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Indirekte Rede

3. ‐ 4. Lernjahr Dauer: 25 Minuten

Wie du indirekte Rede erkennst und übersetzt

Bewertung

Schritt-für-Schritt-Anleitung

Aufgabe

Bestimme im folgenden Text, welche Sätze in indirekter Rede stehen. Übersetze dann diese Sätze.

Aliqui auctor in castris Romanorum est et audit, quod Caesar centurioni (der Zenturio) imperat: „Hostes nos aggredi volunt, quia se fortiores ducunt. Sed maiores eos semper vincebant, quamquam nonnumquam minus frequentes erant. Cur milites castra non defendunt? Num superari vultis? Hortare milites, pugnate fortiter, vincite!“ Post orationem hic centurio ad milites properat; auctor autem se recipit et verba Caesaris in librum scribit. Nos legimus: Caesar dixit hostes se ipsos aggredi velle, quia se fortiores ducant. Sed maiores eos semper vicisse, quamquam minus frequentes essent. Cur castra non defendant? Num eos superari velle? Centurio milites hortaretur, fortiter pugnarent, vincerent.

Das musst du wissen

Im Lateinischen gibt es einige Regeln, die dir helfen, die indirekte Rede (oratio obliqua) zu erkennen:
– Fast immer leitet ein Verb des Sagens einen Abschnitt mit indirekter Rede ein, z. B. er sagte/antwortet/berichtete/meldet etc.
– Alle Hauptsätze und
rhetorischen Fragen treten in den AcI (Verneinung: non).
– Alle Nebensätze, Befehle, Verbote (Verneinung:
ne) und Fragen treten in den Konjunktiv. Die Zeiten richten sich nach der Zeitenfolge für konjunktivische Nebensätze (consecutio temporum).
– Die
Pronomina stehen in der 3. Person.

Schritt 1: Ermittle alle Sätze, die in indirekter Rede stehen

Am besten gehst du nach dem Ausschlussverfahren vor: Wie im Deutschen sind alle Sätze, die in Anführungszeichen stehen, direkte Rede. Alle Sätze, die ein finites Verb im Indikativ haben, kommen auch nicht infrage, denn indirekte Rede im Lateinischen erkennst du entweder am AcI oder an konjunktivischen Verben. Fast immer steht vor der indirekten Rede ein Verb des Sagens. 

Aliqui auctor in castris Romanorum est et audit, quod Caesar centurioni (der Zenturio) imperat.  In diesem ersten Satz haben wir lauter finite Verben (est, audit, imperat), weswegen es keine indirekte Rede sein kann.

„Hostes nos aggredi volunt, quia se fortiores ducunt. Sed maiores eos semper vincebant, quamquam nonnumquam minus frequentes erant. Cur milites castra non defendunt? Num superari vultis? Hortare milites, pugnate fortiter, vincite!“ → Diese Passage steht in Anführungszeichen, ist also direkte Rede.

Post orationem hic centurio ad milites properat; auctor autem se recipit et verba Caesaris in librum scribit. Nos legimus.  Auch hier liegen finite Verben im Indikativ vor (properat, recipit, scribit), es ist demnach keine indirekte Rede.

Caesar dixit hostes se ipsos aggredi velle, quia se fortiores ducant. Sed maiores eos semper vicisse, quamquam minus frequentes essent. Cur castra non defendant? Num eos superari velle? Centurio milites hortaretur, fortiter pugnarent, vincerent! → Dieser Abschnitt wird von dixit (er, sie, es sagte) eingeleitet; alle folgenden Sätze stehen entweder im AcI (hostes aggredi velle; maiores vicisse; superari velle) oder im Konjunktiv (ducant; essent; defendant; hortaretur; pugnarent; vincerent). Deshalb stehen diese Sätze in indirekter Rede.

Schritt 2: Übersetze die indirekte Rede

Nun übersetzen wir die Sätze. Beachte dabei, dass du im Deutschen die indirekte Rede im Konjunktiv I (z. B. er habe oder sie müsse) wiedergibst.

Caesar dixit hostes se ipsos aggredi velle, quia se fortiores ducant. Die indirekte Rede wird von Caesar dixit eingeleitet: Dixit ist die 3. Pers. Sg. Ind. Perf. und bedeutet: er, sie, es sagte. Subjekt dazu ist Caesar. Daran schließt sich die Aussage der Rede Cäsars an; du übersetzt sie wie einen AcI: Der Akkusativ wird zum Subjekt des dass-Satzes, der Infinitiv zu Prädikat. Wir erhalten: Cäsar sagte, dass die Feinde ihn angreifen wollten. Davon hängt der Kausalsatz quia ... ducant ab. Ducant ist die 3. Pers. Sg. Konj. Präs. von ducere. Weil es mit doppeltem Akkusativ steht, bedeutet es: halten für. Der vollständige Satz lautet dann: Cäsar sagte, dass die Feinde sie (= die Römer) angreifen wollten, weil sie sich für stärker hielten.

Sed maiores eos semper vicisse, quamquam minus frequentes essent. Wir beginnen die Übersetzung mit dem AcI an der Satzspitze. Sein Verb ist der Infinitiv vicisse, Subjekt dazu sind die maiores: Aber die Vorfahren hätten diese immer besiegt. Daran schließt sich ein Konzessivsatz an, der durch quamquam eingeleitet ist. Prädikat ist essent, Subjekt sind noch immer die Vorfahren aus dem Hauptsatz: ... obwohl sie weniger zahlreich gewesen seien.

Cur castra sua non defendant? Hier liegt eine echte Frage vor, weswegen das Prädikat defendant im Konjunktiv steht. Es kommt von defendere und ist die 3. Pers. Pl. Konj. Präs. Wir übersetzen: Warum verteidigten sie ihr Lager nicht? Aufgepasst: Verteidigten ist hier kein Imperfekt, sondern eine Form des deutschen Konjunktivs I!

Num eos superari velle? Hierbei handelt es sich um eine rhetorische Frage, also eine, auf die der Sprecher gar keine Antwort erwartet. Wie Hauptsätze stehen rhetorische Fragen in indirekter Rede im AcI. Der Akkusativ eos wird zum Subjekt, der Infinitiv velle zum Prädikat: Ob sie etwa besiegt werden wollten?

Centurio milites hortaretur, fortiter pugnarent, vincerent. In diesem Satz stehen drei Konjunktive, ohne dass es sich um eine Frage handelt. Deswegen müssen hier Befehle vorliegen. Das Subjekt ist der Centurio. Das erste Prädikat, hortaretur, steht in der 3. Pers. Sg. und richtet sich nur an ihn. Es kommt von hortari ermutigen, anfeuern, anspornen. Die Prädikate pugnarent und vincerent richten sich an alle Soldaten Cäsars. Wir erhalten: Der Zenturio solle die Soldaten antreiben, sie sollten tapfer kämpfen und siegen.

Lösung

Aliqui auctor in castris Romanorum est et audit, quod Caesar centurioni (der Zenturio) imperat: „Hostes nos aggredi volunt, quia se fortiores ducunt. Sed maiores eos semper vincebant, quamquam nonnumquam minus frequentes erant. Cur milites castra nostra non defendunt? Num superari vultis? Hortare milites, pugnate fortiter, vincite!“ Post orationem hic centurio ad milites properat; auctor autem se recipit et verba Caesaris in librum scribit. Nos legimus: Caesar dixit hostes se ipsos aggredi velle, quia putent se fortiores esse. Sed maiores eos semper vicisse, quamquam minus frequentes essent. Cur castra non defendant? Num eos superari velle? Centurio milites hortaretur, fortiter pugnarent, vincerent.

(Ein Schreiber ist im Lager der Römer und hört, was Cäsar einem Zenturio befiehlt: „Die Feinde wollen uns angreifen, weil sie sich für stärker halten. Aber unsere Vorfahren haben diese immer besiegt, obwohl sie bisweilen weniger zahlreich waren. Warum verteidigen die Soldaten das Lager nicht? Wollt ihr etwa besiegt werden? Treibe die Soldaten an, kämpft tapfer und siegt.“ Nach der Rede eilt dieser Zenturio zu den Soldaten; der Schreiber aber zieht sich zurück und notiert die Worte Cäsars in sein Buch. Wir lesen:)
Cäsar sagte, dass die Feinde sie angreifen wollten, weil sie sich für stärker hielten. Aber die Vorfahren hätten diese immer besiegt, obwohl sie weniger zahlreich gewesen seien. Warum sie ihr Lager nicht verteidigten? Ob sie etwa besiegt werden wollten? Der Zenturio solle die Soldaten antreiben, sie sollten tapfer kämpfen und siegen.

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