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Alliierte Besatzungspolitik bis 1948 (1)


Aufgabe 1

„Die Ziele der Besetzung Deutschlands, durch welche der Kontrollrat sich leiten lassen soll, sind:
(I) Völlige Abrüstung und Entmilitarisierung Deutschlands und die Ausschaltung der gesamten deutschen Industrie, welche für eine Kriegsproduktion benutzt werden kann oder deren Überwachung. Zu diesem Zweck:
a) werden alle Land-, See- und Luftstreitkräfte Deutschlands, SS, SA, SD und Gestapo mit allen ihren Organisationen, Stäben und Ämtern, einschließlich des Generalstabes, des Offizierkorps, der Reservisten, der Kriegsschulen, der Kriegervereine und aller anderen militärischen und halbmilitärischen Organisationen zusammen mit ihren Vereinen und Unterorganisationen, die den Interessen der Erhaltung der militärischen Tradition dienen, völlig und endgültig aufgelöst, um damit für immer der Wiedergeburt oder Wiederaufrichtung des deutschen Militarismus und Nazismus vorzubeugen;
b) müssen sich alle Waffen, Munition und Kriegsgerät und alle Spezialmittel zu deren Herstellung in der Gewalt der Alliierten befinden oder vernichtet werden. Der Unterhaltung und Herstellung aller Flugzeuge und aller Waffen, Ausrüstung und Kriegsgeräte wird vorgebeugt werden.
(II) Das deutsche Volk muß überzeugt werden, daß es eine totale militärische Niederlage erlitten hat und daß es sich nicht der Verantwortung entziehen kann für das, was es selbst dadurch auf sich geladen hat, daß seine eigene mitleidlose Kriegführung und der fanatische Widerstand der Nazis die deutsche Wirtschaft zerstört und Chaos und Elend unvermeidlich gemacht haben.

(III) Die Nationalsozialistische Partei mit ihren angeschlossenen Gliederungen und Unterorganisationen ist zu vernichten; alle nationalsozialistischen Ämter sind aufzulösen; es sind Sicherheiten dafür zu schaffen, daß sie in keiner Form wieder auferstehen können; jeder nazistischen und militaristischen Betätigung und Propaganda ist vorzubeugen.
(IV) Die endgültige Umgestaltung des deutschen politischen Lebens auf demokratischer Grundlage und eine eventuelle friedliche Mitarbeit Deutschlands am internationalen Leben sind vorzubereiten.“

Quelle: Amtsblatt des Kontrollrats in Deutschland, Ergänzungsblatt Nr. 1, S. 13–20.

Welche politischen Ziele wurden durch das „Potsdamer Abkommen“ festgelegt?

Lösung

  • Deutschland sollte „demilitarisiert“ werden. Die Industriezweige, die für die Kriegsproduktion zuständig waren, sollten geschlossen werden, militärische Organisationen sollten aufgelöst werden.
  • Deutschland sollte seine militärische Niederlage akzeptieren und die Deutschen sollten sich ihrer Verantwortung für den Krieg bewusst werden.
  • Nationalsozialistische Strömungen sollten verboten werden und Sicherheiten geschaffen werden, dass die Nationalsozialisten „in keiner Form wieder auferstehen können“.
  • Deutschland sollte politisch umgestaltet werden und eine friedliche Mitwirkung am internationalen Leben sollte vorbereitet werden.
  • Schwierigkeitsgrad:  1
  • Zeit:  10 Minuten
  • Punkte:  10

Aufgabe 2

„Während der Besatzungszeit ist Deutschland als eine wirtschaftliche Einheit zu betrachten. […]
1. Die Reparationsansprüche der UdSSR sollen durch Entnahmen aus der von der UdSSR besetzten Zone in Deutschland und durch angemessene deutsche Auslandsguthaben befriedigt werden. […]
3. Die Reparationsansprüche der Vereinigten Staaten, des Vereinigten Königreiches und der anderen zu Reparationsforderungen berechtigten Länder würden aus den westlichen Zonen und den entsprechenden deutschen Auslandsguthaben befriedigt werden.“

Quelle: Amtsblatt des Kontrollrats in Deutschland, Ergänzungsblatt Nr. 1, S. 13–20.

  1. Welcher Widerspruch besteht zwischen Satz 1 und den anschließenden Aussagen?
  2. Was bedeutet es, wenn die UdSSR ihre Kriegsentschädigung (Industrieanlagen, Schienen, Güter aus der laufenden Produktion) hauptsächlich aus ihrer Zone entnimmt?

Lösung

  1. Deutschland soll zwar laut dem ersten Satz als „wirtschaftliche Einheit“ betrachtet werden, ihre Reparationsansprüche entnehmen die Alliierten jedoch nur aus ihren eigenen Zonen. Wäre der erste Satz gültig, wäre die Entnahme von Industrieanlagen aus jeder der Besatzungszonen für die Alliierten möglich.
  2. Da die Sowjetunion die größten Kriegsschäden erlitten hatte, versuchte sie durch die Entnahme von Gütern ihren Verlust zu entschädigen. Die Demontage von Industrieanlagen, Schienen und Gütern sorgte dafür, dass die Produktion in der (späteren) DDR lahmgelegt wurde. Besonders die Umstellung auf die Entnahme aus der laufenden Produktion war eine enorme Belastung für die DDR. Die Wirtschaftspolitik wurde auf die Befriedigung der Reparationsleistungen ausgerichtet, dafür wurde die Lebensmittelproduktion vernachlässigt. Diese schlechte wirtschaftliche Ausgangslage trug dazu bei, dass es in der DDR 1953 zu einem Volksaufstand kam.
  • Schwierigkeitsgrad:  3
  • Zeit:  13 Minuten
  • Punkte:  13

Aufgabe 3

Ansprache des Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker bei einer Gedenkstunde im Deutschen Bundestag 1985 (Auszug):

„[...] Niemand wird um dieser Befreiung willen vergessen, welche vielen Leiden für viele Menschen mit [... der Befreiung] erst begannen und danach folgten. Aber wir dürfen nicht am Ende des Krieges die Ursache für Flucht, Vertreibung und Unfreiheit sehen. Sie liegt vielmehr in seinem Anfang und im Beginn jener Gewaltherrschaft, die zum Krieg führte. Wir dürfen den [... Tag der Kapitulation] nicht vom 30. Januar 1933 trennen. [...] Wir haben allen Grund, den [... Tag der Kapitulation] als Ende eines Irrweges deutscher Geschichte zu erkennen, das den Kern der Hoffnung auf eine bessere Zukunft barg. [...] wir hatten die Chance zu einem Neubeginn.“
Quelle: http://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Richard-von-Weizsaecker/Reden/1985/05/19850508_Rede.html

Ist es deiner Meinung nach berechtigt, von einer „Stunde Null“ zu sprechen? Begründe deine Meinung. Beziehe in deine Argumentation die Äußerungen aus der sogenannten Weizsäcker-Rede zum 40. Jahrestag des Kriegsendes ein.

Lösung

Die „Stunde Null“ soll sinnbildlich für die Zerschlagung der Kontinuitäten zwischen dem NS-Staat und der Bundesrepublik stehen. Der Verlust der Selbstbestimmung durch die militärische Besatzung führte demnach dazu, dass die alte Gesellschaftsordnung und ihre Werte aufgehört hatten zu existieren. Weizsäcker spricht nicht von einer „Stunde Null“, sondern lediglich von einem „Neubeginn“, da sich die deutsche Gesellschaft nach dem Krieg nur langsam veränderte. Häufig wird auch kritisiert, dass es in vielen Bereichen Kontinuitäten zwischen NS-Staat und BRD gab und z. B. kaum Personal ausgetauscht wurde. 

  • Schwierigkeitsgrad:  3
  • Zeit:  10 Minuten
  • Punkte:  10
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