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Lexikon

Dolchstoßlegende

1. Lernjahr ‐ Abitur

Dolchstoßlegende, nach 1918 von Nationalisten verbreitete Propaganda. Danach seien an der deutschen Niederlage im Ersten Weltkrieg nicht das Militär und die monarchische Führung des Deutschen Kaiserreichs schuld, sondern Demokraten und Sozialisten. Diese seien der unbesiegten Armee in den Rücken gefallen.

Viele Deutsche glaubten diese von führenden Militärs verbreitete Lüge, das Deutsche Reich sei nicht an der Front, sondern durch revolutionäre Tätigkeiten der Sozialisten und Sozialdemokraten in der Heimat besiegt („von hinten erdolcht“) worden. Im November 1919 hatte erstmals Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg diese Lüge vor einem Untersuchungsausschuss der Weimarer Nationalversammlung zur Kriegsniederlage in die Welt gesetzt.

In der Folge verübten Rechtsextremisten politische Morde an demokratischen Politikern. Im August 1921 wurde der Zentrumspolitiker Matthias Erzberger (*1875, †1921) ermordet. Er hatte im November 1918 den Waffenstillstandsvertrag unterschrieben. Im Juni 1922 erschossen Rechtsextremisten den Industriellen, Schriftsteller, Politiker und damaligen Außenminister Walther Rathenau (*1867, †1922) auf der Fahrt in sein Ministerium. Rathenau war Jude.

Da Hindenburg als Generalfeldmarschall weiterhin großes Ansehen nicht nur bei rechten Parteien wie der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP), sondern auch im Volk genoss und 1925 sogar zum Nachfolger von Friedrich Ebert zum Reichspräsidenten gewählt wurde, hielt sich die Dolchstoßlegende, obwohl sie sachlich völlig unhaltbar war. Die Nationalsozialisten nutzten sie bei ihrer Propaganda gegen die Weimarer Republik.