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Lexikon Deutsch

Junges Deutschland, Vormärz und Biedermeier (um 1815-1849)

Historische Zusammenhänge

Das für die Zeit von 1815 (Wiener Kongress) bis zur Märzrevolution (1848) zentrale Merkmal heißt Restauration. Der Begriff kennzeichnet den Versuch, die Zustände vor der Französischen Revolution, d. h. die alte feudale Ordnung, wiederherzustellen. Die Politik der Restauration war stark geprägt vom österreichischen Staatskanzler Fürst Metternich. Nationale und liberale Bewegungen (des Bürgertums), die als Gefahr für die Macht der Fürsten und die bestehenden Verhältnisse galten, wurden mithilfe der Zensur unterdrückt. Mit den Karlsbader Beschlüssen (1819) hob man die Pressefreiheit auf und verfügte die Zensur von Büchern und Zeitschriften. Vermeintliche Demagogen (Volksverführer) wurden verfolgt (Bespitzelung, Berufsverbot, Ausweisung und Emigration, Freiheitsstrafe). Die Zeit des Vormärz 1830-1848 (der Begriff nimmt Bezug auf den Ausbruch der Revolution im März 1848) brachte eine zunehmende Politisierung des Bürgertums mit sich (Gegenbewegung zur Restauration: Kritik gegenüber dem System Metternich; liberale Forderungen).

Bedingt durch das gesteigerte Informationsbedürfnis breiter Bevölkerungskreise kam es zur wachsenden Kommerzialisierung des literarischen Marktes; Zeitungen, Zeitschriften und Bücher erlebten steigende Auflagenzahlen. Um das Lesebedürfnis zu stillen, wurden Leihbibliotheken gegründet; allein in Berlin gab es zwischen 1830 und 1848 über 600 davon.

Junges Deutschland

Den jungen Vertretern der Richtung Junges Deutschland (der Name versteht sich als Abgrenzung zum „alten“ Deutschland) ging es um politisches Engagement. Wichtigste Vertreter dieser Richtung waren Heinrich Heine, Karl Gutzkow und Heinrich Laube. Insbesondere durch revolutionäre Ereignisse (Julirevolution 1830 in Frankreich; Bürgerprotest beim Hambacher Fest, 1832; Sturm auf die Frankfurter Hauptwache, 1833; Weberaufstand, 1844; Revolution in Frankreich und Deutschland, 1848 ) angeregt, kämpften sie für Liberalismus und sozialen Fortschritt, gegen Feudalismus und Adelsgesellschaft sowie gegen erstarrte Moralvorstellungen. Wichtigstes Instrument in diesem Kampf wurde die Presse. Die Generation der jungen Literaten und Journalisten, die der Romantik nachfolgte, kennzeichnete das Bewusstsein von der verlorenen Einheit der Welt (Kluft zwischen Ideal und Wirklichkeit); sie grenzten sich von der Klassik und der Romantik (Vorwurf der Weltfremdheit und mangelnder gesellschaftlicher Relevanz) ab. Die Literatur sollte bewusst populär sein und Wirkungen erreichen. Eine Sonderrolle spielte dabei der deutsche Dichter Heinrich Heine, dessen widersprüchliche und zugleich faszinierende Wirkung nur aus seinem komplexen Gesamtwerk (Dichtung: Lyrik/Prosa; Publizistik: Essay/Feuilleton) zu verstehen ist. Eine besondere Stellung nahm auch Georg Büchner ein, der in seinen politischen Ansichten den Jungdeutschen nahestand, mit seinem literarischen Werk, vor allem den Dramen (Woyzeck, Dantons Tod) aber weit über seine Zeit hinaus wirkte, bis hin zum Naturalismus (soziales Drama) und Expressionismus (Sprengung der traditionellen Formen). Büchner führte den „negativen Helden“, den Antihelden, der als sozial deklassierter Mensch zum Opfer seiner Umwelt wird, in das Drama ein (Woyzeck). Die Literatur der Jungdeutschen wurde 1835 durch einen Beschluss der deutschen Bundesversammlung verboten.

Vormärz

Die Bewegung des Vormärz wurde angestoßen durch die französische Julirevolution 1830. Einen wichtigen Schwerpunkt der z. T. radikal-demokratisch orientierten Autoren bildeten politische Schriften (politische Lyrik, politische Publizistik). Vertreter waren vor allem Ludwig Börne, Georg Herwegh, Georg Weerth und Ferdinand Freiligrath. Damit entstand erstmals eine theoretisch reflektierte Literatur, die sich scharf von den Literaturkonzepten der Goethezeit abgrenzte.

ZITAT
Reißt die Kreuze aus der Erden!
Alle sollen Schwerter werden.
Gott im Himmel wirds verzeihn.
Gen Tyrannen und Philister!
Auch das Schwert hat seine Priester,
Und wir wollen Priester sein.

(Aus: Georg Herwegh, Aufruf; 1841)

Biedermeier

Parallel zur auslaufenden Epoche der Romantik und dem Jungen Deutschland entstand die Strömung des Biedermeier. Diese literarische Richtung war nicht politisch orientiert, sondern knüpfte stattdessen an den Idealismus der Klassik und an der Romantik an. In der Dichtung drückte sich ein Lebensgefühl aus, das insbesondere durch Ehrfurcht vor dem Überlieferten, durch den Rückzug ins Private, das stille Glück in der Familie sowie durch Heimat und Idylle geprägt war. Hervorzuheben ist die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff mit ihrer Ballade Der Knabe im Moor und der Novelle Die Judenbuche.

Bevorzugte Gattungen

Junges Deutschland/Vormärz
Politische Lyrik, Reiseberichte und Briefe, die aufgrund der Zensurmaßnahmen oft fingiert waren (z. B. die Reisebilder von Heinrich Heine) und hinter denen sich meist satirisch verpackte Zeitkritik verbarg.
Biedermeier
Novelle, Kleinformen der Erzählung, Märchen, Idylle, Lyrik.

Auswahl wichtiger Autoren und Werke

Ludwig Börne (1786-1837): Briefe aus Paris; Politische Lyrik

Annette von Droste-Hülshoff: (1797-1848): Die Judenbuche; Gedichte

Heinrich Heine (1797-1856): Reisebilder; Deutschland. Ein Wintermärchen; Gedichte, z. B. Die schlesischen Weber

Heinrich Hoffmann von Fallersleben: (1798-1874): Das Lied der Deutschen

Eduard Mörike (1804-1875): Mozart auf der Reise nach Prag

Adalbert Stifter (1805-1868): Der Hochwald; Der Nachsommer

Georg Büchner (181 -1837): Der hessische Landbote; Dantons Tod; Woyzeck

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