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Was sollte man über Rede und Rhetorik wissen?

Rede und Rhetorik begegnen uns im Alltag ständig, denn es geht um das Sprechen im öffentlichen Raum. Es findet in Medien aller Art und natürlich auch im direkten Kontakt miteinander statt.

Wichtig ist zu wissen, dass Situation und Anlass, Redeinhalt, Publikum und die Absicht der Sprechenden die Rede prägen. Der Aufbau einer Rede ist meist genau geplant und kann entsprechend analysiert werden. Das Werkzeug zur Vermittlung ist die Sprache selbst, speziell rhetorische Mittel. Sie unterstützen die Art und Weise, wie ein Publikum die Rede aufnimmt.

Rhetorische Mittel und ein guter Aufbau spielen generell in Sachtexten eine Rolle, das kannst du gut vertiefend in unseren Klassenarbeiten zu Sachtexten üben. In unseren Lernwegen mit vielen interaktiven Übungen und Videos kannst du dich mit den einzelnen Aspekten auseinandersetzen, die wichtig für das Untersuchen von Rede und Rhetorik sind.  

Was du beim Untersuchen rhetorischer Texte beachten musst

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Rhetorische Texte untersuchen

Wie du dich mit einem rhetorischen Text kritisch auseinandersetzt

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Kritisch mit rhetorischem Text auseinandersetzen

Wie du die Argumentationsstruktur eines rhetorischen Textes untersuchst

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Argumentation und Aufbau eines rhetorischen Textes untersuchen

Wie du die Sprache eines rhetorischen Textes untersuchst

Schritt-für-Schritt-Anleitung

Aufgabe

Lies folgenden Auszug aus Adolf Hitler: Rede bei der Feierstunde der HJ auf dem Reichsparteitag 1936 und untersuche die Sprache.

Textbeispiel:

Rede_Adolf Hitler_0.pdf

Das Textbeispiel wurde ausschließlich gewählt, da daran das Thema sehr gut verdeutlicht werden kann. Das Unternehmen Duden Learnattack GmbH distanziert sich ausdrücklich von rechtsradikalem Gedankengut und jeglichen Bestrebungen, demokratische Prozesse von außen zu behindern oder zu beeinflussen.

Das musst du wissen

Der Einsatz von Sprache und sprachlichen Mitteln in rhetorischen Texten wie z. B. politischen Reden hat immer die Absicht, die Zuhörer zu einem bestimmten Handeln oder zur Einnahme einer bestimmten (z. B. politischen) Haltung zu bewegen. Die Fähigkeit, die Sprache einer Rede kritisch zu analysieren und die Wirkung von sprachlichen Mitteln zu erkennen, stellt daher einen wichtigen Schutz vor Beeinflussung und Manipulation dar. Willst du die Sprache eines rhetorischen Textes untersuchen, solltest du die folgenden Schritte beachten. 

Wenn du die Sprache eines rhetorischen Textes untersuchst, dann schaust du dir folgende Ebenen an:

  • Wortwahl
  • Satzbau
  • rhetorisch-stilistische Mittel

Folgende Fragen können hilfreich sein bei den verschiedenen Analysen: 

Analyse der Wortwahl

  • Werden bestimmte Wortarten besonders häufig verwendet? Sind deutlich mehr Verben, Substantive oder Adjektive vorhanden?
  • Enthält der Text Wörter und Ausdrücke, die in einem übertragenen Sinn verstanden werden müssen? (→ sprachliche Bilder, Metaphern, Vergleiche)
  • Aus welcher Zeit stammen die verwendeten Wörter? (→ Archaismus, Neologismus)

Analyse des Satzbaus

  • Welche Satzarten werden im Text verwendet?
  • Welche Formen der Satzverbindungen (→ Parataxe, Hypotaxe) sind zu erkennen?
  • Werden im Text auffällig kurze oder lange Sätze verwendet? 
  • Lassen sich Zusammenhänge zwischen Satzbau und Aussageabsicht erkennen?

Analyse der rhetorisch-stilistischen Mittel

Gibt es Wörter oder Wendungen, die

⇒ etwas über-/ untertreiben

⇒ etwas bildlich ausdrücken

⇒ etwas veranschaulichen

⇒ etwas beschönigen

⇒ einen Teil von einem Ganzen ansprechen (Synekdoche)

⇒ das Gegenteil meinen, von dem was gesagt wird (Ironie)

⇒ zwei oder mehr Bedeutungen haben (Synonyme)

  • Werden vom Autor bestimmte Begriffe in auffälliger Weise umschrieben oder vermieden? (→ Euphemismus, Tabuisierung)
  • Gibt es im Text Wörter oder Wendungen, die mit anderen Vorstellungen assoziiert bzw. konnotiert werden können?

Schritt 1: Bereite die sprachliche Untersuchung des Textes vor

Halte farbige Textmarker bereit und lies den Text mehrmals gründlich, wenn möglich, auch einmal laut. Markiere dabei alle sprachlichen Besonderheiten, die dir beim ersten Lesen auf der Ebene der Wortwahl, des Satzbaues, der rhetorischen Stilmittel usw. auffallen. Mache dir am Rand Notizen dazu.

  • Auffällige sprachliche Merkmale finden sich in Reden häufig auf der Ebene der Wortwahl, z. B. in der auffälligen Verwendung negativ oder positiv konnotierter Wörter, die bei den Zuhörern bestimmte Gefühle auslösen sollen. Die gleiche Funktion erfüllen Wörter, die eine deutliche negative oder positive Wertung  enthalten.

Wertungsadjektive

„Wie ist unser heutiges Deutschland wieder schön und herrlich! Das werden auch eure jungen Augen fassen. Wie ist heute dieses Deutschland in seiner Ordnung, in seiner großen Disziplin, in seinen überwältigenden Leistungen der Arbeit herrlich und wundervoll!“ (Z. 5-7)

  • Auch der Klang des Gesprochenen entscheidet über die Art und Weise, wie die Zuhörer den Inhalt der Rede interpretieren. Die Assonanz (= der Gleichklang) vieler sogenannter heller Vokale (e,i,ie,ei,eu) bzw. deren Dominanz trägt eher zum Aufbau einer positiven Stimmung bei, während die dunklen Vokale (a,o,u,au) eine negative und kalte Atmosphäre schaffen.

Assonanz

„Wie ist unser heutiges Deutschland wieder schön und herrlich!" (Z. 5.)

  • Die Verwendung von Anaphern trägt in Reden häufig dazu bei, den Zuhörern bestimmte Inhalte nachdrücklich zu verdeutlichen und deren Wirkung durch die Wiederholung zu verstärken.

Anapher

Ihr erlebt nicht die Wiederaufrichtung eines Staates, denn ihr habt ja das alte Reich nicht gekannt. Ihr erlebt die Geburt einer großen Zeit, die ihr messen könnt im Vergleich mit unserer Umwelt!" (Z. 2-4)

Wie ist unser heutiges Deutschland wieder schön und herrlich! Das werden auch eure jungen Augen fassen. Wie ist heute dieses Deutschland in seiner Ordnung, in seiner großen Disziplin, in seinen überwältigenden Leistungen der Arbeit herrlich und wundervoll!“  (Z. 5-7)

  • Eine Klimax, d.h. eine Steigerung von Wörtern, Wortgefügen oder Satzteilen bis zu einem inhaltlichen Höhepunkt, führt zu einer Spannungssteigerung und zum Erregungsaufbau beim Zuhörer.

Klimax

„Wie ist heute dieses Deutschland in seiner Ordnung, in seiner großen Disziplin, in seinen überwältigenden Leistungen der Arbeit herrlich und wundervoll!“ (Z. 5-7)

Fallen dir noch mehr sprachliche Besonderheiten auf? Markiere sie im Text! 

Schritt 2: Ermittle die Absicht, die der Autor/Redner mit dem Text insgesamt verfolgt und formuliere diese in einem Satz

Ein rhetorischer Text verfolgt immer eine bestimmte Absicht des Autors oder Redners. Mit der Verwendung bestimmter sprachlicher Mittel versucht dieser, diese Absicht zu verwirklichen. Deshalb geht die Untersuchung der Sprache eines rhetorischen Textes immer von der entsprechenden Redeabsicht aus. Im Beispieltext könnte die Formulierung der Redeabsicht in etwa folgendermaßen beschrieben werden:

Adolf Hitler versucht mit seiner Rede vor der HJ, die Jugend zur aktiven Teilnahme an der Umsetzung der nationalsozialistischen Ideen und Ziele zu bewegen. 

Schritt 3: Untersuche den Text auf auffällige Redestrategien

Um die Redeabsicht zu verwirklichen und das Publikum für sich und diese Redeabsicht einzunehmen, kann ein Redner auf bestimmte Techniken und Strategien zurückgreifen, die das Publikum psychologisch beeinflussen oder manipulieren. Hierzu können in Abhängigkeit vom jeweiligen Redetypus z. B. Aufwertung und Abwertung, Polarisierung, Emotionalisierung, Verharmlosung, Mahnung oder Drohung, Kritik, Verherrlichung, Lob u. a. zählen.

Im Textbeispiel versucht Hitler z. B. immer wieder, bei seinen Zuhörern ein „Wir-Gefühl“ entstehen zu lassen, indem er sie zu einem aktiven Teil seiner Vision werden lässt:           
„Wie fühlen wir nicht wieder, dass um uns Werke wachsen, die sich den besten Leistungen unserer deutschen Geschichte zur Seite stellen! Wir alle wissen es: Das, was wir schaffen, wird bestehen können (…).“ (Z. 7-9)

Gleichzeitig verherrlicht er die nationalsozialistischen Ziele und Mittel:              
Das, was wir schaffen, wird bestehen können (…). Deutschland arbeitet wieder für eine völkische große Zukunft (…).“  (Z. 9-11)

Schritt 4: Führe deine Ergebnisse zusammen

Verfasse einen zusammenhängenden Text, in dem du ausgehend von der Redeabsicht die verwendeten Redestrategien und sprachlichen Mittel hinsichtlich ihrer jeweiligen Wirkung erläuterst. Methodisch ist es dabei hilfreich, den argumentativen Dreischritt (bestehend aus Behauptung, Erläuterung und Beleg) anzuwenden.

Zum Beispiel: 

Um die Jugendlichen von der Richtigkeit seiner ideologischen Politik  zu überzeugen, verherrlicht und verklärt Hitler in seiner Rede bewusst das bestehende nationalsozialistische Deutschland (Z. 4-6). Hierzu verwendet er auffällig viele positive Wertungsadjektive („schön“ (Z. 5), „herrlich“ (Z. 5), „überwältigend“ (Z. 7), „wundervoll“ (Z. 7)), die bei den Zuhörern Euphorie auslösen sollen. Diesem Ziel dient auch die Klimax, die Hitler hier verwendet („(…) in seiner Ordnung, in seiner großen Disziplin, in seinen überwältigenden Leistungen (…)“ (Z. 6-7)).

Achte beim Ausformulieren darauf, stets mit dem Text zu arbeiten, d. h. Textstellen einzubeziehen, damit deine Ausführungen auch belegt werden!

Wie du die Redesituation analysierst

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Wie du die Redeabsicht analysierst

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Redeabsicht analysieren

Was du wissen musst

  • Wie erkennt man rhetorische Mittel?

    Die Rhetorik ist die Lehre von der wirkungsvollen Gestaltung einer Rede. Ob etwas Wirkung erzielt, kannst du am einfachsten an der eigenen Reaktion bemerken. Das zeigt vielleicht dieses Beispiel:

    • „Es passierte nichts.“
    • „Und was passierte? – Nichts!“

    Die beiden Sätze erzeugen eine unterschiedliche Wirkung beim Hören oder Lesen. Die erste Aussage ist schnell überhört oder überlesen. Die zweite Aussage ist dagegen eine rhetorische Frage, also ein rhetorisches Mittel. Eine Rednerin würde sicher auch eine spannungsreiche Pause einlegen, um das Überraschungsmoment in der Antwort hinauszuzögern. Das Publikum ist über die Sprache mitgenommen und wird eher zuhören. 

    Es gibt zahlreiche rhetorische Figuren, mit denen die Themen in einer Rede dargestellt werden, wie zum Beispiel Vergleich, Metapher, Paradox oder Klimax.

    Ein oft zitiertes Beispiel für ein rhetorisches Mittel ist der Ausspruch des amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy: „Ich bin ein Berliner.“ Er wiederholte den Satz zu Beginn und am Ende seiner berühmten Rede in Berlin im geteilten Deutschland. In politischen Reden spielen Rhetorik und rhetorische Figuren schon immer eine große Rolle.

    Du kennst rhetorische Mittel in Deutsch auch von der Gattung Lyrik. Wenn du ein Gedicht analysierst, untersuchst du die Sprache und findest oft auch hier rhetorische Figuren wieder. Im Journalismus wird ebenso mit sprachlichen Mitteln gearbeitet, die du von der Analyse von Zeitungstexten kennst.

  • Wie ist eine Rede aufgebaut?

    Der Aufbau einer Rede ist stark von der Situation und dem Anlass abhängig, in der sie gehalten wird. Eine Rede vor einem Fachpublikum wie dem Bundestag ist anders aufgebaut als eine Rede vor demonstrierenden Menschen. 

    Die redende Person wird grundsätzlich in drei Schritten vorgehen: 

    • Begrüßung und Einleitung
    • Hauptteil: Thema und ausführliche Erläuterung dazu 
    • Abschluss: meist im Kern die Intention der redenden Person 

    Inhaltlich ist der Aufbau einer Rede ganz unterschiedlich, zum Beispiel: 

    • argumentativ: Beschreibung eines Sachverhalts, anschließend Begründung für diese Einschätzung
    • zeitlich: beginnend mit Vergangenheit, dann Gegenwart und Ausblick auf die Zukunft
    • situativ: aktueller Stand, erwünschter Stand, der Weg vom aktuellen Stand zum Wunschzustand

    Die Analyse der Argumentation in einer Rede ist der Analyse von Sachtexten sehr ähnlich. In unseren Lernwegen findest du auch dazu viele Übungen. 

  • Warum ist es wichtig, sich mit dem Thema Rede und Rhetorik auseinanderzusetzen?

    Wenn du in einer Klassenversammlung die Lehrerinnen und Lehrer davon überzeugen willst, dass ein anderes System der Hausaufgabenabgabe sinnvoll ist, dann zählen deine Argumente. Es zählt aber auch, wie du sie vorträgst und ob du dein Anliegen überzeugend darlegen konntest. Nicht anders gehen zum Beispiel auch Abgeordnete im Bundestag vor, wenn über Verordnungen und Gesetze verhandelt wird. 

    Das gilt auch andersherum: Kennst du dich mit Rede und Rhetorik aus, dann hörst oder liest du eine Rede anders. Du kannst dich kritisch damit auseinandersetzen und beurteilen, ob die redende Person nur Rhetorik verwendet oder ob – in Sprache verpackt – auch wirklich gute Argumente zu finden sind. Du kannst also selbst entscheiden und lässt dich nicht einfach beeinflussen.