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Kolonialpolitik

1. Lernjahr ‐ Abitur

Kolonialpolitik, die Schaffung von Kolonien im Rahmen des Kolonialismus und Imperialismus sowie die Ausübung der Kolonialherrschaft in diesen Gebieten durch die Kolonialmächte. Die Kolonialmächte waren den Kolonien gegenüber militärisch überlegen, die dort lebenden Menschen den Kolonialherren ausgeliefert. Die Entkolonialisierung begann erst nach dem Zweiten Weltkrieg.

Die einheimischen Bewohner der Kolonien wurden brutal unterworfen und wirtschaftlich ausgebeutet: willkürlicher Einsatz einheimischer Arbeitskräfte, Prügelstrafe bis hin zur Verstümmelung bei nicht erbrachten Leistungen. Vereinzelt kam es zum Widerstand gegen die Kolonialherrschaft.

Deutsche Kolonialpolitik

1882 wurde der deutsche Kolonialverein gegründet. Die Gesellschaft für deutsche Kolonisation in Berlin begann 1884 mit dem Abschluss privater Verträge mit afrikanischen Einheimischen. Im selben Jahr mahnte Otto von Bismarck zur Vorsicht und Zurückhaltung des Staates, kündigte die Unterstützung erfolgreicher privater Initiativen an.

1884/85 begann die deutsche Kolonialpolitik mit der Gründung deutscher Schutzgebiete in Südwestafrika, Kamerun, Togo und Ostafrika sowie in der Südsee: Neuguinea (Kaiser-Wilhelm-Land), die umliegenden Inseln (Bismarckarchipel) und die Marshallinseln. 1897/98 besetzten deutsche Truppen Kiautschou: China musste in einem Pachtvertrag dieses Gebiet auf 99 Jahre an Deutschland abtreten. Zu Auseinandersetzungen zwischen Deutschland und Frankreich kam es in den Marokkokrisen 1905/1906 und 1911).

Beispiel „Deutsch-Südwestafrika“

Mit dem Eindringen der Deutschen in Südwestafrika (heute: Namibia) änderte sich das Leben der einheimischen Bevölkerung grundlegend: Sie konnte sich nicht mehr frei bewegen, Wasser und Weiden nicht mehr ungehindert nutzen, die Jagd wurde verboten. Zuwiderhandlungen oder „Unzuverlässigkeit“ führten sehr schnell zu Prügelstrafen. Viele Einheimische empfanden die Eingriffe in ihr bisheriges Leben als Vernichtung ihrer Lebensgrundlage.

Von 1904 bis 1907 erhoben sich die Stämme Nama und Herero (Hottentotten). Die Aufstände wurden blutig niedergeschlagen, viele Aufständische auch nach den Kämpfen hingerichtet. Der deutsche Oberbefehlshaber General Lothar von Trotha (*1848, †1920) ließ die Überlebenden, darunter sehr viele Frauen und Kinder, in die Wüste treiben, wo sie verdursteten. Etwa 1.500 deutsche Soldaten starben. Von den 100.000 Herero und Nama überlebten nur etwa 25.000. Der Hereroaufstand endete in einem Völkermord.

Nach dem Ersten Weltkrieg verlor Deutschland seine Kolonien im Versailler Vertrag größtenteils an England, Frankreich und die Südafrikanische Union. Namibia wurde erst im März 1990 unabhängig. Neben der Amtssprache Englisch ist Deutsch immer noch eine anerkannte Nationalsprache (Minderheitensprache).