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Lexikon Deutsch

Weimarer Republik/Neue Sachlichkeit (1918-1933)

Historische Zusammenhänge

Die Krisenjahre nach dem Ersten Weltkrieg belasteten den Anfang der jungen Republik (Wirren nach dem Krieg, Dolchstoßlegende, Inflation, Besetzung des Ruhrgebietes, Hitlerputsch, kommunistische Aufstände). Von 1924 bis 1929 erreichte die Republik eine Phase relativer Stabilität. Man spricht von den „goldenen Zwanzigern“. Berlin wurde zu einer Metropole von Kultur und Wissenschaft. Die neuen Medien Rundfunk und Film traten ihren Siegeszug an.

In der Weimarer Republik wirkten nach dem Ersten Weltkrieg zunächst noch die expressionistischen Konzepte weiter. Zusätzlich gab es eine Fülle literarischer Ansätze und eine Vielfalt konkurrierender Stile. Zu den Gemeinsamkeiten der Autoren, die von den historisch-politischen Erfahrungen der Zeit geprägt waren, gehörten:

  • die Reaktionen auf die Erfahrungen des Krieges,
  • das Gefühl des Bruches mit den verlorenen oder überholten Traditionen,
  • die Hinwendung zu den Problemen der "kleinen Leute",
  • das Bemühen, den Übergang in eine neue Zeit zu artikulieren.

Das Ende der Inflation (1923) brachte eine wirtschaftliche Konsolidierung mit sich. Mit den Rationalisierungen in Industrie und Geschäftsleben setzte auch in der Literatur eine Gegenbewegung zum Expressionismus mit seinen Untergangs- und Aufbruchsvisionen ein.

Kennzeichen der Epoche

Die Richtung der Neuen Sachlichkeit entstand aus der Spannung zwischen irrationalen und rationalen Tendenzen der Zeit. Diese literarische Strömung betonte die Abwendung vom Emotionalen und hob stattdessen eine neue Geisteshaltung und Schreibweise hervor: Nüchterne und distanziert-kritische Betrachtungen waren eine Reaktion auf die subjektive Ausdruckskunst der Expressionisten und den „Sprachkult“ der Schriftsteller um die Jahrhundertwende. Beeinflusst wurde die Literatur durch den funktionalen sachlichen Stil des Bauhauses, einer Schule für Architektur und künstlerische Gestaltung. Die Literatur wollte die Alltagswelt möglichst realistisch wiedergeben und die Masse der Bürger an der literarischen Kultur beteiligen. Dadurch trat die Gebrauchsliteratur, z. B. journalistische und dokumentarische Formen (Reportage, Bericht, Glosse, Satire), stärker in den Vordergrund. Beispiele sind die sozialkritischen Reportagen des Publizisten Egon Erwin Kisch (1885-1948). Wichtigstes Publikationsorgan wurde die Weltbühne, die mit den Namen Carl von Ossietzky und Kurt Tucholsky verbunden war.

Auch mit der Lyrik wurde ein unmittelbarer Zugang zum Publikum hergestellt: Bevorzugte Gebrauchsformen waren Bänkelsang, Moritat, Ballade und Song (z. B.: Bertolt Brecht, Tucholsky). Auf der Bühne vertrat der Regisseur Erwin Piscator, mit dem Brecht zusammenarbeitete, eine politisch-dokumentarische Dramaturgie. Dabei standen die gesellschaftlichen Kräfte im Mittelpunkt, die das Leben und Verhalten der Menschen bedingten. Das Theater sollte aufrütteln sowie politisch bewegen und verändern. Piscator bediente sich bei seinen Inszenierungen der neuen Medien zur Herstellung von Authentizität (Einblendung von Filmszenen und Fotografien, Spruchbänder, Sprechchöre). Anstelle des traditionellen Hoftheaters und der Einteilung in Parkett, Ränge, Logen bzw. der Guckkastenbühne (Trennung von Bühne und Publikum durch den Vorhang) vertrat er ein Totaltheater, um die Zuschauer in das Theatergeschehen einzubeziehen. Brecht knüpfte an diese Ideen Piscators an; er veränderte die herkömmlichen Formen des Theaters mit dem Ziel, auf der Bühne Beispiele/Modelle einer besseren Welt vorzustellen, und entwickelte so die Theorie und dramaturgische Praxis des Episches Theaters.

Die Weimarer Republik war auch die Zeit der großen Romane, z. B. von Thomas Mann, Alfred Döblin, Hermann Hesse, Jakob Wassermann, Joseph Roth, Hermann Broch, Robert Musil. Erich Maria Remarque schrieb seinen Weltbestseller Im Westen nichts Neues (1929). Auf die Gegensätze der Zeit fanden die Schriftsteller unterschiedliche Antworten: das einfache Leben (Ernst Wiechert), indische Weisheiten (Hermann Hesse), eine konservativ-humanitäre Weltsicht (Hans Carossa) oder christlich-religiöse Überzeugungen (Gertrud von Le Fort, Werner Bergengruen).

Bevorzugte Gattungen

Dokumentarische Literatur

Reportagen, Essays, Glossen, Satiren

Lehrstück

Lehrtheater/Konzept des Epischen Theaters (Bertolt Brecht)

Montageroman

neue vielschichtige Auffassung von Wirklichkeit; Verarbeitung psychoanalytischer Erkenntnisse; Darstellung des Bewusstseinsstroms durch Techniken der Aneinanderreihung sprachlicher Bruchstücke (z. B. Alfred Döblin, Berlin Alexanderplatz)

Formen des Kabaretts wie Sketch, Satire

Gedicht, Kurzprosa (Zivilisationskritik, Kritik an den politischen Entwicklungen)

Auswahl wichtiger Autoren und Werke

Jakob Wassermann (1873-1934): Der Fall Maurizius

Thomas Mann (1875-1955): Der Zauberberg

Hermann Hesse (1877-1962): Demian; Siddhartha; Der Steppenwolf

Alfred Döblin (1878-1957): Berlin Alexanderplatz

Kurt Tucholsky (1890-1935): Deutschland, Deutschland über alles; Das Lächeln der Mona Lisa

Hans Fallada (1893-1947): Kleiner Mann - was nun?

Carl Zuckmayer (1896-1977): Der Hauptmann von Köpenick

Bertolt Brecht (1898-1956): Der Jasager und der Neinsager; Die heilige Johanna der Schlachthöfe

Erich Maria Remarque (1898-1970): Im Westen nichts Neues

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