Tablets im Unterricht – digitale Unterrichtshilfe oder digitales Spielzeug?

Tablets im Unterricht - eine praktische digitale Unterrichtshilfe oder doch eher nur ein digitales Spielzeug zum Zeitvertreib?

Tablets erleichtern uns das Leben und sind ein fester Bestandteil unseres Alltags geworden. In verschiedenen Formen, Farben und Größen sind die digitalen Alleskönner mittlerweile erhältlich und erfüllen unterschiedliche Zwecke. Auch das E-Book hat sich erfolgreich auf dem Markt etabliert, Smartphones mit einem übergroßen Display ebenso.

Um die Arbeit an Tablets zu vereinfachen, gibt es anheftbare Tastaturen in entsprechender Größe. Umgekehrt gehts genauso gut: Viele Hersteller von Laptops und Notebooks entwickelten in den letzten Jahren flexible Modelle mit einem abnehmbaren Display, das dann allein als Tablet mit Touchfunktion dient.

Häufig sehen wir bereits Kleinkinder mit einem Smartphone oder Tablet in der Hand. Meist handelt es sich um ein Gerät der Eltern oder älterer Geschwister. Viele Kinder haben jedoch bereits ihr eigenes digitales Spielzeug. So ist es auch nicht verwunderlich, dass schon seit einiger Zeit die Frage im Raum steht, ob Tablets sich nicht auch für den Schulunterricht eignen.

Die Meinungen über Tablets sind geteilt

In Deutschland starteten vereinzelte Schulen den Versuch, mit Tablets zu arbeiten. In anderen Ländern hingegen gehören Tablets im Unterricht schon lange dazu. Schweden, die Niederlande, Estland, Lettland, Thailand, die Türkei und die USA sind mit der Tabletnutzung in Schulen schon viele Schritte weiter. Fakt ist: Deutschland hängt, was die digitale Mediennutzung im Unterricht angeht, hinterher. Warum das so ist, weiß niemand so genau.

Dabei bringt der Einsatz von Tablets vielerlei Vorteile mit sich. Schülern bliebe das schwere Schleppen von Büchern und sonstigen Schulmaterialien erspart. Arbeitsblätter, Übungen, Hausaufgaben liegen an einem zentralen Ort auf dem Schulserver, jeder Schüler und Lehrer hat von überall Zugriff darauf. Auch die klassischen Ausreden – „Ich habe meine Hausaufgaben zu Hause vergessen“ oder „Mein Hund hat das Aufgabenblatt gefressen“ – ziehen dann nicht mehr.

Ein zusätzlicher Bonus sind die multimedialen Funktionen der Tablets. Schüler können Tafelbilder in Mathe abfotografieren, spannende Laborexperimente filmen und sich zur Verbesserung ihrer Fremdsprachenkenntnisse internationale Podcasts anhören. Nicht zu vergessen: Die Schüler können all das mit der Klasse teilen. Die ständige Arbeit mit Tablet und Internet verbessert außerdem die Medien- und Recherchekompetenz der Lernenden. Zudem bereitet sie ein Stück weit auf die digitale und online arbeitende Berufswelt vor.

Da viele Schüler bereits in oder vor der Grundschule mit digitalen Geräten in Berührung kommen, ist der Umgang damit im Unterricht keine Hürde mehr. Viele der Kinder beherrschen die gängigen Bedienungsstandards und wissen ganz genau, wie sie zur Youtube-App kommen. Allerdings sieht es da bei vielen Lehrern anders aus, gerade bei denen, die schon lange im Beruf tätig sind.
Voraussetzung, dass der Unterricht auf digitaler Ebene auch Sinn ergibt und Spaß macht, ist eine gute Vorbereitung und Einführung in die Nutzung von Tablets. Mancherorts erhalten Lehrer eine Schulung oder besuchen Fortbildungen. Aber mit einem Lehrer, der nicht weiß, wie es richtig geht, kommt nichts Produktives hervor. Außer Frustration, auch bei den Schülern.

Motivation beim Lernen, jedoch ohne klare Ergebnisse

Auch über den messbaren Erfolg des Einsatzes von Tablets in Klassen ist man sich nicht einig. Wirklich aussagekräftige Ergebnisse zu einem spürbar besseren und langfristigeren Lernerfolg als bei klassischen Unterrichtsformen gibt es bisher nicht. Allerdings konnte die University of London in einer Studie zum Thema belegen, dass Tablets im Unterricht die Motivation sowie die Lernbereitschaft der Schüler erhöhen.
Viele der Schüler begegnen den Geräten von Anfang an mit einem positiv besetzten Gefühl, anders, als sie dies bei Schulbüchern tun würden. Tablets werden mit Spaß und neuester, modernster Technik verbunden. Schüler sind zu Hause up to date und haben meist Zugang zu diesen digitalen Medien. Warum sollte das in der Schule nicht genauso sein?

Klar ist, dass vorab Regeln für den Gebrauch eingeführt werden müssen: zu Hause und in der Schule. Dazu gehört das Verbot von ablenkenden Seiten wie Facebook, Youtube und Gamingportalen, zumindest in der Schule. Auch zu Hause sollten Eltern darauf achten, dass ihre Kinder einen gepflegten und gesunden Umgang mit den neuen Medien haben. Sofern es die Eltern finanziell überhaupt aufbringen können, ein solch teures Gerät für ihr Kind anzuschaffen. Der Kostenpunkt bereitet vielen Müttern und Vätern Sorgen. Jedoch gibt es an Schulen, die mit Tablets arbeiten, auch Geräte zur Ausleihe, falls ein Schüler mal keines zur Hand hat.

Die Liste der Nachteile und Risiken beim Einsatz von Tablets im Unterricht lässt sich weiter fortsetzen. Leider ist die Lage in Deutschland so, dass nicht jede Schule über eine ausgebaute Infrastruktur und eine stabile Internetverbindung verfügt. Lehrer und Schüler sind somit permanent abhängig von einer immer funktionierenden Technik und Software.

Fallen die Tablets im Unterricht aus, fällt dieser flach

Versagt die Technik auf den Tablets, fällt der Unterricht, der mit den Tablets geplant war, ins Wasser. Auch die Software auf den Geräten ist nicht immer zu 100% zuverlässig. Die Speicher könnten kaputt- und somit wichtige Daten verloren gehen. Die klassischen Arbeitsmaterialien sollten daher nicht sofort in den Mülleimer befördert werden, sobald ein Tablet im Haus ist.

Kürzlich wurde außerdem untersucht, dass sich mit der Hand Geschriebenes besser im Gedächtnis einprägt als am Laptop getippte Notizen. Beim intensiven Pauken gehört das Tablet also ruhig mal in die Schublade.
Dennoch gilt für Deutschland was andere Nationen schon längst vormachen: Die Schüler im Umgang mit digitalen Medien und der allgegenwärtigen Technik vertraut und kompetent machen. So sieht die digitale Zukunft nun einmal aus.


Über den Autor

Hi, ich bin Ute und komme aus Jena. Bis 2010 habe ich Kindersachbücher geschrieben. Aktuell arbeite ich als freie Autorin für Familienzeitschriften und -portale. Ich habe für jedes Thema ein offenes Ohr, und stehe gerne beratend zur Seite.