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Wie du die Erzählerfigur analysierst


Aufgabe

Finde Beispiele für verschiedene Formen der Erzählerrede in Hebels Text.

johann_peter_hebel_kaiser_napoleon_und_die_obstfrau_in_brienne.pdf

Schritt 1: Bestimme die Erzählform

Der Erzähler ist die vermittelnde Instanz zwischen der Handlung und dem Leser. Bestimme zunächst die Erzählform: Handelt es sich um einen Ich-Erzähler oder um einen Er/Sie-Erzähler?

Bestimme, welche Rolle, Funktion und Möglichkeiten ein bestimmter Erzähler hat:
Ist der Erzähler Teil der Handlung? Tritt er als eigenständige, ausgestaltete und beschreibbare Figur auf? Über welchen Blickwinkel verfügt er? Welche Einsichten in das Innenleben anderer Figuren hat er?

  • Der Ich-Erzähler übernimmt in einer Erzählung immer zwei Funktionen: Als erzählendes Ich gibt er eine Geschichte wieder, in der er gleichzeitig als erlebendes Ich eine Figur der Handlung ist. Da er keinen Einblick in Gedanken und Gefühle anderer Figuren hat, verfügt er über ein eingeschränktes Wissen und kann nur auf seine eigenen Erfahrungen und Wahrnehmungen zurückgreifen. Stelle dir bei einem Ich-Erzähler daher immer die Frage nach seiner Verlässlichkeit: Von wem hat er etwas erfahren, warum weiß er bestimmte Dinge, vermutet er manches nur?
  • Einen Er-Erzähler kannst du nur deutlich wahrnehmen, wenn er die Handlung bewertet, die Charaktere und ihr Verhalten kommentiert oder auf zukünftiges Geschehen verweist.

Schritt 2: Bestimme die Erzählperspektive

Der Erzähler nimmt einen bestimmten Blickwinkel auf das Geschehen ein und entscheidet so, wie der Stoff auf den Leser wirkt. Bestimme das Erzählerverhalten bzw. die Erzählperspektive, aus der das Geschehen dargestellt wird. Kommentiert der Erzähler das Geschehen? Kommuniziert der Erzähler mit dem Leser? Hat der Erzähler Distanz zum Geschehen oder ist er involviert? Von welchem Standpunkt aus wird erzählt? Welche Kenntnisse hat der Erzähler über die Gefühle und Gedanken aller/einzelner Personen? 

Grundformen des Erzählerverhaltens

Schritt 3: Bestimme die Erzählhaltung

Frage dich bei der Analyse der Erzählerfigur auch danach, wie der Erzähler zum Geschehen und zu den Figuren steht. Welche Gefühle leiten ihn? Welche Haltung nimmt der Erzähler zu dem Geschehen und den Figuren ein?

  • Ist er positiv eingestellt: Sympathie, Verständnis, Zuneigung, Vertrauen, Achtung, Respekt.
  • Ist er negativ eingestellt: Ironie, Distanz, Kritik, Verachtung, Misstrauen, Gleichgültigkeit. Wo werden seine Einstellungen und Ansichten deutlich? Welche Weltanschauung und Wertvorstellungen hat er? Welche Rolle spielt dies für das Textverständnis?

Schritt 4: Ermittle die Erzählerrede

Bestimme die Form der Erzählerrede, indem du untersuchst, wie der Erzähler vom Geschehen berichtet: Wird die Handlung straff und raffend oder szenisch ausgestaltet wiedergegeben? Nutzt der Erzähler Handlungsunterbrechungen, um Kommentare oder Beschreibungen anzuführen?

Formen der Erzählerrede

  • Raffender Bericht: Die Handlung wird straff und in starker Zeitraffung wiedergegeben, das Geschehen wird nur in Umrissen dargestellt.
  • Szenische Darstellung: Das Geschehen wird ausführlich, zeitdeckend oder nur in geringer Zeitraffung wiedergegeben, häufig in Figurenrede.
  • Kommentar (Erörterung): Der Erzähler nutzt die Handlungsunterbrechung für ausführliche Äußerungen allgemeiner Art, mit denen er zu dem Erzählten Stellung nimmt.
  • Beschreibung: Der Zustand einer Person oder einer Sache wird ausführlich dargestellt, während die Handlung stillsteht.

Lösung

Der Text beginnt mit einem gerafften Bericht über die Jugend Napoleons und dessen geschäftliche Verbindung mit der Obstfrau. Hier bewertet der Erzähler die schulischen Leistungen Napoleons.
In der zweiten Erzähleinheit werden bedeutsame Ereignisse in rascher Folge sprunghaft in einem raffenden Bericht aneinandergereiht: eine Kurzbiografie Napoleons (General – Zeit in Ägypten – Rückkehr nach Frankreich) sowie die historische Dimension der Figur.
Die dritte Erzähleinheit bringt eine kurze Erinnerungssequenz auf der Straße – nach einem kleinen Zeitsprung wird das Geschehen im Zimmer der Obstfrau mittels einer szenischen Darstellung erzählt: Szenisch dargestellt werden das Wiedersehen der Obstfrau und Napoleons und die anschließende Belohnung der Obstfrau.
Der Text endet mit einem gerafften Bericht über die weitere Entwicklung, der mit der Erinnerung an den Anfang der Geschichte schließt: Der Sohn wird in der Schule erzogen, aus der auch der Held hervorgegangen ist.

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