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Deutsche Revolution 1848/49

1. Lernjahr ‐ Abitur
Deutsche Revolution 1848/49, revolutionäre Aufbruchstimmung und Unruhe in vielen deutschen Städten ab März 1848. Revolutionäre Bestrebungen gab es auch in anderen europäischen Ländern.

Vorzeichen

Der Versuch des französischen Königs Louis Philippe (*1773, †1850, Herzog von Orléans, König der Franzosen von 1830 bis 1848), die Reformbewegung in seinem Land auszuschalten, löste 1848 die sogenannte Februarrevolution aus, die den König zur Abdankung zwang. Eine provisorische Regierung wurde eingesetzt. Sie rief die Republik aus und verkündet ein allgemeines Wahlrecht. 
Diese Februarrevolution in Frankreich weckte in Deutschland größte Hoffnungen auf die Errichtung eines einheitlichen und parlamentarischen deutschen Nationalstaats und führte, wie in fast allen europäischen Ländern, zu Unruhen. Vor allem Handwerker, Arbeiter und Studenten erhoben sich gegen die Fürstenherrschaft und vertraten die liberalen und nationalen Ziele des Vormärz. Zudem hatten die industrielle Revolution und Missernten große Teile der Bevölkerung in Not gebracht. Das Streben nach einem deutschen Nationalstaat fand auch im 1841 veröffentlichten Deutschlandlied seinen Ausdruck.

Aufruhr in Wien und Berlin

Bei einer Demonstration von Studenten und Arbeitern am 13.3.1848 in Wien eröffnete das Militär auf die unbewaffnete Menge das Feuer. Die Aufständischen forderten Volksbewaffnung und die Entlassung des Staatskanzlers Klemens Wenzel Fürst von Metternich (*1773, †1859). Aus Furcht, die Soldaten könnten auf die Seite des Volkes übergehen, opferte Kaiser Ferdinand I. (*1793, †1875, von 1835 bis 1848 Kaiser von Österreich) den verhassten Kanzler Metternich und versprach eine Verfassung. Die revolutionäre Bewegung zwang am 15.5.1848 die kaiserliche Familie zur Flucht nach Innsbruck.
Die Nachricht vom Sturz Metternichs führte am 18.3.1848 zu einer Massenkundgebung vor dem Berliner Schloss, wo ähnliche Forderungen wie bei der Wiener Demonstration erhoben wurden. Als das Militär den Platz räumte, kam es zu einem Straßenkampf, der 13 Stunden dauerte und bei dem etwa 200 Bürger (meist Handwerker, Arbeiter und Studenten) niedergemetzelt wurden. 
König Friedrich Wilhelm IV. (*1795, †1861, preußischer König seit 1840) war gezwungen, zeitweise die Truppen aus der Stadt abzuziehen. Unter dem Druck des Volks musste der König beim Leichenzug den Märzgefallenen huldigen und sich vor den Toten verneigen. Am 12.11.1848 wurde der Belagerungszustand über Berlin verhängt. Politische Vereine und Klubs wurden geschlossen, die Versammlungs- und Pressefreiheit eingeschränkt und alle Zivilpersonen entwaffnet. 
Die „Märzforderungen“
Die Aufständischen forderten politische Mitbestimmung (demokratisches Wahlrecht, Volksentscheide), Grundrechte wie Glaubens- und Meinungsfreiheit, Versammlungsrecht, Freiheit der Person sowie nationale Einigung und eine gesamt-nationale Volksvertretung. König Friedrich Wilhelm IV. musste sich zunächst vielen Forderungen beugen. Auch andere deutsche Fürsten gaben vorübergehend nach und nahmen so der Revolution die Spitze.

Die Nationalversammlung

Im April 1848 wurden in den Staaten des Deutschen Bundes die Abgeordneten für die Frankfurter Nationalversammlung gewählt. Es war die erste gesamtdeutsche freie Wahl. Ziel der Nationalversammlung war die Beratung und Verabschiedung einer Verfassung für Gesamtdeutschland sowie die Schaffung eines einheitlichen deutschen Nationalstaats. Zwar wurde im März 1849 eine Verfassung verabschiedete, diese trat jedoch nie in Kraft. 
Der preußische König Friedrich Wilhelm IV. lehnte am 28.4.1849 die deutsche Kaiserkrone sowie die Anerkennung der Reichsverfassung mit der Begründung ab, die Verfassung sei ein Mittel, um die oberste Gewalt zu beseitigen und die Republik einzuführen. In den folgenden Wochen beriefen die wichtigsten Mächte (Österreich, Bayern, Preußen) ihre Abgeordneten ab. 

Der Kampf um die Verfassung

Im Mai 1849 wurden Erhebungen für die Reichsverfassung im Rheinland, in Baden, in Sachsen und in der Pfalz von preußischen Truppen blutig niedergeschlagen. Die Fürsten schränkten das Wahlrecht und andere Grundrechte ein. Nach Auflösung der Nationalversammlung wich ein (kleineres) „Rumpfparlament“ im Mai 1849 nach Stuttgart aus, das jedoch schon nach kurzer Zeit am 18.6.1849 von württembergischen Truppen aufgelöst und auseinander getrieben wurde. In Baden schlossen sich auch Soldaten den radikalen Demokraten an.
Am 23.7.1849 kapitulierten die Aufständischen in der Festung Rastatt. Damit war die Revolution endgültig gescheitert. Viele Revolutionäre wurden verhaftet und hingerichtet. Einige flohen ins Ausland (die Zahl der Auswanderer in die USA stieg an). Dies führte zum Verlust an Demokraten und Liberale. Der Deutsche Bund wurde zunächst wiederhergestellt. 
Gründe für das Scheitern der Revolution
Die Revolution scheiterte nicht nur am König von Preußen, der seine Legitimation durch das Parlament ablehnte. Auch verfolgten die Abgeordneten unterschiedliche Ziele: Das intellektuelle Bürgertum, das vor allem die Revolution getragen hatte, strebte nach einem einheitlichen Staat, lehnte aber den sozialen Umsturz ab. Den Arbeitern und Handwerkern ging es vor allem um die Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Lebensbedingungen. Vor allem aber blieben Militär und Beamtentum königs- bzw. fürstentreu. Die Nationalversammlung selbst verfügte über kein Armee.
Die nicht in Kraft getretene Reichsverfassung bildete dennoch eine wesentliche Grundlage für die Verfassung des Deutschen Kaiserreichs von 1871 und die Weimarer Verfassung. Zudem lieferte die Revolution wichtige Impulse für die Arbeiterbewegung und die Frauenbewegung sowie für Forderungen nach einem demokratisch kontrollierten Militär („Bürgerarmee“).

Berlin, März 1848: