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Wie du den Hauptteil einer Charakterisierung schreibst


Aufgabe

Lies die Kurzgeschichte „Im Spiegel“ von Margret Steenfatt und charakterisiere die Figur „Achim“. Schreibe den Hauptteil der Charakterisierung.

Text

Margret Steenfatt: Im Spiegel (1984)

„Du kannst nichts“, sagten sie, „du machst nichts“, „aus dir wird nichts.“ Nichts. Nichts. Nichts.

Was war das für ein NICHTS, von dem sie redeten und vor dem sie offensichtlich Angst hatten, fragte sich Achim, unter Decken und Kissen vergraben. Mit lautem Knall schlug die Tür hinter ihnen zu.
Achim schob sich halb aus dem Bett. Fünf nach eins. Wieder mal zu spät. Er starrte gegen die Zimmerdecke. – Weiß. Nichts. Ein unbeschriebenes Blatt Papier, eine tonlose Melodie, ein ungesagtes Wort, ungelebtes Leben.

Eine halbe Körperdrehung nach rechts, ein Fingerdruck auf den Einschaltknopf seiner Anlage. Manchmal brachte Musik ihn hoch. Er robbte zur Wand, zu dem großen Spiegel, der beim Fenster aufgestellt war, kniete sich davor und betrachtete sich: lang, knochig, graue Augen im blassen Gesicht, hellbraune Haare, glanzlos. „Dead Kennedys“ sangen: „Weil sie dich verplant haben, kannst du nichts anderes tun als aussteigen und nachdenken.“ Achim wandte sich ab, erhob sich, ging zum Fenster und schaute hinaus. Straßen, Häuser, Läden, Autos, Passanten, immer dasselbe. Zurück zum Spiegel, näher heran, so nahe, dass er glaubte, das Glas zwischen sich und seinem Spiegelbild durchdringen zu können. Er legte seine Handflächen gegen sein Gesicht im Spiegel, ließ seine Finger sanft über Wangen, Augen, Stirn und Schläfen kreisen, streichelte, fühlte nichts als Glanz und Kälte. Ihm fiel ein, dass in dem Holzkasten, wo er seinen Kram aufbewahrte, noch Schminke herumliegen musste. Er fasste unters Bett, wühlte in den Sachen im Kasten herum und zog die Papierschachtel heraus, in der sich einige zerdrückte Tuben befanden. Von der schwarzen Farbe war noch ein Rest vorhanden. Achim baute sich vor dem Spiegel auf und malte zwei dicke Striche auf das Glas, genau dahin, wo sich seine Augenbrauen im Spiegel zeigten. Weiß besaß er reichlich. Er drückte eine Tube aus, fing die weiche ölige Masse in seinen Händen auf, verteilte sie auf dem Spiegel über Kinn, Wangen und Nase und begann sie langsam und sorgfältig zu verstreichen. Dabei durfte er sich nicht bewegen, sonst verschob sich seine Malerei. Schwarz und Weiß sehen gut aus, dachte er, fehlt noch Blau. Achim grinste seinem Bild zu, holte sich das Blau aus dem Kasten und färbte noch die Spiegelstellen über Stirn und Augenlidern. Eine Weile verharrte er vor dem bunten Gesicht, dann rückte er ein Stück zur Seite und wie ein Spuk tauchte sein farbloses Gesicht im Spiegel wieder auf, daneben eine aufgemalte Spiegelmaske.

Er trat einen Schritt zurück, holte mit dem Arm weit aus und ließ seine Faust in die Spiegelscheibe krachen. Glasteile fielen herunter, Splitter verletzten ihn, seine Hand fing an zu bluten. Warm rann ihm das Blut über den Arm und tröpfelte zu Boden. Achim legte seinen Mund auf die Wunden und leckte das Blut ab. Dabei wurde sein Gesicht rot verschmiert.

Der Spiegel war kaputt. Achim suchte sein Zeug zusammen und kleidete sich an. Er wollte runtergehen und irgendwo seine Leute treffen.

Hinweise

  1. Gib Textstellen als Beleg an. (Normalerweise solltest du Zeilennummern angeben, wenn du dich auf bestimmte Textstellen beziehst. Aus technischen Gründen wird im Beispiel unten nur auf die einzelnen Absätze verwiesen.)
  2. Beim Schreiben musst du dich nicht strikt an die Reihenfolge der Kategorien halten. Meist bietet es sich an, innere Merkmale und Lebensumstände im Zusammenhang zu beschreiben. Aber auch äußere Merkmale können Hinweise auf die Lebensumstände und die inneren Merkmale geben und sollten dann auch miteinander verknüpft werden.

Schritt 1: Lies dir den Text genau durch

Lies dir den Text am besten mehrmals genau durch und markiere alle Textstellen, die die äußeren und inneren Merkmale der Figur sowie ihre Lebensumstände charakterisieren. In den Schritten zwei bis vier kannst du diese Informationen dann in die entsprechenden Kategorien einsortieren (äußere und innere Merkmale, Lebensumstände).

Schritt 2: Beschreibe die äußeren Merkmale der Figur

Zunächst beschreibst du die äußeren Merkmale der Figur: Kleidung, Körperhaltung und Aussehen.

Äußere Merkmale von Achim:

  • lang
  • knochig
  • graue Augen
  • blasses, farbloses Gesicht
  • hellbraune, glanzlose Haare

Schritt 3: Beschreibe die Lebensumstände der Figur

Dann beschreibst du die Lebensumstände der Figur, also z. B. Herkunft, Beruf, Familienverhältnisse, soziale Stellung, Sprechweise und Haltung. Hier kannst du auch eine Deutung der vorgefundenen Informationen wagen.

Achims Lebensumstände:

  • Er ist gelangweilt, Leben ist eintönig („Straßen, Häuser, Läden, Autos, Passanten, immer dasselbe.“).
  • Musik baut ihn manchmal auf („Manchmal brachte Musik ihn hoch.“).
  • Schüler? Arbeitslos?
  • Ärger mit den Eltern?
  • Freunde sind wichtig für ihn („Er wollte runtergehen und irgendwo seine Leute treffen.“).

Schritt 4: Beschreibe die inneren Merkmale der Figur

Abschließend beschreibst du die Wesensmerkmale, Ideale, Ziele, Gefühle, Gedanken, Einstellungen, Vorlieben, das Verhalten und die Beziehung zu anderen Figuren sowie das Verhalten in besonderen Situationen.

Innere Merkmale von Achim:

  • Selbstzweifel („Was war das für ein NICHTS [...]“)
  • Zweifel am eigenen Leben („Ein unbeschriebenes Blatt Papier [...]“)
  • findet sich im Songtext wieder („Weil sie dich verplant haben, [...]“)
  • sucht, kreiiert ein anderes Ich (Bemalen des Spiegelbildes)
  • unzufrieden mit sich selbst, erträgt sich selbst nicht (schlägt in den Spiegel)
  • andere (wahrscheinlich seine Eltern) über ihn: „Du kannst nichts“, „du machst nichts“, „aus dir wird nichts“

Schritt 5: Schreibe den Hauptteil deiner Charakterisierung

Im letzten Schritt schreibst du mithilfe der Informationen, die du zuvor gesammelt hast, den Hauptteil deiner Charakterisierung.

Der Leser erfährt nicht viel über Achims Aussehen. Lediglich in einer Passage, in der er sich selbst beschreibt, finden sich einige Informationen: Achim ist ein langer, knochiger Junge mit blassem, farblosem Gesicht und grauen Augen. Seine Haare sind hellbraun und glanzlos (3. Absatz, Anfang).

Auch die Lebensumstände von Achim werden nur angedeutet: Er ist gelangweilt von seinem eintönigen Leben (3. Absatz). Ob Achim Schüler oder arbeitslos ist, wird nicht beschrieben. Musik scheint ein wichtiger Bestandteil in Achims Leben zu sein. Sie baut ihn von Zeit zu Zeit wieder auf (3. Absatz, Anfang) und der erwähnte Song der „Dead Kennedys“ drückt sein derzeitiges Lebensmotto aus: „Weil sie dich verplant haben, kannst du nichts anderes tun als aussteigen und nachdenken.“ Allgemein scheint die Beziehung zwischen ihm und seinen Eltern (Personen zu Beginn der Geschichte) mehr als problematisch zu sein. Sie werfen ihm vor, nichts zu können, nichts zu machen und dementsprechend auch nichts zu werden (1. Absatz). Diese Aussagen bewegen Achim sehr stark. Das wird deutlich, als er dieses „Nichts“ dreimal in Gedanken wiederholt und überlegt, was es zu bedeuten hat (2. Absatz). Es wird deutlich, dass er nicht nur Zweifel an sich selbst, sondern auch Zweifel an seinem ganzen Leben hat: Er beschreibt sich selbst als ein „unbeschriebenes Blatt Papier, eine tonlose Melodie, ein ungesagtes Wort“ (2. Absatz). Sein Leben sei ein „ungelebtes Leben“, so Achim weiter. Um diesen Zweifeln zu begegnen, sucht Achim nach einem neuen Ich: Er bemalt sein Spiegelbild mit bunter Schminke (3. Absatz, Mitte). Für einen kurzen Moment scheint er zufrieden mit sich zu sein. Jedoch erblickt er dann sein eigenes blasses Gesicht wieder im Spiegel und wird so wütend, dass er mit seiner Faust in den Spiegel schlägt (3. Absatz Ende/4. Absatz, Anfang). Obwohl seine Hand blutet, leckt er die Wunden nur ab und bemerkt anscheinend gar nicht, dass er dadurch sein Gesicht mit Blut verschmiert (4. Absatz). Achim wendet sich am Ende der Kurzgeschichte wieder seinem Leben zu und will sich mit Freunden treffen, die vermutlich ein wichtiger Teil seines Lebens sind.

Wenn du mit dem Hauptteil fertig bist, mach mit dem Schluss weiter.

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