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Lexikon

Afghanistankriege

1. Lernjahr ‐ Abitur

Afghanistankriege, zwei Kriege gegen bzw. in Afghanistan, die die weltpolitische Entwicklung zwischen einem Stellvertreterkrieg im Ost-West-Konflikt zum von den USA ausgerufenen Krieg gegen den internationalen Terrorismus widerspiegeln.

Die Sowjetunion und Afghanistan

Der 1. Afghanistankrieg dauerte von 1979 bis 1989 und begann Ende 1979 mit dem sowjetischen Einmarsch zum Schutz des bedrängten kommunistischen Regimes. Er rief weltweiten Protest hervor und verschärfte den Ost-West-Konflikt. Der afghanische Widerstand bestand aus mehreren islamischen, miteinander konkurrierenden Gruppierungen (Mudjahedin), die vor allem von den USA mit Waffen beliefert wurden. Der Krieg forderte rund 1,5 Millionen Tote; rund 5 Millionen Menschen wurden vertrieben (auch in die Nachbarstaaten).

1988 schlossen Afghanistan und Pakistan sowie die Sowjetunion und die USA als Garantiemächte ein Abkommen, in dem auch der Abzug der sowjetischen Truppen bis zum 15.2.1989 vereinbart wurde.

Bis 1992 brachten die Mudjahedin das Land unter ihre Kontrolle. Allerdings führten Kämpfe zwischen den Gruppen zu einem Bürgerkrieg, in den sich ab 1994 die von Pakistan unterstützte radikalislamische Taliban einmischte. Die Taliban eroberten bis 1998 fast ganz Afghanistan und errichteten eine extreme Religionsdiktatur.

Die USA und Afghanistan

Der 2. Afghanistankrieg ab 2001 war Teil des Kriegs gegen den internationalen Terrorismus unter Führung der USA unter Präsident George W. Bush (*1946, 43. Präsident der USA von 2001 bis 2009). Der Krieg wurde vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen als Akt der Selbstverteidigung gegen die Terroranschläge vom 11.9. 2001 in den USA (Elfter September) gebilligt und richtete sich gegen den Kopf des Terrornetzwerks al-Qaida, Osama bin Laden (*1957/1958, †2011), als Hauptverantwortlichen für die Anschläge in New York und Washington, und gegen das al Qaida unterstützende radikalislamische Regime der Taliban.

Vom 7.10.2001 bis Ende 2001 wurden Taliban und al-Qaida vertrieben, ohne dass deren Führungsspitze gefasst werden konnte. Der Widerstand islamistischer Kräfte konzentrierte sich im Süden und an der Grenze zu Pakistan. Dort wurden die Militäroperationen des Westens fortgesetzt.

2002 übernahm die internationale Schutztruppe ISAF (Abkürzung für International Security Assistance Force) die Aufgabe, die politische und militärische Ordnung in und um die Hauptstadt Kabul zu sichern und die neue Übergangsregierung zu schützen. Die Führung der ISAF ging 2003 an die NATO über; gleichzeitig dehnte der UN-Sicherheitsrat die Zuständigkeit der ISAF auf ganz Afghanistan aus.

Bushs Nachfolger Barack Obama (*1961, 44. Präsident der USA von 2009 bis 2017) versuchte, den Kampf gegen den internationalen Terrorismus zu einem Ende zu bringen. So wurde Bin Laden 2011 bei einem amerikanischen Kommandoeinsatz in Pakistan getötet.

Mitte 2013 gab die ISAF die Sicherheitsverantwortung an die afghanische Regierung zurück. Ende 2014 endete offiziell die Kampfmission. ISAF-Truppen, darunter Soldaten der US-Armee und der Bundeswehr, zogen sich zurück. Es verblieben Soldaten für die Ausbildung und Beratung afghanischer Sicherheitskräfte.

Die internationalen Friedensbemühungen konnten bis heute keine durchgreifenden Erfolge im Sine einer Beendigung des wieder aufgeflammten Bürgerkriegs mit den Taliban erzielen.