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Lexikon Deutsch

Von der Gründung der Bundesrepublik bis zur Mitte der 1960er-Jahre

Zeitgeschichtliche Rahmenbedingungen

Die Gründung der Bundesrepublik Deutschland ist die Folge einer Entwicklung, die sich vor dem Hintergrund zunehmender Spannungen zwischen den westlichen Siegermächten und der UdSSR abspielt. Das Jahr 1949 bringt die Bildung zweier deutscher Staaten und damit die Entwicklung zweier deutscher Literaturen hervor, die zwar nicht hermetisch voneinander getrennt sind, deren Entfaltung aber unter dem Einfluss des jeweiligen Gesellschaftssystems steht.

Kennzeichen der literarischen Bewegung

Die Literaten der jungen Generation treten in den 1950er-Jahren der offiziellen Politik der Ära Adenauer entgegen. Es werden Warnungen formuliert gegenüber Anpassungsverhalten und Mitläufertum sowie Erfahrungen mit Krieg und Totalitarismus verarbeitet. Kunst und Politik gehen zunächst noch weithin getrennte Wege. Das in der Bundesrepublik früh einsetzende Wirtschaftwunder beeinflusst die Mentalität breiter Bevölkerungsschichten: Konsum und Besitz werden zu neuen Werten, zu Zeichen der Tüchtigkeit. In dieser Situation verstehen sich viele Schriftsteller als kritische Beobachter und unbequeme Mahner. Literarische Traditionen werden weitergeführt (z. B. in der Lyrik: Gottfried Benn, Heinz Piontek). Bezeichnend ist auch, dass Frauen im ersten Jahrzehnt der Bundesrepublik die Entwicklung der Lyrik entscheidend mitbestimmen, z. B. Marie-Luise Kaschnitz, Nelly Sachs, Hilde Domin, Ingeborg Bachmann. Die Spielpläne der Theaterbühnen werden dominiert von den Werken französischer, britischer und amerikanischer Autoren wie Jean Anouilh, Christopher Fry und Thornton Wilder. Samuel Beckett und Eugène Ionesco werden als Vertreter eines surrealistischen Bühnenstils bekannt (absurdes Theater). Wichtige Impulse erhält das deutsche Theater durch die beiden Schweizer Dramatiker Max Frisch (z. B. Andorra, Uraufführung 1961) und Friedrich Dürrenmatt (z. B. Die Physiker, Uraufführung 1962).

Die philosophische Richtung des Existenzialismus, die besonders die Beziehungs- und Bindungslosigkeit der Existenz betont, gewinnt - bereits unmittelbar nach dem Krieg - Einfluss auf die Literatur. Deutlich wird dies vor allem bei Franz Kafka, der in seinen Romanen und Erzählungen das Dasein als absurd darstellt, weil das Ich nicht mehr von einer einheitlichen Idee oder von einer Existenz außerhalb des Individuums gelenkt wird. Im Zusammenhang mit der Konfrontation der Weltmächte (Kalter Krieg, Wettrüsten, Visionen atomarer Vernichtung) wird vor allem in der Literatur deutlich die Sinnfrage gestellt. Exemplarisch steht dafür die Tragikomödie Die Physiker von Friedrich Dürrenmatt.

Die meisten der in den 1950er-Jahren bekannten Schriftsteller werden von der Gruppe 47 gefördert, einem losen Zusammenschluss von (zuletzt) ca. 200 Schriftstellern, der von 1947 bis 1977 besteht. Einen wichtigen Einschnitt markiert die Zeit um 1960. Mit den Romanen von Günter Grass (Die Blechtrommel), Heinrich Böll (Ansichten eines Clowns), Max Frisch (Homo faber), Siegfried Lenz (Die Deutschstunde) und Uwe Johnson (Mutmaßungen über Jakob) gelingt der deutschen Literatur wieder der Anschluss an die Weltliteratur. Die Romane zeigen distanzierte und skeptische Sichtweisen auf, entwerfen neue Modelle humaner Verhaltensweisen und machen den Außenseiter zur Leitfigur.

Auswahl wichtiger Autoren und Werke

Gottfried Benn (1886-1956): Gesammelte Gedichte

Nelly Sachs (1891-1970): Gedichtband Flucht und Verwandlung

Marie-Luise Kaschnitz (1901-1974): Neue Gedichte

Max Frisch (1911-1991): Stiller; Homo faber; Andorra

Heinrich Böll (1917-1985): Haus ohne Hüter; Ansichten eines Clowns

Friedrich Dürrenmatt (1921-1990): Der Richter und sein Henker; Der Verdacht; Der Besuch der alten Dame; Die Physiker

Siegfried Lenz (* 1926): Deutschstunde; So zärtlich war Suleyken

Martin Walser (* 1927): Halbzeit

Hans Magnus Enzensberger (* 1929): Gedichtband verteidigung der wölfe

Rolf Hochhuth (* 1931): Der Stellvertreter

Uwe Johnson (1934-1984): Mutmaßungen über Jakob

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