt (= Futur II).
Allerdings ist es im Deutschen üblich, im untergeordneten Satz das Futurperfekt (= Futur II) wegen seiner umständlichen Bildungsweise durch ein Perfekt zu ersetzen, sofern sich dadurch kein Missverständnis ergeben kann. Außerdem ist es erlaubt, das ebenfalls umständliche Perfekt Passiv durch ein Präteritum Passiv zu ersetzen, also geplündert worden ist > geplündert wurde.

(3)  Übersetzung mit Subjunktionalsatz:
[a]  Die Einwohner verlassen die Stadt, [WEIL sie von den Soldaten geplündert worden ist].
[b]  Die Einwohner verließen die Stadt, [WEIL sie von den Soldaten geplündert worden war].
[c]  Die Einwohner werden die Stadt verlassen, [WEIL sie von den Soldaten geplündert worden sein wird = geplündert worden ist].
Auch der Subjunktionalsatz verlangt eine finite Verbform. Es gelten dieselben Tempusregeln wie beim Relativsatz.

(4)  Übersetzung mit Präpositionalausdruck:
[a]  Die Einwohner verlassen die Stadt [WEGEN ihrer (vorherigen) Plünderung durch die Soldaten].
[b]  Die Einwohner verließen die Stadt [WEGEN ihrer (vorherigen) Plünderung durch die Soldaten].
[c]  Die Einwohner werden die Stadt [WEGEN ihrer (vorherigen) Plünderung durch die Soldaten] verlassen.
Der Präpositionalausdruck verwandelt das Partizip in ein Substantiv, das kein Tempus ausdrücken kann, und das Subjekt des Partizips in ein Possessivpronomen.
Falls die Vorzeitigkeit nicht aus dem Zusammenhang klar wird, kann dem Substantiv als Notbehelf eine Zeitangabe hinzugefügt werden (hier das Adjektiv „vorherig“). Dadurch wird der Präpositionalausdruck allerdings noch schwerfälliger, als er ohnehin schon ist. Es ist besser, eine andere Übersetzungsmöglichkeit zu wählen.
Das Tempus des übergeordneten Verbs hat hier keinen Einfluss auf die Übersetzung des PC.
 

(C)  beim nachzeitigen Aktivpartizip (= PFA)

Beispiele bei übergeordnetem Verb der [a] Gegenwart, [b] Vergangenheit oder [c] Zukunft:
÷ [a]  Incolae mīlitēs [urbem dīreptūrōs] timent.
÷ [b]  Incolae mīlitēs [urbem dīreptūrōs] timēbant.
÷ [c]  Incolae mīlitēs [urbem dīreptūrōs] timēbunt.

(1)  Wörtliche Übersetzung:
[a]  Die Einwohner fürchten die [die Stadt plündern werdenden/wollenden] Soldaten.
[b]  Die Einwohner fürchteten die [die Stadt plündern werdenden/wollenden] Soldaten.
[c]  Die Einwohner werden die [die Stadt plündern werdenden/wollenden] Soldaten fürchten.
Das lateinische PC wird mit deutschen PC wiedergegeben. Um ein funktionsgleiches Partizip zu gewinnen, muss das Deutsche zu einer Umschreibung mit „werdend“ oder „wollend“ greifen. Das Tempus des übergeordneten Verbs hat hier keinen Einfluss auf die Übersetzung des PC.
Die Übersetzung ist stilistisch unerträglich und kann daher nur als vorläufige Hilfsübersetzung gebildet werden, um sich den Sinn des Satzes zu erschließen.

(2)  Übersetzung mit Relativsatz:
[a]  Die Einwohner fürchten die Soldaten, [DIE die Stadt plündern werden/wollen].
[b]  Die Einwohner fürchteten die Soldaten, [DIE die Stadt plündern würden/wollten].
[c]  Die Einwohner werden die Soldaten fürchten, [DIE die Stadt plündern werden/wollen].
Der Relativsatz verlangt eine finite Verbform. Da das lateinische Partizip nachzeitig ist, muss im Relativsatz ein Tempus gebraucht werden, das zum Tempus im übergeordneten Satz nachzeitig ist:
• Nachzeitig zur Gegenwart (= Präsens) ist das Futur oder, wenn mit der Nachzeitigkeit eine Absicht gemeint ist, eine Umschreibung mit dem Präsens von „wollen“.
• Das nachzeitige Tempus zur Vergangenheit (also zum Perfekt, Präteritum, Plusquamperfekt) heißt Postpräteritum und wird mit „würde“ umschrieben („würde“ ist hier nicht als Konjunktiv, sondern als Indikativ gebraucht!). Wenn eine Absicht vorliegt, gebraucht man eine Umschreibung mit „wollte“.
• Ein nachzeitiges Tempus zur Zukunft (also zum Futur) wird nicht gebildet, da dies eine doppelte Umschreibung mit temporalem „werden“ erfordern würde (*„die Soldaten, die die Stadt plündern werden werden“). Stattdessen wird das gewöhnliche Futur oder eine Umschreibung mit dem Präsens von „wollen“ verwendet.

(3)  Übersetzung mit Subjunktionalsatz:
[a]  Die Einwohner fürchten die Soldaten, [WEIL sie die Stadt plündern werden/wollen].
[b]  Die Einwohner fürchteten die Soldaten, [WEIL sie die Stadt plündern würden/wollten].
[c]  Die Einwohner werden die Soldaten fürchten, [WEIL sie die Stadt plündern werden/wollen].
Auch der Subjunktionalsatz verlangt eine finite Verbform. Es gelten dieselben Tempusregeln wie beim Relativsatz.

(4)  Übersetzung mit Präpositionalausdruck:
[a]  Die Einwohner fürchten die Soldaten [WEGEN ihrer bevorstehenden/geplanten Plünderung der Stadt].
[b]  Die Einwohner fürchteten die Soldaten [WEGEN ihrer bevorstehenden/geplanten Plünderung der Stadt].
[c]  Die Einwohner werden die Soldaten [WEGEN ihrer bevorstehenden/geplanten Plünderung der Stadt] fürchten.
Der Präpositionalausdruck verwandelt das Partizip in ein Substantiv, das kein Tempus ausdrücken kann, und das Subjekt des Partizips in ein Possessivpronomen.
Die Nachzeitigkeit muss ausgedrückt werden, indem dem Substantiv als Notbehelf eine Zeitangabe hinzugefügt wird (hier das Adjektiv „bevorstehend“ oder „geplant“). Dadurch wird der Präpositionalausdruck allerdings noch schwerfälliger, als er ohnehin schon ist. Sofern von einer Absicht die Rede ist, bietet sich eine Umschreibung mit „sein/ihr Plan, etwas zu tun“ oder „seine/ihre Absicht, etwas zu tun“ an; hier: [WEGEN ihrer Absicht, die Stadt zu plündern]. In vielen Fällen ist es besser, eine andere Übersetzungsmöglichkeit zu wählen.
Das Tempus des übergeordneten Verbs hat hier keinen Einfluss auf die Übersetzung des PC.
 

(D)  beim Gerundiv

Das Gerundiv hat im PC niemals rein temporale Bedeutung, sondern bezeichnet immer eine Handlung, die getan werden soll (Notwendigkeit) oder durchführbar ist (Machbarkeit). Es findet sich meist in Verbindung mit bestimmten Verben als zugewiesene Eigenschaft (d.h. das übergeordnete Verb weist dem Objekt die Gerundiv-Eigenschaft zu). Im Vergleich zu den anderen PCs kommt das Gerundiv-PC wesentlich seltener vor.

Beispiele bei übergeordnetem Verb der [a] Gegenwart, [b] Vergangenheit oder [c] Zukunft:
Fall [1]:
÷ [1a]  Incolae mīlitibus urbem [dīripiendam] relinquunt.
÷ [1b]  Incolae mīlitibus urbem [dīripiendam] relīquērunt.
÷ [1c]  Incolae mīlitibus urbem [dīripiendam] relinquent.
Fall [2]:
÷ [2a]  Imperātor mīlitibus captīvōs [custōdiendōs] mittit.
÷ [2b]  Imperātor mīlitibus captīvōs [custōdiendōs] mīsit.
÷ [2c]  Imperātor mīlitibus captīvōs [custōdiendōs] mittet.

(1)  Wörtliche Übersetzung:
Fall [1]:
[1a]  Die Einwohner überlassen den Soldaten die Stadt [als plünderbare].
[1b]  Die Einwohner überließen den Soldaten die Stadt [als plünderbare].
[1c]  Die Einwohner werden den Soldaten die Stadt [als plünderbare] überlassen.
Fall [2]:
[2a]  Der Feldherr schickt den Soldaten die Gefangenen [als zu bewachende].
[2b]  Der Feldherr schickte den Soldaten die Gefangenen [als zu bewachende].
[2c]  Der Feldherr wird den Soldaten die Gefangenen [als zu bewachende] schicken.
Das lateinische PC wird mit deutschem Adjektiv oder PC wiedergegeben:
• Fall [1]: Wenn die Machbarkeit gemeint ist, wird ein Adjektiv mit „-bar“ gebraucht.
• Fall [2]: Wenn die Notwendigkeit gemeint ist, wird die Umschreibung „zu“ + gleichzeitiges Aktivpartizip gebraucht.
Solche Übersetzungen eignen sich nur als provisorische Hilfsübersetzungen.
Das Tempus des übergeordneten Verbs hat hier keinen Einfluss auf die Übersetzung des PC.

(2)  Übersetzung mit Relativsatz:
Ist beim Gerundiv-PC nicht möglich (denn Relativsätze können nicht als zugewiesene Eigenschaft dienen).

(3)  Übersetzung mit Subjunktionalsatz:
Fall [1]:
[1a]  Die Einwohner überlassen den Soldaten die Stadt, [SODASS sie sie plündern können].
[1b]  Die Einwohner überließen den Soldaten die Stadt, [SODASS sie sie plündern konnten].
[1c]  Die Einwohner werden den Soldaten die Stadt überlassen, [SODASS sie sie plündern können].
Fall [2]:
[2a]  Der Feldherr schickt den Soldaten die Gefangenen, [DAMIT sie sie bewachen].
[2b]  Der Feldherr schickte den Soldaten die Gefangenen, [DAMIT sie sie bewachten].
[2c]  Der Feldherr wird den Soldaten die Gefangenen schicken, [DAMIT sie sie bewachen].
Satzkonstruktion:
• Fall [1]: Wenn die Machbarkeit gemeint ist, wird ein Konsekutivsatz mit „können“ gebraucht.
• Fall [2]: Wenn die Notwendigkeit gemeint ist, wird ein Finalsatz gebraucht.
In beiden Fällen ist es vorzuziehen, das passivische Gerundiv in einen Aktivsatz zu verwandeln.
Der Subjunktionalsatz verlangt eine finite Verbform. Da das Gerundiv konsekutiv (Folge) oder final (Zweck) übersetzt wird, erwartet man ein nachzeitiges Tempus. Das Deutsche formuliert Konsekutiv- und Finalsätze jedoch gleichzeitig. Daher muss im Relativsatz dasselbe Tempus gebraucht werden wie im übergeordneten Satz. Allerdings ist es im Deutschen üblich, im untergeordneten Satz das Futur durch ein Präsens zu ersetzen.

(4)  Übersetzung mit Präpositionalausdruck:
Fall [1]:
[1a]  Die Einwohner überlassen den Soldaten die Stadt [ZUr Plünderung].
[1b]  Die Einwohner überließen den Soldaten die Stadt [ZUr Plünderung].
[1c]  Die Einwohner werden den Soldaten die Stadt [ZUr Plünderung] überlassen.
Fall [2]:
[2a]  Der Feldherr schickt den Soldaten Gefangene [ZUr Bewachung].
[2b]  Der Feldherr schickte den Soldaten Gefangene [ZUr Bewachung].
[2c]  Der Feldherr wird den Soldaten Gefangene [ZUr Bewachung] schicken.
Der Präpositionalausdruck verwandelt das Partizip in ein Substantiv, das kein Tempus ausdrücken kann, und das Subjekt des Partizips muss nicht mehr durch ein Pronomen ausgedrückt werden.
Die konsekutive bzw. finale Funktion des PC wird durch die Präposition „zu“ angezeigt.
Das Tempus des übergeordneten Verbs hat hier keinen Einfluss auf die Übersetzung des PC.

 

Funktionen des PC im übergeordneten Satz (Sinnverhältnisse)

Das PC kann drei verschiedene Satzgliedfunktionen erfüllen: Attribut (das oft nur als „Satzgliedteil“ angesehen wird), Adverbial und zugewiesene Eigenschaft. Als Adverbial kann es wiederum zahlreiche (semantische) Rollen übernehmen.
 

(A)  Attribut

Das PC ist immer eine Beschreibung eines Gegenstands des übergeordneten Satzes, den es als Subjekt verwendet. Damit ist das PC immer ein Attribut zu diesem Gegenstand. Gelegentlich hat es nur die Attributfunktion, ohne gleichzeitig Adverbial oder zugewiesene Eigenschaft zu sein. Dann kann nur wörtlich (d.h. mit deutschem PC) oder mit Relativsatz übersetzt werden. Z.B.:
÷ Urbs [ā mīlitibus dīrepta] in Galliā sita est.
— wörtlich:  Die [von den Soldaten geplünderte] Stadt liegt in Gallien.
— mit Relativsatz:  Die Stadt [, die von den Soldaten geplündert wurde,] liegt in Gallien.
÷ Mīlitēs [urbem dīripientēs] Rōmānī sunt.
— wörtlich:  Die [die Stadt plünderndenSoldaten sind Römer.
— mit Relativsatz:  Die Soldaten [, die die Stadt plündern,] sind Römer.
÷ Mīlitēs [urbem dīreptūrī] Rōmānī sunt.
— wörtlich:  Die [die Stadt plündern wollendenSoldaten sind Römer.
— mit Relativsatz:  Die Soldaten [, die die Stadt plündern wollen,] sind Römer.
÷ Urbs [miseranda] in Galliā sita est.
— wörtlich:  Die [beklagbare = beklagenswerte] Stadt liegt in Gallien.
— (mit Relativsatz:  Die Stadt [, die beklagt werden kann/sollte,] liegt in Gallien.)
 

(B)  Adverbial

Nicht immer, aber in den meisten Fällen dient das PC als Adverbial zum übergeordneten Verb (= Verbsupplement); die Attributfunktion besteht gleichzeitig. Als Adverbial kann das PC zahlreiche Rollen übernehmen (bzw. „Sinnverhältnisse“ bezeichnen). Diese Rollen (bzw. Sinnverhältnisse) werden im lateinischen Satz nicht angezeigt. Du musst sie aus dem inhaltlichen Zusammenhang erschließen und im Deutschen durch eine passende Subjunktion oder Präposition ausdrücken.

(1)  Zeitangabe (= temporal)
• Subjunktionen:
— gleichzeitig:  als; während; wenn
— vorzeitig:  als; nachdem
— nachzeitig:  bevor, ehe; als + wollen/ sollen/ im Begriff sein
• Präpositionen:
— gleichzeitig:  während; in
— vorzeitig:  nach
— nachzeitig:  vor

÷ Mīles [trīcēsimum annum agēns] in proeliō interfectus est.
— wörtlich:  Der Soldat [, das dreißigste Lebensjahr verbringend,] wurde im Kampf getötet.
— mit Subjunktion:  [ALS der Soldat das dreißigste Lebensjahr verbrachte = neunundzwanzig Jahre alt war,] wurde er im Kampf getötet.
— mit Präposition:  [WÄHREND seines dreißigsten Lebensjahrs = IN seinem dreißigsten Lebensjahr] wurde der Soldat im Kampf getötet.

Beachte:  Echt temporale PCs sind selten! Sie entsprechen ungefähr temporalen Subjunktionalsätzen mit „cum“ + Indikativ.
Gewöhnlich bezeichnet man alle Nebensätze als „Temporalsätze“, die durch temporale Subjunktionen eingeleitet sind. Die meisten von diesen sind aber nicht als Zeitangabe, sondern als Angabe der ermöglichenden Umstände (siehe (2)) oder sogar des Grundes (3) gemeint. Da ein Zeitverhältnis zwischen dem Partizipialsatz und dem übergeordneten Satz immer existiert, kannst du meistens, wenn dir das Sinnverhältnis zwischen beiden Sätzen nicht klar ist, erst einmal einen Nebensatz mit temporaler Subjunktion bilden.

(2)  ermöglichende Umstände
Die „ermöglichenden Umstände“ sind tatsächlich eingetretene Ereignisse und Zustände, die die Voraussetzung dafür bilden, dass das Ereignis des übergeordneten Satzes überhaupt stattfinden kann. Solche PCs entsprechen ungefähr „temporalen“ Subjunktionalsätzen mit „cum“ + Konjunktiv.
In den Beispielsätzen ist die Rheinüberquerung (bzw. bei Nachzeitigkeit die Absicht der Rheinüberquerung) die Voraussetzung dafür, dass die Soldaten von den Germanen angegriffen werden können. Da es im Deutschen für die ermöglichenden Umstände keine besondere Subjunktion oder Präposition gibt, werden stattdessen die temporalen Subjunktionen und Präpositionen verwendet (siehe oben unter (1)).

• gleichzeitig:
÷ Mīlitēs [Rhenum trānsgredientēs] ā Germānīs petītī sunt.
— wörtlich:  Die Soldaten [, den Rhein überquerend,] wurden von den Germanen angegriffen.
— mit Subjunktion:  [ALS die Soldaten den Rhein überquerten,] wurden sie von den Germanen angegriffen.
— mit Präposition:  [WÄHREND ihrer Rheinüberquerung] wurden die Soldaten von den Germanen angegriffen.

• vorzeitig:
÷ Mīlitēs [Rhenum trānsgressī] ā Germānīs petītī sunt.  („trānsgredī“ ist Deponens, daher Aktiv-Übersetzung!)
— wörtlich:  Die Soldaten [, den Rhein überquert habend,] wurden von den Germanen angegriffen.
— mit Subjunktion:  [NACHDEM/ALS die Soldaten den Rhein überquert hatten,] wurden sie von den Germanen angegriffen.
— mit Präposition:  [NACH ihrer Rheinüberquerung] wurden die Soldaten von den Germanen angegriffen.

• nachzeitig:
÷ Mīlitēs [Rhenum trānsgressūrī] ā Germānīs petītī sunt.  („trānsgredī“ ist Deponens, daher Aktiv-Übersetzung!)
— wörtlich:  Die Soldaten [, den Rhein überqueren werdend/wollend,] wurden von den Germanen angegriffen.
— mit Subjunktion:  [BEVOR die Soldaten den Rhein überquerten, / ALS die Soldaten den Rhein überqueren wollten,] wurden sie von den Germanen angegriffen.
— mit Präposition:  [VOR ihrer Rheinüberquerung] wurden die Soldaten von den Germanen angegriffen.

(3)  Grund (= kausal)
• Subjunktionen:  da, weil
• Präpositionen:  wegen, aufgrund, infolge

÷ Incolae mīlitēs [urbem dīripientēs] timēbant.
— wörtlich:  Die Einwohner fürchteten die [die Stadt plündernden] Soldaten.
— mit Subjunktion:  Die Einwohner fürchteten die Soldaten, [WEIL sie die Stadt plünderten].
— mit Präposition:  Die Einwohner fürchteten die Soldaten [WEGEN ihrer Plünderung der Stadt].

(4)  Gegengrund (= Einräumung, konzessiv)
• Subjunktionen:  obwohl, obgleich
• Präpositionen:  trotz, ungeachtet

÷ Incolae mīlitēs [urbem dīripientēs] nōn timēbant.
— wörtlich:  Die Einwohner fürchteten die [die Stadt plündernden] Soldaten nicht.
— mit Subjunktion:  Die Einwohner fürchteten die Soldaten nicht, [OBWOHL sie die Stadt plünderten].
— mit Präposition:  Die Einwohner fürchteten die Soldaten [TROTZ ihrer Plünderung der Stadt] nicht.

(5)  Bedingung (= konditional)
• Subjunktionen:  wenn, falls
• Präpositionen:  bei, nach
Ein PC kann die Bedingung für die Gültigkeit des übergeordneten Satzes ausdrücken: Wenn der Nebensatz gilt, gilt zwangsläufig auch der übergeordnete Satz (sogenannte „hinreichende Bedingung“).

÷ Mīlitēs [praedam spērantēs] fortius pūgnant.
— wörtlich:  Die Soldaten [, Beute erhoffend,] kämpfen tapferer.
— mit Subjunktion:  [WENN die Soldaten Beute erhoffen,] kämpfen sie tapferer.
— mit Präposition:  [BEI Hoffnung auf Beute] kämpfen die Soldaten tapferer.

(6)  Art und Weise (= modal)
• Subjunktionen:  indem
• Präpositionen:  —

÷ Mīlitēs [urbem dīripientēs] iniūriam fēcērunt.
— wörtlich:  Die Soldaten [, die Stadt plündernd,] taten Unrecht.
— mit Subjunktion:  Die Soldaten taten Unrecht, [INDEM sie die Stadt plünderten].
— mit Präposition:  —

(7)  Mittel (= instrumental)
• Subjunktionen:  dadurch dass
• Präpositionen:  durch, mit

÷ Mīlitēs [mūrōs ascendentēs] urbem expūgnāvērunt.
— wörtlich:  Die Soldaten [, die Mauern ersteigend,] eroberten die Stadt.
— mit Subjunktion:  Die Soldaten eroberten die Stadt [DADURCH, DASS sie die Mauern erstiegen].
— mit Präposition:  Die Soldaten eroberten die Stadt [DURCH ihr Ersteigen der Mauern].

(8)  Gegensatz (= adversativ)
• Subjunktionen:  während
• Präpositionen:  im Gegensatz zu (stilistisch unschön)

÷ Mīlitēs [domōs dīripientēs] templīs pepercērunt.  (parcere + Dativ etwas verschonen)
— wörtlich:  Die Soldaten [, die Wohnhäuser plündernd,] verschonten die Tempel.
— mit Subjunktion:  [WÄHREND die Soldaten die Wohnhäuser plünderten,] verschonten sie die Tempel.
— mit Präposition:  [IM GEGENSATZ ZU ihrer Plünderung der Wohnhäuser] verschonten die Soldaten die Tempel.

(9)  Zweck (= final)
• Subjunktionen:  damit; um zu + Infinitiv
• Präpositionen:  zu, wegen, zwecks, um ... willen
Der Zweck ist die erwünschte Folge, also etwas, das zum Zeitpunkt des Wunsches noch bevorsteht. Daher können finale PCs nur mit nachzeitigen Partizipien gebildet werden, d.h. mit nachzeitigem Aktivpartizip (= PFA) oder Gerundiv. Das Gerundiv-PC darf allerdings nur in Abhängigkeit von bestimmten Verben verwendet werden (hauptsächlich Verben, deren Bedeutung etwas mit Geben oder Nehmen zu tun hat).

• mit nachzeitigem Aktivpartizip (= PFA):
÷ Mīlitēs vēnērunt [urbem expūgnātūrī].
— wörtlich:  Die Soldaten kamen [, die Stadt erobern werdend/wollend].
— mit Subjunktion:  Die Soldaten kamen, [UM die Stadt ZU erobern].
— mit Präposition:  Die Soldaten kamen [ZUr Eroberung der Stadt].

• mit Gerundiv:
÷ Imperātor mīlitibus captīvōs [custōdiendōs] mīsit.
— wörtlich:  Der Feldherr schickte den Soldaten die Gefangenen [als zu bewachende].
— mit Subjunktion:  Der Feldherr schickte den Soldaten die Gefangenen, [DAMIT sie sie bewachten].
— mit Präposition:  Der Feldherr schickte den Soldaten Gefangene [ZUr Bewachung].

(10)  Folge (= konsekutiv)
• Subjunktionen:  sodass
• Präpositionen:  zu
Die Folge eines Ereignisses ist etwas, das zum Zeitpunkt des Ereignisses noch bevorsteht. Daher wäre denkbar, dass konsekutive PCs mit allen nachzeitigen Partizipien gebildet werden, d.h. mit nachzeitigem Aktivpartizip (= PFA) oder Gerundiv. Tatsächlich ist jedoch das nachzeitige Aktivpartizip auf Zweck, Absicht, Auftrag und Vorschau auf Bevorstehendes festgelegt und wird nie zur Bezeichnung der Folge verwendet. Nur das Gerundiv-PC kann die ermöglichte, aber nicht unbedingt eingetretene Folge bezeichnen, aber nur in Abhängigkeit von bestimmten Verben (hauptsächlich Verben, deren Bedeutung etwas mit Geben oder Nehmen zu tun hat).

• mit Gerundiv:
÷ Incolae mīlitibus urbem [dīripiendam] relīquērunt.
— wörtlich:  Die Einwohner überließen den Soldaten die Stadt [als plünderbare].
— mit Subjunktion:  Die Einwohner überließen den Soldaten die Stadt, [SODASS sie sie plündern konnten].
— mit Präposition:  Die Einwohner überließen den Soldaten die Stadt [ZUr Plünderung].

 

(C)  zugewiesene Eigenschaft

Außerdem hat es neben einigen Verben die Funktion einer zugewiesenen Eigenschaft (= ein Verbkomplement); die Attributfunktion besteht gleichzeitig. Z.B.:
÷ Homerus Laertem [colentem agrum] facit.
   (Der Dichter) Homer macht Laertes [zu einem den Acker Bebauenden].
   = Homer stellt Laertes dar [als einen, der den Acker bebaut].
÷ Imperātor mīlitibus captīvōs [custōdiendōs] mittit.
   Der Feldherr schickt den Soldaten Gefangene [als zu bewachende].
   = Der Feldherr schickt den Soldaten Gefangene [ZUr Bewachung].
 

PC ohne Subjektwort

Das PC bezieht sich immer auf einen Gegenstand des übergeordneten Satzes, den es als Subjekt wiederverwendet. Dieser Gegenstand des übergeordneten Satzes muss aber nicht unbedingt durch ein eigenständiges Wort ausgedrückt sein. So wie die finiten Verbformen auch ohne Subjektwort stehen können und dann durch ihre Endung selber ihr Subjekt ausdrücken, kann auch ein PC sein Subjekt in sich enthalten und damit selber den Gegenstand des übergeordneten Satzes ausdrücken. Z.B.:

• Gewöhnliches PC mit eigenständigem Subjektwort, hier das Akkusativobjekt mīlitēs:
÷ Incolae mīlitēs [urbem dīripientēs] timēbant.
— wörtlich:  Die Einwohner fürchteten die [die Stadt plündernden] Soldaten.
— Relativsatz:  Die Einwohner fürchteten die Soldaten, [DIE die Stadt plünderten].

• Wenn man mīlitēs weglässt, erhält man ein PC ohne eigenständiges Subjektwort; das PC wird selber zum Akkusativobjekt:
÷ Incolae [urbem dīripientēs] timēbant.
— wörtlich:  Die Einwohner fürchteten [die die Stadt Plündernden].
— Relativsatz:  Die Einwohner fürchteten [die(jenigen), DIE die Stadt plünderten].

Das PC ohne Subjektwort darf im Lateinischen aber nie als Subjekt des übergeordneten Satzes verwendet werden. Durch diese Regel macht das Lateinische eindeutig klar, dass ein Nominativ-PC immer das in der Personalendung des finiten Verbs ausgedrückte Subjekt als eigenes Subjekt wiederverwendet. Z.B.:

÷ [Urbem dīripientēs] timēbantur.
Dies kann niemals bedeuten: *[Die die Stadt Plündernden] wurden gefürchtet;
oder: *[Die Stadt Plündernde = Leute, die die Stadt plünderten,] wurden gefürchtet.
Es kann nur bedeuten:  [WEIL sie die Stadt plünderten,] wurden sie gefürchtet.
In diesem Satz ist „sie“ die Wiedergabe des Subjekts, das in der Personalendung von „timēbantur“ enthalten ist.

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