Wie helfe ich meinem Kind, Prioritäten zu setzen?

Sie kennen das sicherlich selbst: An manchen Tagen gibt es zahlreiche Dinge, die Sie gern erledigen würden. Die Zeit ist jedoch begrenzt. So geht es Ihrem Sohn oder Ihrer Tochter auch, denn Kindern fällt es besonders schwer zu priorisieren: Sollte er oder sie zunächst die Hausaufgaben erledigen, das Zimmer aufräumen oder doch das Referat für die nächste Woche vorbereiten? In diesem Fall ist es sinnvoll, Prioritäten zu setzen. Da das aber auch vielen Erwachsenen schwerfällt, erfahren Sie hier, wie Sie Ihrem Kind dabei helfen, Prioritäten zu setzen.

Inhalt:

Was bedeutet es, „Prioritäten zu setzen“?

Das Wort Priorität kommt aus dem Lateinischen von „prior“ = der Vordere. Wenn Prioritäten gesetzt werden, heißt das, dass Aufgaben oder Ereignisse in eine Rangfolge bzw. Reihenfolge gebracht werden. Die höchste Priorität erhält die Aufgabe, die am dringlichsten von allen ist. Für diese Einteilung gibt es unterschiedlichste Methoden. Die ABC-Methode möchten wir Ihnen weiter unten vorstellen.

Warum sollten Kinder priorisieren lernen?

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Ohne eine strukturierte Vorgehensweise können viele verschiedene Aufgaben Ihr Kind leicht überfordern. Der Berg an Hausaufgaben oder Lernthemen scheint ihm dann unüberwindbar. Das kann dann schnell zu Prokrastination oder einer kompletten Arbeitsverweigerung führen. Ihr Kind sollte sich daher zunächst einen Überblick verschaffen, welche Aufgaben es zu erledigen hat. Dafür können die Themen erst mal ungeordnet aufgelistet werden. Schon diese Übersicht der To-dos kann Ihr Kind beruhigen.

Anschließend sollten Sie gemeinsam überlegen, welche Priorität die Aufgaben haben. Wenn sich Ihr Kind bei der Einteilung schwertut, können Sie verschiedene Techniken anwenden, zum Beispiel die ABC-Methode oder auch die Eisenhower-Matrix. In welcher Reihenfolge die Aufgaben bearbeitet werden sollten, ergibt sich dann als Ergebnis der Priorisierung. Unwichtige oder nicht dringende Aufgaben können bei Zeitmangel dann auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden. Da das die Anzahl der sofort fälligen Aufgaben reduziert, wird die Motivation gesteigert, mit der Bearbeitung zu beginnen.

Richtig priorisieren zu können ist für Ihr Kind ein wichtiger Schritt in Richtung Selbstständigkeit. Außerdem hat es einen positiven Effekt auf das Selbstvertrauen Ihres Kindes.

Die ABC-Methode

Mit der ABC-Methode werden Aufgaben in die 3 Kategorien A, B und C eingeteilt. In Kategorie A fallen alle Aufgaben, die sehr wichtig sind. Wichtige Aufgaben, die aber auch noch warten können, kommen in Kategorie B; und weniger wichtige bzw. Aufgaben, die noch länger warten können, in Kategorie C. Offensichtlich haben die Aufgaben in Kategorie A die höchste Priorität.

Wie kann ich meinem Kind bei der Umsetzung helfen?

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Jüngere Kinder sind in der Regel noch nicht dazu in der Lage, ihr eigenes Lernen zu planen und sich Ziele zu setzen. Die Neurowissenschaften gehen davon aus, dass die neuronalen Netze im Gehirn erst bei Jugendlichen im nachpubertären Alter ausreichend ausgebildet sind, um den Prozess der Selbststeuerung mit der nötigen Disziplin allein durchzuführen und zu meistern. Daher ist Ihre Unterstützung als Elternteil hier sehr wichtig.

Am besten zeigen Sie Ihrem Kind an konkreten Beispielen, wie man Prioritäten setzen kann. Sie können dafür mit Ihrem Sohn oder Ihrer Tochter zunächst gemeinsam eine To-do-Liste erstellen. Um beim obigen Beispiel zu bleiben, enthält die Liste folgende Aufgaben:

– Hausaufgaben
– Referat vorbereiten
– Zimmer aufräumen

Nun gehen Sie zusammen die einzelnen Aufgaben durch und legen fest, welche Priorität die Aufgaben haben: Wenn die Hausaufgaben am folgenden Tag für den Unterricht benötigt werden, sind die Hausaufgaben dringlich und sehr wichtig. Sie kommen daher in Kategorie A und sollten somit als Erstes bearbeitet werden. Das Referat ist erst nächste Woche fällig und daher nicht besonders dringlich, aber wichtig. Diese Aufgabe kann in Kategorie B. In Kategorie C kann „Zimmer aufräumen“ eingeteilt werden. Diese Aufgabe ist erst mal weniger wichtig, da sie nicht für den Schulalltag relevant ist.
Als Erstes sollten nun also die Hausaufgaben erledigt werden. Wenn anschließend noch Zeit übrig ist, kann Ihr Sohn oder Ihre Tochter schon einmal ein bisschen mit dem Referat beginnen, zum Beispiel mit der Recherche. Das Aufräumen des Zimmers kann man auf das Wochenende verschieben. Diese Einteilung aber bitte nicht als absoluten Richtwert verstehen, da jeder seine Prioritäten anders setzen kann und sie auch vom Kontext abhängen.
Wenn Sie ein paarmal mit Ihrem Kind Aufgaben priorisiert haben, dann wird es selbst lernen, wie die ABC-Methode angewendet wird.

Resümee

Helfen Sie Ihrem Kind bei der Erstellung einer To-do-Liste und deren Priorisierung und machen Sie sie gemeinsam. Stück für Stück kann Ihr Kind die Methode dann immer einfacher selbst anwenden. Wie Sie Ihr Kind optimal mit Feedback unterstützen können, erfahren Sie hier.

Quellen

Der Duden Learnattack Elternratgeber – Lernen leicht gemacht