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Lexikon Geschichte

Kreuzzüge

Kreuzzüge, Kriege des christlichen Abendlands gegen islamische Staaten im Nahen Osten. Zwischen 1095 und 1270 fanden sieben Kreuzzüge und angeblich ein Kinderkreuzzug statt.

Gründe

Gründe waren Religiosität, Abenteuer-und Beutelust sowie der versprochener Sündenerlass (Ablasshandel). Offizieller Auslöser war die Eroberung des Heiligen Grabs Jesu Christi in Jerusalem durch die moslemischen Seldschuken. Die Seldschuken, ein türkisches Reitervolk, hatten seit dem 7. Jahrhundert Palästina und damit auch Jerusalem erobert und unterbrachen im 11. Jahrhundert zudem die Wege der Pilger zu den heiligen Stätten in Palästina. Christen wurden ausgeraubt und ermordet.

Der erste Kreuzzug

Papst Urban II. (*um 1035, †1099, Papst seit 1088) rief 1095 auf dem Konzil in Clermont zur Befreiung der heiligen Stätten des Christentums von den Muslimen und dem Islam durch einen Kreuzzug auf. Er folgte einem Hilferuf des byzantinischen Kaisers (das Oströmische Reich sah sich von den Seldschuken bedroht) und löste eine Welle von Gewalttätigkeiten aus, der ungezählte Menschen zum Opfer fielen.

Begeistert brachen im Frühjahr 1096 nicht-ritterliche Scharen zum ersten Kreuzzug auf, wurden aber im Oktober in Kleinasien fast völlig aufgerieben. 1099 eroberten Kreuzfahrer Jerusalem, wo sie ein furchtbares Blutbad unter Muslimen und Juden anrichteten. In Palästina, Syrien und Kleinasien entstanden Kreuzfahrerstaaten.

Der Hass auf Muslime und andere Andersdenkende wurde vor allem auf die Juden ausgedehnt: In Deutschland wurden Häuser und Synagogen zerstört, über 5000 Juden ermordet oder zwangsgetauft. Insgesamt sollen am ersten Kreuzzug zwischen 1096 und 1099 über 300.000 Menschen teilgenommen haben.

Zweiter und dritter Kreuzzug

Nach der Eroberung des Kreuzfahrerstaats Edessa 1144 rief der Zisterzienser Bernhard von Clairvaux (*1090, †1153) den deutschen und französischen König zum zweiten Kreuzzug auf. Der zweite Kreuzzug von 1147 bis 1149 unter Ludwig VII. (*1120, †1180, französischer König seit 1137) und Konrad III. (*1093/94, †1152, deutscher König seit 1138) endete als militärischer Misserfolg.

1187 schlug Saladin (*1137/38, †1193, Sultan von Syrien und Ägypten seit 1175) das Aufgebot der christlichen Kreuzfahrer vernichtend und eroberte danach Jerusalem zurück. Der darauf folgende dritte Kreuzzug von 1189 bis 1192 fand mit Beteiligung Kaiser Friedrichs I. Barbarossa (*1122, †1190, römisch-deutscher Kaiser seit 1155), Richard I. Löwenherz von England und Philipp II. August(us) (*1165, †1223, König von Frankreich seit 1180) statt. Nachdem Barbarossa 1190 auf dem Kreuzweg ertrunken war, konnten sich der englische und französische König nicht auf das weitere Vorgehen verständigen. Jerusalem blieb muslimisch.

Da europäische Könige teilnahmen, ging es auch um die politische und geistliche Führung der Christenheit etwa zwischen dem Kaiser des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation und dem Kaiser des Oströmischen Reichs oder zwischen dem Papst in Rom als Vertreter der römisch-katholischen Kirche und der griechisch-byzantinischen Kirche (Ostkirche).

Weitere Kreuzzüge und Kinderkreuzzug

Papst Innozenz III. (*1160/1161, †1216, Papst seit 1198) rief 1198 zum nächsten Kreuzzug auf. Teilnehmer des vierten Kreuzzugs von 1202 bis 1204 eroberten und plünderten Konstantinopel (Byzanz) und begründeten vorübergehend das Lateinisches Kaiserreich (1204-1261).

1212 kamen Tausende Kinder aus Frankreich und dem Rheinland bei dem Versuch ums Leben, einen Kreuzzug ins Heilige Land zu führen (Kinderkreuzzug).

Beim fünften Kreuzzug 1228/1229 gelang Kaiser Friedrich II. durch Verhandlungen die Freigabe der christlichen Pilgerstätten. Dieser Kreuzzug war jedoch vom Machtkampf zwischen Kaisertum und Papsttum überschattet.

Der sechste Kreuzzug von 1248 bis 1254 unter Ludwig IX., dem Heiligen (*1214, †1270, König von Frankreich seit 1226) startete von Frankreich aus. Er geriet mit seinem Heer in Gefangenschaft und wurde erst durch ein hohes Lösegeld freigelassen. 1270 starb Ludwig IX. während des siebten Kreuzzugs.

Die Folgen

Ende des 13. Jahrhunderts waren alle Eroberungen der Kreuzfahrer wieder verlorengegangen, zuletzt 1291 die Stadt Akko. Trotzdem hatten sie eher positive Folgen wie die Blütezeit der Ritter, die Entstehung geistlicher Ritterorden, Verbreitung der Kultur der arabischen Welt und der griechischen Antike. Die Stellung der oberitalienischen Handelsstädte wie Venedig wurde gestärkt.

Allerdings entstanden auch die Inquisition, die Bekämpfung der Ketzer und die Unterdrückung des Judentums. Sowohl das Papsttum als auch das deutsche und byzantinische Kaisertum galten als geschwächt. Das ebnete etwa den Weg für die Osmanen, die 1493 Byzanz (Konstantinopel) eroberten. In der Aufklärung wurden die Kreuzzüge als Zeugnis der Verblendung in einer barbarischen Epoche betrachtet.

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