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Lexikon Deutsch

Epische Figuren und Figurenrede

Analysiert man eine Figur in einem erzählenden Text, wird man vor allem danach fragen müssen, welche Merkmale bzw. Eigenschaften sie aufweist (Charakterisierung) und in welcher Beziehung sie zu anderen Figuren steht (Konstellation). Zu überlegen ist auch, in welcher Weise der Autor die Figur entworfen hat (Konzeption).

 

Figurencharakterisierung

Man unterscheidet zwischen der direkten und der indirekten Charakterisierung einer Figur.

Die direkte Charakterisierung einer Figur erfolgt durch

  • den Erzähler, der sie vorstellt, bewertet usw.,
  • andere Figuren, die über sie sprechen,
  • die Figur selbst, die über sich spricht oder nachdenkt.
 

Die indirekte Charakterisierung einer Figur erfolgt durch

  • die Schilderung ihres Verhaltens,
  • die Beschreibung ihres Äußeren,
  • die Darstellung ihrer Beziehungen usw.

Figuren werden in direkter und indirekter Form durch ein Bündel von Merkmalen charakterisiert. Finden sich in (umfangreichen) Texten sehr viele Merkmale, kann man diese nach den folgenden Kategorien ordnen:

  • äußere Merkmale: Alter, Körperbau, Aussehen, Kleidung usw.
  • soziale Merkmale: Beruf, Bildung, gesellschaftliche Stellung, Beziehungen usw.
  • Verhalten: Gewohnheiten, Verhaltensmuster, Sprechweise usw.
  • Denken und Fühlen: Einstellungen, Interessen, Denkweise, Wünsche, Ängste usw.

 

Figurenkonstellation

Um die Figurenkonstellation in einem Text zu erfassen, ist es hilfreich, die folgenden Fragen zu stellen.

  • Welche Figuren sind partnerschaftlich verbunden? Aufgrund welcher Gemeinsamkeit?

  • Lassen sich die Figuren innerhalb einer Gruppe hierarchisch ordnen?
  • Welche Figuren oder Figurengruppen stehen sich als Gegner gegenüber? Aufgrund welcher Interessen?
  • Ist die Konstellation stabil?
  • Ändern sich die Partnerschaften, Gegnerschaften und Machtverhältnisse?

 

Figurenkonzeption

Die Figur wird von einem Autor nach einem bestimmten Konzept angelegt. Diese Figurenkonzeption bewegt sich zwischen Gegensätzen, die sich folgendermaßen erfassen lassen:

  • Statisch oder dynamisch

Handelt es sich um eine Figur, die gleich bleibt oder um eine Figur, die sich im Verlauf der Handlung deutlich verändert?

  • Typisiert oder komplex

Handelt es sich um eine Figur mit wenigen Merkmalen oder um eine Figur mit vielen individuellen Eigenschaften?

  • Geschlossen oder offen

Handelt es sich um eine Figur mit klar verständlichen Wesenszügen oder um eine für den Leser mehrdeutige Figur mit unerklärlichem Verhalten?

 

Möglichkeiten der Figurenrede

Der Erzähler spricht nicht nur selbst, sondern er gibt auch das Wort an die Figuren ab. Die gesprochenen oder gedachten Äußerungen und Empfindungen der Handlungsfiguren sind meist in die Erzählerrede integriert und bilden oft einen wichtigen Bestandteil von szenischen Darstellungen. Sie tragen dazu bei, dass Textpassagen anschaulich werden.

Direkte Rede

Die Äußerung der Figur wird wörtlich wiedergegeben; häufige Kennzeichen sind Redeankündigung, Doppelpunkt und Anführungszeichen. Der Erzähler hält sich zurück, und der Leser erfährt so unmittelbar, was gesagt wird.

Indirekte Rede

Die Äußerung der Figur wird vom Erzähler wiedergegeben; Merkmale sind daher Nebensätze mit „dass“ oder der Gebrauch des Konjunktivs. Raffungen sind dabei möglich. Da dem Leser das Gesagte vom Erzähler vermittelt wird, hat er mehr Distanz zu den Äußerungen.

Rede- oder Gedankenbericht

Die Äußerungen der Figur werden vom Erzähler knapp zusammengefasst. Diese Erzählweise kann man sowohl als Figurenrede wie auch als Erzählerrede verstehen.

Erlebte Rede

Die Gedanken der Figur werden nicht unmittelbar von dieser selbst, sondern vom Erzähler geschildert. Deshalb finden sich hier wie in der Erzählerrede das Präteritum und die 3. Person. Die Perspektive der Figur wird dabei beibehalten, sodass wie in der direkten Rede der Indikativ und die Hauptsatzwortstellung verwendet werden.

Innerer Monolog

Wie die erlebte Rede versucht der innere Monolog, den Bewusstseinszustand einer Figur unmittelbar vorzuführen. Dies geschieht in einem stummen Selbstgespräch der Figur unter Verwendung von Ich-Form und Präsens bzw. Präsensformen.

Bewusstseinsstrom

Die Bewusstseinsvorgänge der Figur werden möglichst unverändert wiedergegeben. Der Erzähler zitiert die Gedanken sozusagen wörtlich, ohne sie an grammatische Regeln anzupassen. Der Satzbau ist daher oftmals unstrukturiert, assoziativ und ungrammatisch. Der Bewusstseinsstrom bedient sich der Form des Präteritums und des Plusquamperfekts.

Stil in der Figurenrede

Der Stil in der Figurenrede dient dazu, die sprechende oder denkende Figur hinsichtlich ihres Bildungsstandes, ihres Sozialverhaltens, ihrer psychischen Verfassung usw. zu charakterisieren.

Man unterscheidet in der Figurenrede

  • die mittlere, normale Stilebene (z. B. Gesicht, stehlen),
  • die gehoben Stilebene (dichterisch oder amtssprachlich, z. B. Antlitz, entwenden) und
  • die niedrige Stilebene (umgangssprachlich, jargonhaft oder vulgär, z. B. Fresse, klauen).

 

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