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Lexikon

Globalisierung

1. Lernjahr ‐ Abitur

Globalisierung, die weltweit zunehmende Verflechtung aller Bereiche des menschlichen Zusammenlebens wie Wirtschaft, Energieversorgung, Politik, Kultur, Umwelt und Kommunikation. Global bedeutet auf die ganze Welt bezogen. Globalisierung ist nicht nur eine Frage der Weltwirtschaft.

Entwicklung und Kennzeichen

Seit wann das Phänomen „Globalisierung“ existiert, ist umstritten. Unterschiedliche Ansätze beschreiben Globalisierung einmal als Phänomen der jüngeren Zeitgeschichte, das nach dem Zweiten Weltkrieg entstand und sich in den letzten Jahren rasant entwickelte.

Globalisierung als zeitgeschichtliches Phänomen bedeutet, dass das Leben des einzelnen Menschen durch weltweite Bedingungen und Prozesse geprägt wird: Informationstechnologie (Internet) und zunehmende Digitalisierung wirtschaftlicher Prozesse, weltumfassende Arbeitsteilung (Migration von Menschen mit dem Flugzeug, Warenhandel per Flugzeug und Containerschiff), Umweltverschmutzung und Klimawandel bzw. Umwelt- und Klimaschutz, Bedrohungen durch internationalen Terrorismus und Kriege in vielen Weltregionen, Überforderung und eingeschränkte Handlungsfähigkeit der „Weltgemeinschaft“ etwa in den Vereinten Nationen.

Zum andern wird Globalisierung als Phänomen des Beginns der Neuzeit um 1500 nach der Entdeckung Amerikas und der Entwicklung des Dreieckhandels zwischen Europa, Afrika und Amerika betrachtet. Kennzeichen sind Besiedelung Amerikas mit Europäern und afrikanischen Sklaven, interkontinentaler Warenaustausch, kulturelle Verflechtungen infolge starker Migration.

Für eine dritte Gruppe ist Globalisierung ein Phänomen der Menschheit seit ihrem Bestehen, das spätestens im Handel der griechisch­-römischen Antike im Mittelmeerraum einen ersten Höhepunkt fand. Kennzeichen sind Wanderbewegungen von Afrika über Europa nach Asien und Amerika, Handel im Mittelmeerraum, Verbreitung der lateinischen Sprache.

Pro und Contra

Befürworter sehen im Voranschreiten des Globalisierungsprozesses die Möglichkeit, die Armut in Entwicklungsländern und Schwellenländern (relativ fortgeschrittene Entwicklungsländer), die wenigstens geringfügig oder in größerem Umfang von der Teilhabe am Welthandel profitieren (z. B. in Asien), zu verringern, die Durchsetzung von Menschenrechten zu verstärken, weil durch Öffnung Missstände weltweit bekannt werden und Handel an bestimmte Bedingungen geknüpft werden kann (z. B. Volksrepublik China), bereits bestehende Umweltprobleme global zu lösen, weil dies national nicht möglich ist sowie zu einer kulturellen Bereicherung durch weltweite Kommunikation beizutragen.

Kritiker sehen im Voranschreiten des Globalisierungsprozesses die Gefahr, dass die ökonomische Abhängigkeit der Entwicklungsländer von den Industrieländern weiter wächst, weil die Industrieländer wegen ihrer ökonomischen Überlegenheit die Weltmarktpreise diktieren können, die Kluft zwischen Arm und Reich noch größer wird und hierdurch der internationale Terrorismus gefördert wird, die Umweltbelastung durch Transport von Waren und Menschen immer weiter zunimmt; die Kulturen der Industrieländer die der Entwicklungsländer auslöschen („Amerikanisierung“).