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Landkarten untersuchen

5. ‐ 10. Klasse Dauer: 45 Minuten

Wie du eine Geschichtskarte liest

Bewertung

Schritt-für-Schritt-Anleitung

Aufgabe

Werte die abgebildete Geschichtskarte aus und ordne sie in den geschichtlichen Zusammenhang ein. 

Das musst du wissen

Geschichtskarten geben Auskunft darüber, welche historischen Entwicklungen und Ereignisse in bestimmten Gebieten stattfanden. Sie zeigen z. B. die Verbreitung von Religionen oder Sprachen und informieren darüber, wie sich Lebensräume von Völkern bzw. Länder und ihre Grenzen in einem bestimmten Zeitraum verändert haben. Sie sind oft stark vereinfacht und können dir somit das Verständnis von geschichtlichen Zusammenhängen erleichtern.

Schritt 1: Bestimme das Thema der Karte

Zunächst solltest du feststellen, zu welchem Thema die Karte ist. Hierbei hilft dir die Überschrift. Oftmals findest du in der Überschrift auch noch Informationen zum dargestellten Zeitraum. Folgende Formulierungen kannst du für den Einstieg in die Auswertung einer Geschichtskarte gut verwenden: Die Karte

  • gibt Auskunft über ...
  • zeigt ...
  • veranschaulicht ...
  • stellt ... dar 

In unserem Beispiel kann das dann so klingen: Die Karte zeigt die Ausdehnung und Entwicklung des Weltreichs Alexanders des Großen.

Schritt 2: Verstehe die Kartenlegende und ggf. ihren Maßstab

Sieh dir nun die Kartenlegende genau an. Hier werden alle Farben, Schattierungen, Pfeile oder Zeichen, die für das Lesen und Verstehen der Karte von Bedeutung sind, erklärt.  Um eine genauere Vorstellung von Entfernungen zu bekommen, gibt es auf Karten häufig auch eine Maßstabsleiste. Oft werden Entfernungen hier in Kilometern angegeben. Mit diesem Kartenelement kannst du z. B. ermitteln, wie groß die Distanz zwischen zwei Orten ist. 

Beispiel:

In verschiedenen Rottönen werden die Gebiete Makedoniens

  • vor der Herrschaft Philipps II. und
  • während seiner Herrschaft (359–336 v. Chr.) sowie
  • die dann folgenden Eroberungen Alexanders des Großen (336–323 v. Chr.) und
  • die von dessen Herrschaft abhängigen Staaten gezeigt.

Die rote Linie ist mit Pfeilen versehen und kennzeichnet die Feldzüge Alexanders des Großen. Entsprechende Jahreszahlen sind direkt in die Karte eingetragen. Die roten Punkte kennzeichnen Städte, die unter Alexander dem Großen gegründet wurden. Die graue Linie zeigt den Verlauf der Persischen Königsstraße.

Schritt 3: Fasse die Aussagen der Karte zusammen und gib eine Schlussfolgerung an

Nun beschreibst du die Zeichen und Farbgebung der Karte genauer, um eine bessere Vorstellung von den Entwicklungen im dargestellten Gebiet zu bekommen. Versuche außerdem, die Aussagen der Karte mit bereits vorhandenen Kenntnissen zum Thema zu verknüpfen, und überlege, welche neuen Fragen sich aus der Darstellung für dich ergeben.

Folgende Formulierungen sind hierfür hilfreich:

  • Aus der Karte geht hervor, dass ...
  • Es fällt auf, dass ...
  • Überraschend ist, dass ...

Beispiel:

Aus der Karte geht hervor, dass Makedonien vor der Herrschaft Philipps II. ein vergleichsweise kleines, geteiltes Gebiet am Schwarzen Meer (Haimos) und am Mittelmeer (Epeiros) gewesen ist. Im Zeitraum von 359 bis 336 v. Chr. eroberte Philipp II. dann zwei Gebiete (Makedonien, Thrakien) südlich seines Reichs. Die größte Ausdehnung erreichte Alexander der Große jedoch zwischen 336 und 323 v. Chr. Er eroberte gemeinsam mit seinen Feldherren nicht nur Teile Ägyptens, sondern vergrößerte sein Reich auch weit in Richtung Osten über Mesopotamien und Persien bis nach Indien. Anhand der roten Linie lassen sich seine Feldzüge gut nachvollziehen. Es ist außerdem zu erkennen, dass Alexander auf seinem Weg zahlreiche Städte gegründet hat, welche oftmals seinen Namen trugen (Alexandropolis, Alexandreia). Vergleicht man die angegebenen Jahreszahlen, stellt man fest, dass Alexander sein Reich in nur 13 Jahren enorm vergrößerte, wohingegen Philipp II. in 23 Jahren „nur“ Thrakien und Makedonien erobert hat. Nach dem Auswerten dieser Karte versteht man nun unter anderem, warum Alexander den Beinamen „der Große“ erhalten hat.

Wie du Geschichtskarten vergleichst

Bewertung

Schritt-für-Schritt-Anleitung

Aufgabe

Vergleiche die beiden Geschichtskarten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die „deutsche Frage“ in der Revolution von 1848/49: Welche Grenzen soll ein deutscher Nationalstaat haben?

Das musst du wissen

Karten kennst du bestimmt schon aus dem Geografieunterricht und wahrscheinlich benutzt du im Alltag oft eine Karten- oder Navigations-App, um dich zu orientieren. Auch im Geschichtsunterricht spielen Karten eine wichtige Rolle. Hier dienen Karten als grafische Hilfskonstruktionen, die historische Sachverhalte und Entwicklungen anschaulich machen.

Man unterscheidet zwischen Geschichtskarten und historischen Karten. Historische Karten sind zum Beispiel alte Stadtpläne oder Weltkarten aus dem Mittelalter. Sie wurden in vergangenen Zeiten hergestellt, spiegeln das Weltbild ihrer Entstehungszeit wider und erfüllen nicht unbedingt unseren Anspruch an Wissenschaftlichkeit.

Geschichtskarten zeigen auf der Grundlage des heutigen Forschungsstandes, wie sich Räume und Grenzen im Laufe der Zeit verändert haben. Es gibt statische und dynamische Geschichtskarten. Statische Karten veranschaulichen einen politischen oder wirtschaftlichen Zustand zu einer bestimmten Zeit, z. B. die Grenzen des Deutschen Bundes zwischen 1815 und 1866. Dynamische Karten bilden eine Entwicklung ab. Eine Entwicklung kann man auch darstellen, indem man zwei statische Geschichtskarten miteinander vergleicht.

Bei der Arbeit mit Karten musst du beachten, dass die Darstellung oft stark abstrahiert ist. Karten zeigen immer nur einen Ausschnitt und bieten bestimmte ausgewählte Informationen.

 

Schritt 1: Beschreibe die formalen Merkmale der Karten

Dazu gehören Titel und Thema der Karte, der geografische Raum und die Zeit, auf die sich die Darstellung bezieht. Nenne möglichst auch den Ort und die Zeit der Veröffentlichung. Denn wenn die Karten schon älter sind und unklar ist, wer sie erstellt hat, entsprechen sie vielleicht nicht dem aktuellen Forschungsstand.

Folgende Fragen können dir helfen:

  • Welches Thema behandeln die Karten?
  • Über welche Zeit informieren die Karten?
  • Welches geografische Gebiet zeigen die Karten?
  • Haben sie den gleichen Maßstab?
  • Wo und wann wurden die Karten veröffentlicht (z. B. Schulbuch, Atlas, Website)?

Beispiel:

Karte 1 zeigt, die großdeutsche Lösung, Karte 2 die kleindeutsche Lösung für die sogenannte deutsche Frage. Das Thema der beiden Karten ist also die Frage, welche Grenzen ein deutscher Nationalstaat haben sollte. Die Karten  beziehen sich auf die Zeit der Revolution in Deutschland 1848/49, bei der diese Frage diskutiert wurde. Beide Karten zeigen stark vereinfacht den gleichen Ausschnitt Mitteleuropas. Ein Maßstab ist nicht angegeben.

Schritt 2: Ordne die Karten in den historischen Kontext ein

Bei stark vereinfachten Karten ist es hilfreich, wenn du sie zunächst in den historischen Kontext einordnest. Beziehe hier dein Vorwissen ein und erläutere kurz, welche historischen Ereignisse, Entwicklungen oder Zusammenhänge dargestellt sind.

Wenn du eine sehr detaillierte Karte mit vielen Einzelinformationen untersuchen sollst, spricht die Karte oft für sich. Dann kannst du gleich mit der Analyse beginnen (Schritt 3). Ergänze dann im Schlussteil (Schritt 4) deine Zusatzkenntnisse über den historischen Zusammenhang und verknüpfe sie mit deinem Analyseergebnis.

Beispiel:

Im 19. Jahrhundert gab es noch keinen deutschen Nationalstaat, sondern nur einen Staatenbund: 1815 hatten sich 39 Fürstentümer und freie Städte unter Führung Österreichs zum Deutschen Bund zusammengeschlossen. Es gab keine gemeinsame Regierung und keine Verfassung. Viele Deutsche wünschten sich im 19. Jahrhundert aber einen deutschen Nationalstaat mit einer Verfassung, die Freiheitsrechte und demokratische Mitbestimmung garantierte. Dafür kämpften sie in der Revolution von 1848/49. Nun schien ihr Wunsch Wirklichkeit zu werden. Das neu gewählte Parlament erarbeitete eine Verfassung für einen deutschen Nationalstaat. Über dessen Grenzen waren sich die Abgeordneten allerdings nicht einig: Die Befürworter einer großdeutschen Lösung wollten einen deutschen Nationalstaat mit dem westlichen Teil Österreichs. Dieses Gebiet war Teil des Deutschen Bundes. Andere Abgeordnete waren für eine kleindeutsche Lösung ohne Österreich. Die Mehrheit der Abgeordneten entschied sich nach langen Debatten für die kleindeutsche Lösung. Die blieb allerdings bis 1871 Theorie, da die Revolution scheiterte und 1848/49 weder ein deutscher Nationalstaat gegründet noch eine Verfassung verabschiedet wurde.

 

Schritt 3: Analysiere und interpretiere den Inhalt der Karten

Nun sollst du den Karten möglichst viele Einzelinformationen entnehmen und sie interpretieren. Achte dabei vor allem auf Zeichen, Symbole und Farben. Die Legende erklärt dir ihre Bedeutung. Bei einem Kartenvergleich soll immer die Veränderung eines Zustands oder eine Entwicklung veranschaulicht werden. Daher ist es wichtig, dass du beide Karten für sich betrachtest und analysierst. Verknüpfe am Ende die Aussagen beider Karten und formuliere eine Gesamtaussage.

Tipp: Wenn sich die beiden Karten nur in wenigen, aber entscheidenden Details unterscheiden, kannst du auch mit den Gemeinsamkeiten beginnen und dann die Unterschiede erklären.

Beispiel:

Die Farbgestaltung der beiden Karten 1 und 2 ist gleich: Das Gebiet des österreichischen Kaisertums ist orange, Preußen hellbeige, die übrigen Staaten des Deutschen Bundes sind in dunklerem Beige eingefärbt. Die Flächenfarbe der anderen europäischen Staaten, die auf dem Kartenausschnitt zu sehen sind, ist grau. Nur wenige Städte sind eingezeichnet: Wien, Berlin und Hamburg waren um 1850 die größten deutschen Städte. Berlin war die Hauptstadt Preußens, in der Frankfurter Paulskirche tagte 1848/49 das erste deutsche Parlament. Wien war die Hauptstadt des österreichischen Kaiserreichs, Budapest die Hauptstadt Ungarns. Der österreichische Kaiser aus der Dynastie der Habsburger herrschte nicht nur über Österreich. Die Habsburgermonarchie war ein Vielvölkerstaat, zu dem Gebiete der heutigen Staaten Österreich, Ungarn, Italien, Tschechien, Polen, Slowenien, Kroatien, Rumänien, Serbien und der Ukraine gehörten.

Karte 1 zeigt die kleindeutsche Lösung. Die blaue Linie markiert die Grenze, die alle Gebiete des Deutschen Bundes außer Österreich umfasst. Zu Preußen gehörten im 19. Jahrhundert auch Gebiete im Westen Deutschlands. Der kleine hellbeige Fleck im Südwesten kennzeichnet das Fürstentum Hohenzollern. Die Burg Hohenzollern war der Stammsitz der preußischen Könige aus der Herrscherfamilie (Dynastie) der Hohenzollern. Das Gebiet Preußens war größer als das Gebiet der anderen Mitgliedsstaaten im Deutschen Bund zusammen. Preußen hätte in einem deutschen Nationalstaat ohne Österreich geografisch und daher auch machtpolitisch ein deutliches Übergewicht gehabt.

Karte 2 zeigt die großdeutsche Lösung. Deren Anhänger wollten einen deutschen Nationalstaat in den Grenzen des Deutschen Bundes (rote Linie). Diese Grenze verlief aber mitten durch das Kaisertum Österreich. Eine großdeutsche Lösung hätte bedeutet, dass die österreichische Monarchie auseinandergebrochen wäre. Ein weiteres Problem einer großdeutschen Lösung: die Konkurrenz (der Dualismus) zwischen Preußen und Österreich. Beide Großmächte beanspruchten im Deutschen Bund die Führung und hätten wahrscheinlich auch in einem deutschen Nationalstaat um die Vorherrschaft konkurriert. 

Schritt 4: Beurteile die Geschichtskarten

Fasse zum Schluss die Ergebnisse deiner Analyse zusammen und leite aus den Darstellungen der Karten eine Gesamtaussage ab. Stimmt diese mit deinem historischen Hintergrundwissen überein?

Erläutere, welche Fragen die Karten offenlassen und ergänze wichtige Zusatzinformationen zum Thema der Karten.

Zum Schluss kannst du die Darstellung kritisch bewerten: Sind die Karten übersichtlich? Sind alle Zeichen und Symbole in der Legende erklärt?

Beispiel:

Die Karten wurden für eine Online-Nachhilfeplattform erstellt und sollen die wesentlichen Informationen zum Thema visualisieren. Man erkennt sehr gut, vor welchem Problem die Abgeordneten der Nationalversammlung 1849/49 standen, als sie die Grenzen eines deutschen Nationalstaats festlegen mussten: Sollten die deutschen Gebiete Österreichs dazugehören oder nicht?

Die Karten informieren nicht über die Vor- und Nachteile der beiden Konzepte. Aus den Karten selbst lässt sich auch nicht ablesen, ob sich die großdeutsche oder die kleindeutsche Lösung durchsetzte und ob es 1848/49 zur Gründung eines Nationalstaats kam. Diese Zusatzinformationen gibt die Bildunterschrift, auf die man auch angewiesen ist, um die Karten zeitlich einzuordnen.

Die Abgeordneten der Paulskirche hatten sich für eine kleindeutsche Lösung entschieden. Der neue deutsche Nationalstaat sollte eine konstitutionelle Monarchie sein – ohne Österreich. Die Nationalversammlung bot die Kaiserkrone dem preußischen König an, doch der lehnte sie ab. Er wollte seine Macht nicht durch ein Parlament beschränken lassen. Zwar gab es 1849 noch revolutionäre Bewegungen in Deutschland, die die Verfassung der Paulskirche und damit die Gründung eines deutschen Nationalstaats durchsetzen wollten, doch die Aufstände wurden gewaltsam niedergeschlagen. 

Ein deutscher Nationalstaat in den Grenzen der kleindeutschen Lösung wurde erst 1871 gegründet.