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Lexikon

Industrialisierung

1. Lernjahr ‐ Abitur
Industrialisierung, die Ausweitung des industriellen Sektors einer Volkswirtschaft im Vergleich zu anderen Wirtschaftsbereichen wie Handwerk, Handel und Landwirtschaft.

Der industrielle Sektor

Der industrielle Sektor ist derjenige Teil der gewerblichen Wirtschaft, der sich mit der Gewinnung von Rohstoffen, der Bearbeitung und Verarbeitung von Rohstoffen und Halbfabrikaten, der Herstellung von Endprodukten für Unternehmen und Verbraucher sowie mit Montage und Reparaturarbeiten befasst.
Industriebetriebe sind vor allem durch maschinelle Produktion, Arbeitsteilung, Massenfertigung in großen Betriebsstätten gekennzeichnet. Zum industriellen Sektor zählen vor allem die Bereiche Bergbau, Energie- und Wasserversorgung, Baugewerbe und verarbeitendes Gewerbe (Grundstoff- und Produktionsgütergewerbe, Investitionsgütergewerbe, Verbrauchsgütergewerbe sowie Nahrungs- und Genussmittelgewerbe)

Industrialisierung im 19. Jahrhundert

Der Prozess der Industrialisierung wurde durch die industrielle Revolution eingeleitet und veränderte Wirtschaft und Gesellschaft grundlegend. Sie verwandelte im 19. Jahrhundert Staaten von Agrarstaaten zu Industriestaaten, in dem die Bevölkerung vor allem im industriellen Sektor arbeitete und die Industrie den Großteil der Wirtschaftsleitung erwirtschaftete. Das Wirtschaftssystem des Merkantilismus wurde zunehmend vom Kapitalismus abgelöst.
Das mit Abstand führende Industrieland Großbritannien erhielt nach Gründung des Deutsche Kaiserreichs zunehmend Konkurrenz auf den Weltmärkten. Die deutsche Wirtschaft erzielte dreimal so hohe Wachstumsraten der Industrieproduktion wie die britische Wirtschaft. Großbritannien reagierte mit einer besonderen Kennzeichnungspflicht für deutsche Waren: Made in Germany.
Eine negative Folge der Industrialisierung Ende des 19. Jahrhunderts war die heftige Schwankung der wirtschaftlichen Entwicklung, die zur Großen Depression bzw. Gründerkrise führte. Diese Wirtschaftskrise ging in vielen Staaten (außer Großbritannien) mit dem Abbau des Freihandels durch Erhebung von Schutzzöllen zum Schutz der heimischen Wirtschaft einher. Diesem Protektionismus entsprach die zunehmende Unternehmenskonzentration, die Bildung großer Wirtschaftskonzerne wie Krupp, Thyssen oder Mannesmann. Eine andere negative Folge war die mit dem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandel verbundene soziale Frage.