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Lexikon Deutsch

Gegenbewegungen zum Naturalismus (1880-1918)

Kennzeichen der Epoche

Der Beginn der literarischen Moderne, zu der auch der Naturalismus zählt, ist durch eine Vielfalt unterschiedlicher, zum Teil widersprüchlicher Tendenzen, Bewegungen und Gegenbewegungen gekennzeichnet. Der als krisenhaft erlebte Umbruch bedeutete auch eine Krise der sprachlichen und künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten. Schon früh bildeten sich Gegenströmungen zum Naturalismus heraus, womit die einseitig auf Wirklichkeit bezogenen Konzepte infrage gestellt bzw. aufgegeben werden.

Impressionismus

Dieser Begriff bezeichnete ursprünglich eine Richtung in der französischen Malerei (Monet, Manet), die darum bemüht war, mit bildnerischen Mitteln den Eindruck der Wirkung von Licht, Farbe und Luft auf die Gegenstände wiederzugeben. Der Begriff wurde auf die Literatur übertragen, der es darum ging, individuelle Eindrücke und Stimmungen in lautmalerischer Sprache wiederzugeben.

Neuromantik

Betont wurde mit diesem Begriff vor allem die Anknüpfung an die zurückliegende Epoche der Romantik. Eingefordert wurden daher Gefühle, Innerlichkeit, Seelentiefe und Heimatverbundenheit.

Symbolismus

Diese literarische Strömung wand sich besonders deutlich gegen Ziele und kunsttheoretische Auffassungen von Realismus und Naturalismus. Mit dem Begriff Symbolismus wird besonders deutlich das ästhetische Moment und der bewusste Kunstwille hervorgehoben. Der Symbolismus hatte - wie die Stilrichtung des Impressionismus - seinen Ursprung in Frankreich. Die Kunsttheorie dieser Zeit kennzeichnete insbesondere, dass der Kunst ein Absolutheitsanspruch zugebilligt  wurde; die Kunst sollte um ihrer selbst willen da sein (l’art pour l’art). Sie hatte die Aufgabe, das Schöne darzustellen und zu verherrlichen: poésie pure im Gegensatz zur Indienstnahme der Kunst für politische oder soziale Ziele (poésie engagée).

Die Darstellung des Hässlichen und die Vereinnahmung der Kunst für politische Aussagen wurde abgelehnt. Es ging nicht darum, die breite Masse zu erreichen, sondern darum,

  • ein „höheres Reich der Kunst“ zu vertreten,
  • dem Wesen der Dinge auf die Spur zu kommen und mit dem dichterischen Wort die Wahrheit zu verkünden.

Zitat

Des sehers wort ist wenigen gemeinsam:
Schon als die ersten kühnen wünsche kamen
In einem seltnen reiche ernst und einsam
Erfand er für die Dinge eigne namen -
...
(Stefan George, Des Sehers Wort; 1897)

Décadence und Fin de Siècle

Gegen Ende des Jahrhunderts herrschte ein Gefühl des Niedergangs vor, das Gefühl, die abendländische Kultur gehe ihrem Ende entgegen („décadence“ = Niedergang; fin de siècle = Ende des Jahrhunderts). Der Glaube an ein einheitliches Weltbild in der aufkommenden Massengesellschaft galt als längst zerbrochen. Lebensangst war eine der Grundstimmungen in dieser als krisenhaft erlebten Zeit. Das Gefühl des „Krankseins“ allerdings - so die vorherrschende Sicht - ging für den Künstler einher mit einer größeren Empfindungstiefe gegenüber den Gegenständen der Welt und ihrer Darstellung: Wer „krank“ war, war empfindlicher und nahm intensiver wahr (vgl. die Darstellung des Künstlers in Thomas Manns Novelle Tonio Kröger oder die Darstellung des Schriftstellers Gustav von Aschenbach in der Novelle Der Tod in Venedig).

Bevorzugte Textgattungen

In dieser Zeit war das Gedicht eine der bevorzugten Textarten. Der Versuch der Dichter, dem Wesen der Dinge auf die Spur zu kommen, führte zu einer intensiven Verfeinerung der sprachlichen Mittel. Dies galt besonders auch für das epische Werk Thomas Manns.

Auswahl wichtiger Autoren und Werke

Arthur Schnitzler (1862-1931): Liebelei; Der Reigen; Anatol; Leutnant Gustl; Traumnovelle

Stefan George (1868-1933): Gedichte, z. B. Komm in den totgesagten Park

Heinrich Mann (1871-1950): Professor Unrat; Der Untertan

Christian Morgenstern (1871-1914): Gedichte

Hugo von Hofmannsthal (1874-1929): Gedichte; Jedermann

Thomas Mann (1875-1955): Die Buddenbrooks; Tonio Kröger; Der Tod in Venedig

Rainer Maria Rilke (1875-1926); Gedichte

Hermann Hesse (1877-1962): Unterm Rad

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