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Lexikon

Englische Revolutionen

1. Lernjahr ‐ Abitur

Englische Revolutionen, der Konflikt zwischen dem englischen König und Vertretern des Adels, der Grafschaften und der Städte, der in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts zur ersten konstitutionellen Monarchie der Geschichte führte. Seit dem 13. Jahrhundert entwickelte sich in England ein Parlament. Diese Entwicklung des Parlamentarismus kann als Keimzelle des modernen demokratischen Verfassungsstaates betrachtet werden.

Beginn des englischen Parlamentarismus

In der Magna Charta von 1215 wurde den Baronen politische Mitbestimmung bei Entscheidungen zugesichert. Sie legte z. B. die Höhe der Abgaben der Barone an den König verbindlich fest. Das Parlament der Barone wurde seit 1236„House of Lords“ (Oberhaus) genannt. Mit der Magna Charta wurde die Kontrolle königlichen Handelns durch ein Gesetz festgeschrieben. Der König stand unter dem Gesetz. Seit 1254 wurde das Parlament um Vertreter der Grafschaften, seit 1265 auch um Vertreter der Städte erweitert. Ursprünglich war die Einberufung der Vertreter von Stadt und Land vom König als Ausnahme gedacht, setzte sich jedoch als Regel durch.

1297 wurde die Magna Charta bestätigt und erweitert: Der König durfte ohne Zustimmung des Parlaments keine neuen Steuern und Zölle erheben. Die Grafschafts- und Städtevertreter vereinigen sich 1343 zum „House of Commons“ (Unterhaus).

Mit Unterstützung des Parlaments löste Heinrich VIII. (*1491, †1547, König von England seit 1509) 1534 die Kirche seines Landes von der Autorität Roms und begründete die anglikanische Staatskirche (Act of Supremacy). Damit wurde die Reformation in England staatsrechtlich vollzogen. Der Calvinismus verbreitete sich, seine Anhänger nannten sich in England Puritaner. Ein Sprengstoffanschlag fanatischer Katholiken auf das Parlament wurde 1605 vereitelt (Gunpowder Plot).

Bürgerkrieg und Revolution von 1649

Nachdem Karl I. (*1600, †1649, König von England, Schottland und Irland seit 1625) König geworden war, versuchte er mehrfach, das Parlament auszuschalten und im Sinne des Absolutismus zu regieren. Doch das Parlament unter Führung des adligen Abgeordneten Oliver Cromwell (*1599, †1658) widersetzte sich.

In der Petition of Right von 1628 erzwang das Parlament weitere Rechte. Willkürliche Verhaftungen werden untersagt, Steuererhöhungen waren nur noch mit Zustimmung des Parlaments möglich. In den Jahren 1629 bis 1640 war es dem König gelungen, ohne das Parlament zu regieren.1640/41 wurden die Rechte des Parlaments noch einmal bestätigt und ausgedehnt. So konnte das Parlament nur aufgelöst werden, wenn es dem selbst zustimmt. Eine Auflösung alleine durch den König war nicht mehr möglich.

Nach dem gescheiterten Versuch, die Wortführer seiner Gegner im Parlament zu verhaften, musste der König aus London flüchten. Es begann ein Bürgerkrieg von 1642 bis 1648 zwischen anglikanischen Royalisten und Puritanern, die ihrerseits in zwei Machtblöcke gespalten waren. Die politisch radikalen Puritaner unter Oliver Cromwell forderten mehr Mitspracherechte, die Aufhebung sozialer Schranken und religiöse Toleranz. Sie ließen deshalb 1649 Karl I. hinrichten und riefen eine Republik aus. Die Monarchie wurde abgeschafft.

Von 1653 bis 1658 beherrschte Cromwell als „Lordprotektor“ mittels einer Militärdiktatur England. Nach Cromwells Tod wurde 1660 die Monarchie wiederhergestellt. König wurde Karl II. (*1630, †1685). Er wurde bereits 1649 von den Royalisten zum König von England, Schottland und Irland ausgerufen, bestieg aber erst 1660 nach der Wiederherstellung der Königswürde den Thron, nachdem er feierlich die Rechte des Parlaments bestätigt hatte.

Nach der Habeas-Corpus-Akte von 1679 durfte ein Beschuldigter ohne richterlichen Entscheid nur begrenzte Zeit in Haft gehalten werden.

Die „Glorreiche Revolution“ von 1688/89

Diese Glorreiche Revolution wurde „glorreich“ genannt, weil sie ohne Blutvergießen von statten ging und mit einer neuen Form des Königtums endete.

König Jakob II. (*1633, †1701, König von England, Schottland und Irland von 1685 bis 1688) bekannte sich zum Katholizismus und zum Absolutismus nach französischem Vorbild. Seit seinem Amtsantritt 1685 versuchte er, den Katholizismus zu stärken. So besetzte er wichtiger Ämter durch Glaubensbrüder. Damit verstieß er gegen Gesetze, die im Bürgerkrieg erkämpft worden waren.

Die Anhänger der von Rom gespaltenen „Kirche von England“ (anglikanische Staatskirche) und das Parlament fühlten sich in ihrer Macht beschnitten und formierten den Widerstand. Durch die Geburt eines männlichen Thronfolgers im Jahr 1688 wuchs die Gefahr einer dauerhaften katholischen Dynastie (Herrschergeschlecht).

Das Parlament rief Wilhelm III. von Oranien (*1650, †1702, König von England, Schottland und Irland seit 1689), den protestantischen Schwiegersohn des Königs, zur Hilfe. Er setzte mit einem Söldnerheer von den Niederlanden nach England über. Jakob verlor nach der Landung Wilhelms weitere Anhänger.

Nach der Flucht Jakobs wurden Wilhelm und seine Frau Maria II. (*1662, †1694, Königin von England, Schottland und Irland) 1689 zum Königspaar gekrönt. Zuvor garantierten sie in der Declaration of Rights, auch Bill of Rights genannt, dass Entscheidungen über das Heer, neue Gesetze und Steuern nur vom König und vom Parlament gemeinsam gefällt werden konnten.

Damit wurde in Großbritannien die Phase des Absolutismus endgültig abgeschlossen. Großbritannien wurde eine konstitutionelle Monarchie. Es herrschte Gewaltenteilung: Die Legislative (gesetzgebende Gewalt) lag beim Parlament, die Exekutive (ausführende Gewalt) beim König. Das Parlament und nicht mehr der König war von nun an Träger der Staatssouveränität.