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Lexikon Latein

Imperfekt

Über das Wort „Imperfekt“

Genus, Betonung:  das Imperfekt
Plural:  die Imperfekte
Abkürzung:  Impf., Imperf.
Herkunft:  von lat. tempus imperfectum die unvollendete Zeit (aus im- = in- nicht, + perfectum vollendet, vorzeitiges Passivpartizip (= PPP) von perficere vollenden)

 

Definition

Das „Imperfekt“ ist ein Tempus. Unter „Imperfekt“ versteht man diejenigen Verbformen, die ausdrücken, dass der beschriebene Sachverhalt
• in der Vergangenheit liegt, d.h. vor der Zeit, wo der Satz gesprochen oder geschrieben wurde, und
• im Textzusammenhang als noch nicht abgeschlossen (= unvollendet) angesehen wird.

Erläuterungen:  
• Das Gegenstück zur unvollendeten Vergangenheit des Imperfekts ist die vollendete Vergangenheit des Perfekts.
• Das lateinische Imperfekt hat nichts zu tun mit dem deutschen sogenannten „Imperfekt“. Im Deutschen sollte man nicht von „Imperfekt“, sondern von „(einfachem) Präteritum“ reden, da es sich um eine Vergangenheitsform handelt, die in den meisten Fällen für einen abgeschlossenen Vorgang steht, also einem lateinischen Perfekt entspricht.

 

Formen

Das lateinische Imperfekt wird vom Präsensstamm gebildet und hat Endungen der Konjugationen des Präsensstamms.

 

Funktion und Übersetzung

Das Imperfekt drückt aus, dass der Verb-Sachverhalt noch nicht abgeschlossen ist. Dabei benötigt man einen Bezugspunkt, im Vergleich zu dem der Sachverhalt noch nicht abgeschlossen ist. Der Bezugspunkt für Nebensatzverben ist das Verb des übergeordneten Satzes, für Hauptsatzverben der Textzusammenhang, d.h. meist das nächstfolgende Hauptsatzverb. Das haben wir ausführlich mit Beispielen erklärt unter Tempus (> (C) Aspekt).

Wie die Beispiele unten und unter Tempus zeigen, wird das lateinische Imperfekt im Deutschen meist durch ein (einfaches) Präteritum wiedergegeben. Manchmal ist eine Verdeutlichung nötig: beim Iterativ durch hinzugefügtes „immer wieder“ oder Ähnliches, beim Konativ durch Umschreibung mit „versuchen“. 

 

Anwendungsvoraussetzungen

Hier erklären wir, unter welchen Voraussetzungen ein Sachverhalt überhaupt unabgeschlossen sein und daher im Imperfekt stehen kann. In drei Fällen kann Imperfekt gebraucht werden:

(1)  durativer Fall (= Dauerfall im engeren Sinn):
Das Verb bezeichnet etwas Dauerhaftes (= durative Aktionsart); z.B.:
÷ Quod hostēs urbem oppūgnābant, incolae fūgērunt.
   Weil die Feinde die Stadt bestürmten, flohen die Einwohner.
   Das Bestürmen (Nebensatzereignis) dauert an und kommt nicht zu Ende,
   während sich die Flucht der Einwohner (Hauptsatzereignis) abspielt.

(2)  iterativer Fall (= Wiederholungsfall):
Das Verb bezeichnet etwas mehr oder weniger Punktuelles (= punktuelle Aktionsart), das sich aber im konkreten Fall wiederholt (= iterativer Sachverhalt) und auf diese Weise dauerhaft wird; z.B.:
÷ Quod hostēs tēla in urbem coniciēbant, incolae fūgērunt.
   Weil die Feinde (immer wieder) Geschosse auf die Stadt schleuderten,
   flohen die Einwohner
.
   Das Schleudern eines Geschosses an sich ist ein kurzer, also punktueller
   Vorgang. Durch ständige Wiederholung des Schleuderns (Plural: tēla Geschosse
   bekommt es eine Dauer, durch die es bis nach der Flucht der Einwohner nicht 
   zum Abschluss kommt. Nur deswegen kann hier Imperfekt stehen. 

(3)  konativer Fall (= Versuchsfall):
Das Verb bezeichnet etwas mehr oder weniger Punktuelles (= punktuelle Aktionsart), das aber im konkreten Fall nur versucht wird (= konativer Sachverhalt) und dauerhaft dadurch wird, dass es (noch) nicht zum Abschluss kommt; z.B.:
÷ Quod hostēs urbem expūgnābant, incolae fūgērunt.
   Weil die Feinde die Stadt zu erobern versuchten, flohen die Einwohner.
   Das Erobern ist der erfolgreiche Abschluss der Bestürmung, also ein punktueller
   Vorgang. Er bekommt dadurch eine Dauer, dass er über längere Zeit hin
   versucht wird. Dabei bleibt offen, ob der Vorgang überhaupt erfolgreich
   abgeschlossen wird. Im Deutschen muss in den meisten Fällen dieser Art das 
   Imperfekt durch eine Umschreibung mit „versuchen“ wiedergegeben werden.

BEACHTE, dass das Imperfekt keine durative, iterative oder konative Bedeutung oder Funktion hat! Sondern der durative, iterative oder konative Sinn des beschriebenen Sachverhalts macht es möglich und im Vergangenheitszusammenhang oft nötig, Imperfekt zu verwenden. Wenn vergangene durative oder iterative Sachverhalte aber in einem Gegenwartszusammenhang erwähnt werden, stehen sie gewöhnlich im Perfekt, und wenn sie in der Vergangenheit vorzeitig sind, im Plusquamperfekt. Z.B.:
÷ Urbs quamquam ab hostibus ūnum annum oppūgnāta est (Pf.),
   etiam permanet.
 
   Obwohl die Stadt von den Feinden ein Jahr lang bestürmt worden ist,
   besteht sie noch immer
.
÷ Urbs quamquam ab hostibus ūnum annum oppūgnāta erat (Pqpf.),
   etiam permanēbat.
 
   Obwohl die Stadt von den Feinden ein Jahr lang bestürmt worden war,
   bestand sie noch immer
.
Das Perfekt bzw. Plusquamperfekt ist verwendet, obwohl der Vorgang der Bestürmung sehr lange andauerte. Entscheidend für diese Tempuswahl ist nur die Tatsache, dass die Bestürmung zur Zeit des Hauptsatzes schon abgeschlossen ist.

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