Rhetorische Mittel im Alltag und in der Schule
Rhetorische Mittel sind heute in jedermanns Sprachgebrauch zu finden, doch sind wir uns dessen selten bewusst. Dabei helfen rhetorische Mittel, die sprachliche Kompetenz deutlich zu verbessern und Texte ansprechender aussehen zu lassen – zum Beispiel in Aufsätzen, Essays oder Vorträgen.
In der Schule gehört es unter anderem zu den Kernkompetenzen, Gedichtinterpretationen und Analysen zu schreiben sowie rhetorische Mittel zu erkennen und zu beschreiben. Dabei begegnen sie uns öfter als gedacht: in öffentlichen und politischen Reden, Werbetexten und vielen anderen Text- und Sprachformen.
Rhetorik wird vor allem verwendet, um eine bestimmte Wirkung beim Empfänger, also beim Leser, Zuschauer oder Zuhörer, zu erzielen und gegebenenfalls Reaktionen auszulösen. Dies geschieht, indem man durch rhetorische Mittel provoziert, Aufmerksamkeit erregt, heikle rhetorische Fragen stellt und Aufforderungen zum Nachdenken an die Rezipienten übermittelt.
Hier ist der Grat zwischen positiver Überzeugungsarbeit und beabsichtigter Manipulation sehr schmal. Umso besser man die Rhetorik kennt und versteht, desto schneller kann man zwischen dem einen und dem anderen unterscheiden und rhetorische Mittel erkennen.
Wer seine rhetorischen Fähigkeiten verbessern möchte, kann dies mit verschiedenen Übungen tun. Viele davon sind im Netz zu finden. Eine kontinuierliche Anwendung macht vielen Schülerinnen, Schülern und Erwachsenen erst bewusst, welche Techniken sich in der eigenen Sprache verbergen und welche Vorteile sie bringen.
Es heißt nicht umsonst „die Kunst der Rhetorik“, die seit über 2.000 Jahren, seit der Antike, praktiziert wird. Große Philosophen wie Cicero, Platon und Sokrates nutzten die rhetorischen Stilmittel in ihren Schriften und mündlichen Vorträgen und erlangten dadurch großen Einfluss.
Wir wollen dir in einer Übersicht die wichtigsten rhetorischen Mittel inklusive einiger Beispiele vorstellen. Präge sie dir ein, dann wirst du keine Probleme haben, rhetorische Figuren in der nächsten Hausarbeit oder Gedichtanalyse zu erkennen. Außerdem kannst du deine sprachliche Ausdrucksweise verbessern.
20 rhetorische Mittel für Anfänger
Jeder fängt einmal klein an – das gilt auch für die rhetorischen Mittel. Deshalb beginnen wir mit den einfachen und gängigen Stilmitteln. Einige davon kennst du vielleicht schon aus dem Deutschunterricht.
Akkumulation
Anhäufung von ähnlichen Begriffen oder Wörtern.
Beispiel: Sonne, Mond und Sterne
Alliteration
Mindestens zwei benachbarte oder aufeinanderfolgende Wörter mit demselben Anfangslaut.
Beispiele: Mensch Meier, Kind und Kegel, sieben Siegel
Anapher
Wiederholung eines ganzen Wortes oder Satzteils am Anfang eines Verses oder einer Strophe.
Beispiel: Ich wünsche mir Liebe. Ich wünsche mir Glück.
Assonanz
Wiederholung oder Häufung eines Vokals in benachbarten Wörtern, oftmals ein vokalischer Halbreim.
Beispiele: Ohne Ottos Mops. / Die liebe Liebe liebt viel.
Ellipse
Auslassung eines Satzteils beziehungsweise ein unvollständiger Satz.
Beispiele: Ich darf gehen, du nicht. / Was? – statt: Was willst du?
Hyperbel
Starke Übertreibung.
Beispiele: Schneckentempo, todmüde, stinksauer, himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt
Interjektion
Kurzer Ausruf oder Gefühlsausdruck.
Beispiele: Oh!, Ah!, Ich!, Hey!, Aha!, Okay!, Ey!
Ironie
Aussage, die eigentlich etwas anderes meint als das tatsächlich Gesagte und auch so verstanden wird.
Beispiele: Schöne Bescherung! / Toll gemacht! / Ich liebe dich auch! – als Antwort auf eine Beleidigung
Klimax
Dreigliedrige Steigerung beziehungsweise Steigerung von einer schwächeren Aussage.
Beispiele: Er ist fleißig, er arbeitet acht, neun, zehn Stunden am Tag. / Ich kam, sah und siegte.
Metapher
Bildlicher Vergleich und gleichzeitige Bedeutungsübertragung auf einen fremden Zusammenhang.
Beispiele: rosarote Brille aufhaben, ein Meer von Menschen, die Kuh vom Eis kriegen, in die Hose machen, eine Glückssträhne haben
Neologismus
Wortneuschöpfung oder sprachliche Neubildung von Wörtern.
Beispiel: Hipster
Oxymoron
Zwei sich widersprechende Begriffe.
Beispiele: offenes Geheimnis, bittersüß, Hassliebe, heißkalt
Paradoxon
Aussage mit scheinbarer Widersprüchlichkeit, die meist der öffentlichen Meinung widerspricht.
Beispiel: Ich weiß, dass ich nichts weiß.
Parallelismus
Mindestens zwei identische oder ähnliche Satzgefüge, die parallel beziehungsweise gleich angeordnet sind.
Beispiele: Heiß ist der Sommer, kalt ist der Winter. / Kleine Kinder, kleine Sorgen – große Kinder, große Sorgen.
Parenthese
Einschub von ergänzenden oder informativen Wörtern beziehungsweise Satzteilen in einen Satz.
Beispiel: Ich bin – wie gesagt – schwer enttäuscht.
Personifikation
Vermenschlichung von Nichtmenschlichem, Dingen, Begriffen oder Tieren durch menschliche Eigenschaften.
Beispiele: Mutter Natur / Der Finanzmarkt ist eingebrochen. / Sie weinte ein Meer aus Tränen. / Die Sonne lacht an diesem schönen Tage.
Rhetorische Frage
Scheinfrage beziehungsweise eine Frage, auf die keine Antwort erwartet wird.
Beispiele: Sehe ich so blöd aus? / Ist das dein Ernst?
Symbol
Bedeutungsträger, der Assoziationen für etwas abstrakt Vorstellbares auslöst, oft für etwas Unanschauliches.
Beispiele: rotes Herz für Liebe; weiße Taube für Frieden; Totenkopf für Tod; Schnecke für Langsamkeit
Untertreibung
Herunterspielen einer Aussage; der Wert der Aussage wird untertrieben oder vermindert.
Beispiel: Es war in Ordnung. Er hat es okay gemacht.
Vergleich
Gleichsetzung durch das Verknüpfen zweier Sachverhalte, Dinge oder Personen.
Beispiele: größer als ein Elefant; sie ist so schön wie eine Blume
20 rhetorische Mittel für Profis
Für die Textanalysen in der 10. Klasse und in der Oberstufe brauchst du natürlich auch die rhetorischen Mittel für Profis. Wir zeigen dir, welche Stilmittel es noch gibt.
Adynaton
Vergleich mit etwas Unmöglichem oder nicht Realem.
Beispiele: Er wird dir dein Geld erst zurückgeben, wenn mein Hund sein erstes Wort gesprochen hat. / Eher geht die Welt unter. / Fliegende Fische.
Allegorie
Gesteigerte Form der Metapher mit einer meist kulturellen und gesellschaftlichen Bedeutung.
Beispiel: Weiße Taube für Frieden
Allusion
Anspielung auf einen bestimmten Sachverhalt.
Beispiel: Du weißt ganz genau, was ich meine.
Antithese
Zusammenführung gegenteiliger beziehungsweise entgegengesetzter Begriffe.
Beispiel: Ihre Liebe war ein Segen. Ihre Ehe war die Hölle.
Chiasmus
Symmetrische Überkreuzung von zwei ähnlichen oder gleichen Wörtern beziehungsweise Satzgliedern.
Beispiele: Ich bin groß, klein bist du. / Sie ist klug, blöd ist er. / Die Kunst ist lang, und kurz ist unser Leben.
Correctio
Korrektur oder Verbesserung einer Aussage.
Beispiele: Der Abend war toll, nein, großartig! / Seine Frau ist schön, ach nein, wunderschön!
Conversio
Wiederholung eines Wortes am Satzende.
Beispiele: Am Ende war alles vorbei, alles vorbei. / Alles, was sie wollte, war pures Glück, nur Glück.
Diminutiv
Verniedlichungs- oder Verkleinerungsform.
Beispiele: Blümchen, Sümmchen, Tischchen, Häubchen, Kerlchen
Enumeration
Aufzählung mehrerer Begriffe oder Sachverhalte.
Beispiel: Reiche mir bitte die roten, gelben, grünen und blauen Teller.
Epanalepse
Wiederholung eines Wortes am Satzanfang.
Beispiel: Mein Mann, mein Mann, er ist gefangen.
Epipher
Wiederholung ganzer Wörter oder Wortbestandteile am Ende eines Verses, Satzes oder einer Strophe.
Beispiel: Sie wollten Krieg, sie bekamen Krieg.
Euphemismus
Beschönigung von etwas oder beschönigender Ausdruck.
Beispiele: das Zeitliche segnen für sterben; kräftig für dick
Hendiadyoin
Zwei Begriffe, die dasselbe meinen beziehungsweise zu einem Begriff zusammengeführt werden.
Beispiele: mit Stock und Hut / in Grund und Boden / Hab und Gut
Inversion
Veränderung der Wortstellung durch Vertauschen der Satzglieder, um das Umgestellte hervorzuheben.
Beispiel: Ein Betrüger ist er!
Litotes
Verneinung oder doppelte Verneinung, oft zur Hervorhebung eines Begriffs durch Abschwächung oder Untertreibung.
Beispiele: nicht schlecht; nicht gerade wenig verdienen; meine Wenigkeit
Onomatopoese
Lautmalerei oder Nachahmung von Lauten mit Worten.
Beispiele: Muh! Quak! Peng! Bumm! Zisch!
Pleonasmus
Zwei Begriffe, die im Grunde dasselbe meinen; der eine Begriff benötigt die Beschreibung des anderen nicht.
Beispiele: runde Kugel, tote Leiche, nasser Regen, weißer Schimmel, alter Greis
Polysyndeton
Mehrfaches Angliedern von Satzgefügen durch dasselbe Bindewort.
Beispiel: Das Haus war groß und sauber und schön.
Synästhesie
Unterschiedliche Sinneseindrücke oder Empfindungen werden miteinander verbunden.
Beispiele: laues Frühlingswetter, herber Duft, kaltes Grün
Tautologie
Wiederholung zweier Begriffe mit gleicher oder ähnlicher Bedeutung.
Beispiele: immer und ewig, List und Tücke, Angst und Bange, nie und nimmer
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