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Preußische Reformen

1. Lernjahr ‐ Abitur
Preußische Reformen, die grundlegende Erneuerung des preußischen Staats nach der militärischen Niederlage gegen Napoleon Bonaparte (1806/1807). Preußen verlor im Frieden von Tilsit (1807) die Hälfte seiner Staatsfläche. Der preußische König Friedrich Wilhelm III. (*1770, †1840, preußischer König seit 1797) berief neue, gebildete Beamte in die Ministerämter. 

Die Hauptakteure

Die Staatsmänner Karl Freiherr vom und zum Stein (*1757, †1831) und Karl August Fürst von Hardenberg (*1750, †1822) waren hauptverantwortlich für die Verwaltungs-, Agrar- und Gewerbereform, der Gelehrte und Staatsmann Wilhelm von Humboldt (*1767, †1835) zuständig für die Bildungsreform sowie die Generäle Gerhard von Scharnhorst (*1755, †1813), August Neidhardt von Gneisenau (*1760, †1831) und Hermann von Boyen (*1771, †1848) für die Heeresreform.

Die verschiedenen Reformen

Agrarreform: 1807 wurden die Bauern aus der Erbuntertänigkeit entlassen, die Leibeigenschaft abgeschafft. Ab 1811 konnten die Bauern sich aus dem Frondienst freikaufen. Damit wurden die Bauern zwar frei, aber mittellos, weil sie Land an den ehemaligen Gutsherrn abtreten mussten, um einen Hof zu erwerben.
Verwaltungsreform: In den Städten wurde das Prinzip der kommunalen Selbstverwaltung eingeführt (1808). Die Aufhebung der Zünfte und die Einführung der Gewerbefreiheit (1810/11) waren wichtige Voraussetzungen für die spätere Industrialisierung
Bildungsreform: Das Schulwesen wurde neu geordnet und in die drei Stufen Volksschule, Gymnasium, Universität gegliedert. Die Juden errangen eine relativ weitgehende rechtliche Gleichstellung. Sie konnten Lehr- und Schulämter besetzen, vom Richteramt blieben sie ausgeschlossen 
Heeresreform: Mit einer Reform des stehenden Heeres sollten z. B. Beförderungen nach Verdienst erfolgen, die entehrenden Prügelstrafen abgeschafft, eine moderne Führung aufgebaut und damit ein patriotisches Volksheer geschaffen werden.

Bedeutung

Die Preußischen Reformen leiteten den Wandel Preußens vom absolutistischen Stände- und Agrarstaat zum modernen Nationalstaat und Industriestaat ein.