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Lexikon

Balkankonflikt

1. Lernjahr ‐ Abitur

Balkankonflikt, die jahrzehntelangen Nationalitätenkonflikte im Vielvölkerstaat Jugoslawien, die nach dem Tod Josip Titos (*1892, †1980, jugoslawischer Marschall seit 1943, Staatspräsident seit 1953) 1980 offen zutage traten.

Die Konflikte weiteten sich 1991 zu einem Krieg aus, nachdem sich am 25.7.1991 die Teilrepubliken Slowenien sowie Kroatien für unabhängig erklärten. Die serbische Bevölkerung im ehemaligen Jugoslawien, die in allen Teilrepubliken mit einer Minderheit vertreten war, aber während des Kommunismus eine politisch dominierende Rolle im Land innehatte, fürchtete Machteinbußen. Die serbisch dominierte Bundesarmee ging gewaltsam gegen die früheren jugoslawischen Teilrepubliken vor.

Bosnien-Herzegowina erklärte am 15.10.1991 seine Unabhängigkeit durch Beschluss des Parlaments in Sarajewo mit seiner Mehrheit aus Muslimen und Kroaten. Am 19.11.1991 folgte Mazedonien, wird aber zunächst nur von der Türkei und Bulgarien diplomatisch anerkannt. Griechenland blockierte bis zum April 1993 aus Sorge vor Gebietsansprüchen auf die griechische Provinz Makedonien die völkerrechtliche Anerkennung durch die EU. Die Anerkennung der anderen EU-Staaten erfolgte bis Mitte 1992. Am 27.4.1992 wurde die Bundesrepublik Jugoslawien bestehend aus Serbien und Montenegro gegründet (2006 erklärte sich Montenegro für unabhängig).

Die serbisch dominierte jugoslawische Armee marschierte daraufhin in Kroatien und Bosnien-Herzegowina ein. Der Krieg in Bosnien-Herzegowina (1992 bis 1995) wurde auch mit dem Ziel „ethnischer Säuberungen“ geführt. 250.000 Menschen starben bei den vier Jahre dauernden Kämpfen oder wurden vermisst. Noch immer werden in Bosnien Massengräber entdeckt.

Im Mai 1993 wird das Internationalen Kriegsverbrechertribunal in Den Haag zur Ahndung von Kriegsverbrechen auf dem Territorium des ehemaligen Jugoslawien errichtet.

Am 14.12.1995 schlossen Bosnien-Herzegowina, Kroatien und Serbien in Dayton (USA) ein Friedensabkommen. Dieses sah die staatliche Einheit Bosnien-Herzegowinas als Föderation mit einem kroatisch-muslimischen und einem serbischen Teil sowie der Hauptstadt Sarajewo vor.

Der Konflikt in der jugoslawischen Provinz Kosovo, in der der albanische Bevölkerungsteil (rund 90 Prozent) für seine Autonomie bzw. Unabhängigkeit von Jugoslawien kämpfte, verschärfte sich Anfang 1998. Ohne Mandat der Vereinten Nationen starteten im März 1999 Luftangriffe der NATO gegen Serbien. Die Luftoffensive dauert 79 Tage. Die Republik Kosovo löste sich 2008 von Serbien und erhielt ihre staatliche Unabhängigkeit.

Inzwischen haben sich viele ehemalige Teilrepubliken den Transformationsprozess in Staaten mit Marktwirtschaft und Demokratie vollzogen und der EU angenähert. Im Rahmen der Osterweiterung wurden Slowenien (2004) und Kroatien (2013) Mitglied der EU, Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Makedonien, Serbien und Kosovo wurden Beitrittskandidaten.