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Euphemismus

1. Lernjahr ‐ Abitur

Über das Wort „Euphemismus“

Genus, Betonung:  der Euphemismus
Plural:  die Euphemismen
Abkürzung:  Euph.
Herkunft:  von griechisch euphēmismós Gebrauch eines glückverheißenden Wortes (von  gut + phḗmē Ausspruch, Prophezeiung).
• Beachte, dass die heutige Bedeutung des Wortes (siehe Definition) nicht mehr genau der ursprünglichen griechischen Bedeutung entspricht!

 

Definition

Der „Euphemismus“ ist ein Stilmittel. Unter „Euphemismus“ versteht man die Verwendung eines beschönigenden Ausdrucks, d.h. eines Wortes mit angenehmer(er) oder anständiger(er) Bedeutung für einen unangenehmen oder unanständigen Gegenstand oder Sachverhalt.

 

Beispiele

(1)  Euphemismen im Bereich Tod

Statt morī sterben verwendeten die Römer zahlreiche euphemistische Ausdrücke, wie z.B.:
÷ vītā dēcēdere aus dem Leben scheiden
÷ ē mediō excēdere aus (unserer) Mitte weggehen
÷ diem suprēmum obīre seinen letzten Tag durchlaufen
÷ aliquid hūmānitus (: Adverb!) accidit alicui jemandem geschieht etwas auf menschliche Weise (Cicero: Philippicae 1:4:10)

(2)  Euphemismen im Bereich Sexualität

÷ castum flōrem āmittere  die reine Blume verlieren = die Keuschheit verlieren = (passiv) Geschlechtsverkehr haben (Catull 62:46)
÷ flōrem dīgnitātis īnfringere  die Blume der Würde abbrechen = die Keuschheit rauben = (aktiv) Geschlechtsverkehr haben (Cicero: Pro Balbo 6:15, hier in übertragenem Sinn)