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Wer war Hermann Hesse?

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Heute jährt sich der Geburtstag von Hermann Hesse zum 139. Mal. Er zählt zu den bedeutendsten deutschsprachigen Schriftstellern des 19. und 20. Jahrhunderts. Seine Werke Narziß und Goldmund, Unterm Rad und Demian werden häufig im Schulunterricht gelesen. Neben der Schriftstellerei hat Hesse auch gemalt und eine außerordentliche Korrespondenz hinterlassen.

Wer war Hermann Hesse?

Hermann Hesse wurde am 2. Juli 1877 in Calw im nördlichen Schwarzwald geboren und verbrachte seine Kindheitsjahre in Basel und Calw. Sein Vater, ein evangelischer Missionar aus Estland, war Leiter des Calwer Verlagsvereins. Seine Mutter, die in Indien geboren wurde, entstammte ebenfalls einer evangelischen Missionarsfamilie. Hesses Leben in Calw war geprägt durch pietistische Strenge und Rechtschaffenheit einerseits und die Weltoffenheit, Weltgewandtheit der belesenen Eltern andererseits. Nachdem Hesse die Schule absolviert hatte, nahm er in Calw ein Mechaniker-Praktikum auf, brach dieses aber ab und erlernte schließlich den Beruf des Buchhändlers in Tübingen. Sein literarischer Durchbruch kam 1904 mit Peter Camenzind und machte Hesse erstmals einem größeren Publikum bekannt. Er zog daraufhin an den Bodensee und ließ sich dort als freier Schriftsteller nieder.

1911 unternahm Hesse eine Bildungsreise nach Indien, verbrachte aber genau genommen weit mehr Zeit in Indonesien. Von Indien und den dortigen Verhältnissen zeigte Hesse sich enttäuscht. Im Anschluss ging er in die Schweiz. Seit 1924 hatte Hesse wieder die Schweizer Staatsbürgerschaft, nachdem er diese schon als Kind erworben, aber zugunsten der württembergischen aufgegeben hatte.

Hesse war jeglichen Nationalismen gegenüber abgeneigt, stimmte nicht in die allseits umgreifende Euphorie für den Krieg ein, sondern veröffentlichte zwischen 1914 und 1918 kriegskritische Aufsätze. Er sprach sich schon früh entschieden gegen den Nationalsozialismus aus. Seine Werke waren unter den Nazis zwar nicht verboten, aber dennoch verschmäht. Zu dieser Zeit wohnte Hesse in der Schweiz und half anderen Autoren und Intellektuellen wie Thomas Mann auf dem Weg ins Exil. Außerdem hielt er Kontakt zu Exilanten wie Bertolt Brecht.

Wichtige Werke von Hermann Hesse

Die Erzählung Demian (1919) beschreibt die Suche nach einem eigenen Weg, nach einer Bestimmung und danach, wie man diese auch gegen Widerstände verfolgt. Geschildert werden die Kindes- und Jugendjahre des Protagonisten Emil Sinclair aus dessen Sicht. Sinclair durchläuft einen Reifeprozess, gewinnt an Selbstvertrauen, wird selbstreflektierter und schließlich erwachsen.

Im Roman Steppenwolf (1927) geht es um die Erlebnisse der Hauptfigur Harry Haller. Haller, der ein Leben zwischen bürgerlicher Angepasstheit und einsamem, sozial nicht angepasstem Umhertreibenden führt, ist innerlich zerrissen. Dieser Konflikt, diese Zerrissenheit blockiert ihn geradezu in seiner künstlerischen Schaffenskraft. Stets wurde betont, dass der Roman autobiografische Züge trägt.

Das Glasperlenspiel (1943) ist Hesses letzter, mit 600 Seiten zugleich umfangreichster und wohl komplexester Roman. Er liefert eine Lebensbeschreibung von Josef Knecht, einem Meister (Magister) in einer Art Mönchsorden. Die Handlung liegt zeitlich weit in der Zukunft, um das Jahr 2200 herum. Die Mönche leisten Dienst an Kultur und Hochkultur, forschen und sind ganz dem Verwalten von Wissen verschrieben. Der Leser erlebt die Entwicklung Josef Knechts von der Ausbildung über die Berufung ins Amt des Magisters bis hin zu Zweifeln an seiner Tätigkeit.

Hesses Werk ist geprägt durch immer wiederkehrende Fragen der Identität, des Glaubens und der Religion. Im Vordergrund stehen die Überwindung persönlicher Krisen und der Versuch, sich selbst zu deuten. Schreiben war für Hesse stets auch Persönlichkeitsanalyse. Zudem äußerte er Zweifel an Technik und Fortschrittsglauben.

1946 wird Hesse der Nobelpreis für Literatur verliehen. Er stirbt am 9. August 1962 in Montagnola (Kanton Tessin / Schweiz) an einem Schlaganfall, nachdem er sich von einer Grippe nur schwer erholt hatte.