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Russische Revolutionen

1. Lernjahr ‐ Abitur

Russische Revolutionen, die revolutionären Bewegungen der Februarrevolution und der Oktoberrevolution, die die Herrschaft der Zaren in Russland beendeten, Russland politisch und sozial umwälzten und zum ersten sozialistischen Staat der Erde führten, der UdSSR.

In Russland galt bis Februar 1918 der julianische Kalender, der von unserem gregorianischen Kalender um zwei Wochen abweicht. Nach unserer Zeitrechnung fand die „Februarrevolution“ im März, die „Oktoberrevolution“ im November 1917 statt.

Auslöser der Revolutionen

Wiederkehrende Hungerkatastrophen seit den 1890er-Jahren führten zu einem Massenelend der Bauern und zu Versorgungsschwierigkeiten in den Städten. Die Forderungen des städtischen Bürgertums nach demokratischen Grundrechten wurden lauter. Der liberal gesinnte Adel drängte nach einer Regierungsbeteiligung. Arbeiter kämpften für die Verbesserung ihrer Lebens- und Arbeitsbedingungen.

Auf dem zweiten Kongress der russischen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei 1903 spaltete sich diese in Menschewiki (Minderheitengruppe) und Bolschewiki (Mehrheitsgruppe).

Die Niederlage im Krieg gegen Japan 1905 verschärfte die Situation. Revolutionäre Unruhen im Innern, die allerdings scheiterten und an denen auch Wladimir Iljitsch Lenin teilnahm, zwangen Zar Nikolaus II. Alexandrowitsch (*1868, †1918, russischer Zar von 1894 bis 1917) zum Erlass einer Verfassung und zur Einrichtung eines Parlaments (Reichsduma).

Die Februarrevolution

Infolge der schweren Verluste im Ersten Weltkrieg und einer schlechten Versorgung von Soldaten und Zivilbevölkerung kam es im Februar 1917 zu Streiks und Massendemonstrationen in St. Petersburg (St. Petersburg hieß von 1914 bis 1924 Petrograd), der Hauptstadt des Russischen Kaiserreichs, gegen die Zarenherrschaft.

Am 11.3.1917 erteilte Zar Nikolaus II. den Schießbefehl auf Demonstranten. Soldaten weigerten sich, auf die Demonstranten zu schießen, und liefen zu den Aufständischen über.

Als neues Machtzentrum bildete sich das Provisorische Exekutivkomitee des Petrograder Sowjets der Arbeiter- und Soldatendeputierten (Abgeordnete). Es übte die Kontrolle über die Armee aus. Am 15.3.1917 endete die Zarenherrschaft: Der Zar dankte ab und wurde am 21.3.1917 verhaftet.

Danach kommt es zu einer Doppelherrschaft: Die Duma, das russische Parlament, bildete die Provisorische Regierung. Bis auf den sozialistischen Justizminister Alexander Fjodorowitsch Kerenski (*1881, †1970) waren ihre Mitglieder bürgerlich-liberal orientiert. Im Mai 1917 traten die Menschewiki in die Provisorische Regierung ein. Im Juli 1917 wurde Kerenski Ministerpräsident. Die Provisorische Regierung unter Kerenski strebte eine parlamentarische Demokratie (Vertreter des Adels und des Bürgertums, Rede-, Presse- und Versammlungsfreiheit) an, wollte den Kapitalismus als Wirtschaftssystem beibehalten und den Ersten Weltkrieg weiterführen.

In St. Petersburg (später: Leningrad) bildete Wladimir Iljitsch Lenin einen Sowjet aus Soldaten und Arbeitern, der die Herrschaft beanspruchte. Die überall entstehenden Sowjets (Arbeiter und Soldatenräte) unter Führung der Bolschewiki und Lenins forderten dagegen im Sinne des Sozialismus die Diktatur des Proletariats („Alle Macht den Räten!“), die Abschaffung des Privateigentums, die Enteignung der Großgrundbesitzer und die Beendigung des Ersten Weltkriegs.

Die Auseinandersetzungen um die Zukunft Russlands und seine künftige Staatsform, Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung führten im Herbst 1917 zur Oktoberrevolution.