So fördern Sie die Selbstständigkeit Ihrer Kinder

Wie kann ich die Selbstständigkeit meines Kindes fördern? Das fragen Sie sich vermutlich im Alltag immer wieder . Diese Frage möchten wir Ihnen gern beantworten. Doch zunächst beginnen wir mit einer Definition des Begriffs: Laut Duden ist Selbstständigkeit ein Synonym für Eigenständigkeit. Es geht hier also um Autonomie und somit die Unabhängigkeit Ihres Kindes.

Was bedeutet Selbstständigkeit bei Kindern?

Das letztendliche Ziel sollte es sein, dass Ihr Kind, soweit möglich, nicht mehr auf Ihre Hilfestellungen angewiesen ist. Es soll irgendwann auf eigenen Füßen stehen. Ihr Kind soll lernen, selbst einzuschlafen, sich selbst zu trösten, und es soll sich eigenständig beschäftigen können.
Neben diesen praktischen Fähigkeiten gehört zur Selbstständigkeit auch dazu, dass Ihr Kind mit seinen eigenen Gefühlen umgehen kann und lernt, mit anderen Menschen auszukommen. Diese soziale Kompetenz ist für das spätere Leben von großer Wichtigkeit, denn Ihr Kind wird im Laufe seines Lebens auf viele verschiedene Persönlichkeiten treffen.

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Ebenfalls wichtig für den Werdegang Ihres Kindes ist die eigene Kreativität. Statt nur nachzumachen, zu kopieren, was Sie oder andere Kinder tun, muss es lernen, eigene Ideen zu entwickeln. Außerdem sollte Ihr Kind die Fähigkeit erlangen, mit negativen Situationen konstruktiv umzugehen, und ein gewisses Rückgrat aufbauen. Wie Kinder für Krisen stark werden, beschreiben wir Ihnen in unserem Beitrag zur Resilienz. Mit diesen Kernkompetenzen – also Sozialkompetenz, Resilienz, Kreativität und Kontrolle – werden die Voraussetzungen für ein eigenständiges Leben geschaffen.

Warum ist Selbstständigkeit bei Kindern wichtig?

Einige Eltern haben Bauschmerzen, wenn sie daran denken, dass ihr kleines Kind irgendwann erwachsen wird und seinen eigenen Weg geht. Das sollte Sie aber nicht davon abhalten, Ihr Kind auf diese Unabhängigkeit vorzubereiten. Denn wie bereits im letzten Abschnitt beschrieben: Damit Ihr Kind zu einem kompetenten und erfolgreichen Erwachsenen heranwachsen kann, ist Eigenständigkeit von großer Bedeutung. Also warum sollte man nicht von klein auf anfangen, in diese Rolle hineinzuwachsen, damit man bereit ist, wenn man das sprichwörtliche Nest verlässt? Kinder erhalten durch den Ausbau der Selbstständigkeit zahlreiche essenzielle Kompetenzen, die, so könnte man sagen, überlebenswichtig sind.

Wie können Sie Ihr Kind bei diesem Ziel unterstützen?

Tipp 1: Selbstbewusstsein stärken

Die Stichworte sind „loben“ und „machen lassen“. Konzentrieren Sie sich zunächst auf die Stärken Ihres Kindes und loben Sie es, wenn es etwas gut gemacht hat. Ein wichtiger Schritt für Eigenständigkeit ist nämlich Selbstbewusstsein. Dieses Selbstbewusstsein kann ein Kind aber nur erlangen, indem es gesagt bekommt, dass es etwas gut gemacht hat.

Da Kinder von Natur aus neugierig sind, werden sie ziemlich sicher von allein Neues ausprobieren wollen. Lassen die dies zu und geben Sie Ihrem Kind Freiheiten dafür. Ihr Kind möchte selbstständig auswählen was es anzieht? Wunderbar! Lassen Sie Ihr Kind einfach mal machen und loben Sie es dafür.

Diese Selbstständigkeit können Sie dann bei Tätigkeiten, die ihr Kind lieber mit ihrer Hilfe erledigen würde, ebenfalls einfordern. Fordern Sie Ihr Kind im nächsten Schritt zum Beispiel dazu auf, selbstständig die Hausaufgaben zu machen? Wenn dabei mal eine Aufgabe nicht gut gelöst ist, ist das nicht allzu schlimm, Ihr Kind wird selbst daraus lernen. Loben Sie lieber, indem Sie beispielsweise sagen: „Ich bin stolz auf dich, dass du heute ganz allein Hausaufgaben gemacht hast.“ Das wäre ein guter Anreiz für das Kind, so weiterzumachen.
Es kann natürlich sein, dass Sie anfangs ein bisschen Hilfestellung leisten müssen und Ihr Kind auch mal motivieren müssen anzufangen; oder dass Sie mal einen Tipp geben, wie eine gewisse Aufgabe zu bearbeiten ist. Vielleicht kann Ihr Kind je nach Alter aber auch hier selbstständig online oder mit Schulbüchern auf den richtigen Lösungsweg kommen? Hauptsache ist, Ihr Kind beschäftigt sich selbst mit seinen Aufgaben und hat die Möglichkeit, aus Fehlern zu lernen.

Tipp 2: Altersgerechte Grenzen setzen

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Ihr Kind möchte mit Freunden allein ins Kino gehen, aber Sie haben starke Bedenken? Natürlich ist die Beantwortung der Frage, ob Sie das zulassen sollten, im Einzelfall zu betrachten und hängt immer auch vom Alter des Kindes ab. Hier stehen zwei Dinge im Konflikt: Einerseits sind Sie vermutlich um die Sicherheit Ihres Kindes besorgt und andererseits möchten Sie, dass Ihr Kind selbstständig wird. Es gibt in diesem Fall nicht unbedingt richtig und falsch. Die letztendliche Entscheidung müssen Sie selbst treffen und auch guten Gewissens damit leben können.

Nehmen Sie sich also die Zeit, in Ruhe zu überlegen, wo Sie die Grenzen ziehen möchten. Denken Sie dabei nicht nur über die lauernden Gefahren nach, sondern auch darüber, welche ähnlichen Situationen ihr Kind schon eigenständig und souverän gemeistert hat. Das gilt für die 17-jährige Tochter, die auf eine Party gehen möchte und zu einer bestimmten Zeit wieder zu Hause sein soll, wie für den 8-jährigen Sohn, der zu einer bestimmten Zeit selbstständig Hausaufgaben machen soll und nur einen kleinen Schubs benötigt, um anzufangen.

Tipp 3: Sinnvolle Unterstützung geben

Wenn Sie bemerken, dass Ihr Kind allein nicht weiterkommt oder sich Hilfe suchend an Sie wendet, dann nehmen Sie es bitte an die Hand. Sonst könnte Ihr Kind verzweifeln und sich hilflos fühlen, das wollen Sie natürlich nicht.

Trotzdem sollten Sie Ihrem Kind immer zunächst die Chance geben, Konfliktsituationen selbst zu meistern. Stellen Sie sich zum Beispiel vor, dass Ihr Sohn in einer Schlange am Kiosk wartet, aber andere Kinder sich immer wieder vordrängeln. Sicher, Sie könnten sofort einschreiten und das Recht Ihres Sohnes durchsetzen, dass er als Nächstes dran ist. Sie können aber auch zunächst abwarten und schauen, ob sich Ihr Kind selbst durchsetzen kann. Optimal ist es hier natürlich, wenn Ihr Sohn von ganz allein mit den anderen Kindern bespricht, dass er als Nächstes dran ist, weil er der Vorderste in der Warteschlange ist. Ein weiteres Beispiel für zu frühes Eingreifen wäre folgendes: Ihr Kind schafft es nicht, eine schwierige Mathe-Hausaufgabe zu lösen – Sie helfen sofort und sagen ihm die Lösung. Klingt nicht so sinnvoll, oder? Es gilt also, einen guten Mittelweg zu finden zwischen nicht zu früh helfen und das Kind nicht zu sehr sich selbst überlassen.

Tipp 4: Verantwortung übertragen

Auf dem Weg in die Selbstständigkeit sollte Ihr Kind lernen, Verantwortung zu übernehmen. Das beginnt idealerweise mit kleinen Aufgaben im Haushalt bis hin zur Pflege eines Haustiers. Verantwortung zu übernehmen. Zusätzlich stärkt das Vertrauen, das Sie ihm damit beweisen, wieder das Selbstbewusstsein.

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Auch der Umgang mit Geld ist ein wichtiger Schritt in die Unabhängigkeit. Eine finanzielle Verantwortung zum Beispiel für das eigene Taschengeld kann dabei hilfreich sein. Tipps zum Thema Taschengeld finden Sie hier.

Diese Maßnahmen und die damit übertragene Verantwortung geben Ihrem Kind eine geregelte Struktur und bereiten es auf seine Zukunft und sein Arbeitsleben vor.

Alles in allem können Sie schon früh mit kleinen Dingen starten und so Ihr Kind unterstützen, selbstständig zu werden. Dadurch wird für beide, Sie und Ihr Kind, der Weg dahin einfacher.  Wir wünschen Ihnen viel Erfolg dabei, die Tipps umzusetzen: Selbstbewusstsein stärken, altersgerechte Grenzen setzen, Unterstützung geben und Verantwortung übertragen.