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Lexikon

Sozialdemokratie (nach 1945)

1. Lernjahr ‐ Abitur

Sozialdemokratie (nach 1945). 1945 wurde in den vier Besatzungszonen Deutschlands die SPD wiedergegründet.

In der Sowjetischen Besatzungszone wurde die SPD unter dem Druck der Sowjetunion 1946 mit der Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) gezwungen.

In den der westlichen Besatzungszonen und der späteren Bundesrepublik Deutschland grenzte sich die SPD unter Kurt Schumacher (*1895, †1952, Vorsitzender von 1946 bis 1952) sowohl von der KPD als auch von der CDU mit ihrer Politik der sozialen Marktwirtschaft und Westintegration ab. Wesentlich für die Programmatik der SPD war das Godesberger Programm von 1959, in dem sie sich vom Sozialismus und Marxismus abwandte und sich für die soziale Marktwirtschaft und der Westbindung der Bundesrepublik aussprach. Die SPD wurde zur linken Volkspartei im Unterschied zu den Unionsparteien CDU und CSU als konservative Volksparteien.

Schumacher und sein Nachfolger Erich Ollenhauer (*1901, †1963, von 1952 bis 1963 Parteivorsitzender und Fraktionsvorsitzender der SPD im Bundestag) waren die sozialdemokratischen Gegenspieler von Bundeskanzler Konrad Adenauer.

Mit dem Eintritt in die Große Koalition 1966 beteiligte sich die SPD unter Führung Willy Brandts (*1913, †1992) erstmals an einer Bundesregierung. Brandt war bereits seit 1964 Parteivorsitzender und bleib dies bis 1987. 1969 gelang ihm die Ablösung der CDU-geführten Bundesregierungen, als er mit der FDP eine sozialliberale Regierung bildete. Zuvor gelang mit Gustav Heinemann (*1899, †1976) die Wahl eines SPD-Politikers zum Bundespräsidenten.

Brandt leitete eine neue Ostpolitik ein. Nach seinem Rücktritt 1974 führte Bundeskanzler Helmut Schmidt (*1918, †2015, Bundeskanzler von 1974 bis 1982) die Ost- und Entspannungspolitik fort, stärkte die europäische Integration und Deutschlands Rolle in der NATO.

Der CDU-Politiker Helmut Kohl (*1930, Bundeskanzler von 1982 bis 1998) löste Schmidt durch ein konstruktives Misstrauensvotum 1982 als Bundeskanzler ab. Die SPD wurde bis 1998 wieder Oppositionspartei.

Die als Teil der Bürgerbewegung 1989 entstandene Sozialdemokratische Partei in der DDR (SDP) schloss sich mit der SPD 1990 zu einer gesamtdeutschen Partei zusammen.

Bei der Bundestagswahl 1998 siegte die SPD als stärkste Partei und konnte mit Gerhard Schröder (*1944) Helmut Kohl als Bundeskanzler ablösen. Schröder bildete bis zu den vorgezogenen Wahlen 2005 mit Bündnis90/Die Grünen zwei Koalitionsregierungen. Regierung und SPD gerieten in eine Krise, als Schröder mit der Agenda 2010 sozial- und arbeitsmarktpolitische Reformen einleitete. Dies führte 2004 zur Abspaltung einer linken Strömung unter dem ehemaligen Parteivorsitzenden Oskar Lafontaine (*1943, von 1985 bis 1998 Ministerpräsident des Saarlandes und von 1995 bis 1999 SPD-Vorsitzender). Im Streit mit Gerhard Schröder verließ Lafontaine die SPD und schloss sich der Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG) an, die 2007 mit der SED-Nachfolgepartei PDS zur Linkspartei fusionierte.

2005 verlor die SPD die Kanzlerschaft, konnte aber mit der CDU unter Bundeskanzlerin Angela Merkel (*1954) von 2005 bis 2009 und von 2013 bis 2017 eine Große Koalition bilden und sich an der Bundesregierung beteiligen.