Kinder optimal unterstützen mit Belohnung, Lob und Kritik

Auch nach dem Schultag haben Kinder Verpflichtungen: neben den täglichen Hausaufgaben möchten Sie vielleicht, dass Ihr Kind ein bisschen im Haushalt hilft und sein Zimmer ordentlich hält. Wenn das mal nicht so klappt, wie Sie es sich wünschen, ist es wichtig, auf die richtige Art und Weise zu reagieren.
Wir geben Ihnen hier ein paar Empfehlungen, wie Sie Ihrem Kind optimal Feedback geben können. Dafür schauen wir uns zuerst an, welche Formen von Feedback es gibt und zeigen dann auf, wie Sie Ihr Kind optimal in seinem Alltag unterstützen können.
Ebenfalls werfen wir einen kritischen Blick darauf, ob das klassische Belohnungssystem à la „Sternchenheft“ wirklich das Beste ist oder ob es bessere Methoden gibt.

Welche Arten von Feedback gibt es?

Aus Ihrem Berufsleben werden Sie den Begriff des Feedbacks sicherlich kennen. Dennoch möchten wir kurz mit einer Definition beginnen, um Ihnen zu vermitteln, wie Feedback im Kontext der Kindererziehung bzw. des Schulalltags zu verstehen ist.

Feedback geben bedeutet letztlich nichts anderes als „eine Rückmeldung geben“. Es geht also darum, Ihrem Kind eine Rückmeldung zu geben, um Ihrem Sohn oder Ihrer Tochter zu zeigen, wie Sie sein oder ihr gezeigtes Verhalten empfinden.

Im Kontext der Kindererziehung kann man 4 verschiedene Arten von Feedback identifizieren: Die Belohnung, die Strafe, das Lob und die Kritik. Auch wenn diese Begriffe vermutlich selbsterklärend sind, geben wir hier kurze Beispiele.

  • Belohnung: Für jede 1 auf dem Zeugnis bekommt Ihr Kind von Ihnen 10 Euro
  • Lob: Ihr Kind hat eine 1 und Sie sagen Ihrem Kind, dass Sie stolz auf diese Leistung sind.
  • Strafe: Wenn Ihr Kind eine 5 schreibt, bekommt es 1 Woche Fernseh-Verbot
  • Kritik: Sie sagen Ihrem Kind es ist faul, weil es eine 5 geschrieben hat.

Warum ist angemessenes Feedback für Ihr Kind wichtig?

Sie haben es vermutlich schon eben beim Lesen gedacht: Ein Kind wegen einer schlechten Note zu kritisieren oder Verbote auszusprechen, ist eine heikle Sache. Das Kind könnte im Extremfall sogar die natürliche Motivation verlieren sich um Schulsachen und das Lernen zu kümmern. Schade wäre auch, dass Ihr Kind denkt, dass Ihre Liebe von seiner Leistung abhängt – das sollte natürlich nicht so sein.

Das ganze Thema „Feedback geben“ sollte also mit sehr viel Fingerspitzengefühl angegangen werden. Es ist für ein harmonisches Miteinander essenziell Feedback in der richtigen Art und Weise zu geben. In den nächsten Zeilen konzentrieren wir uns daher auf das Lob und die Belohnung, da wir diese beiden als die besseren Möglichkeiten identifiziert haben.

Wie Sie Ihr Kind richtig loben

Schüler loben
©kk-istock

Achten Sie bitte einmal selbst darauf, wie oft Sie Ihr Kind loben, für was und mit welcher Intention. Auffällig ist nämlich, dass es viele Eltern oder insbesondere Großeltern mit der Häufigkeit von Lob komplett übertreiben.
Alle paar Minuten wird beispielsweise Kindern gesagt, dass sie „ganz toll“ die Hausaufgaben gemacht haben und „ganz super“ geholfen haben den Esstisch zu decken. Die Frage ist, ob man in diesem Moment das Kind lobt, weil man sich darüber freut, was das Kind gemacht hat, oder ob man es nicht vielleicht unbewusst manipulieren möchte. ‚Manipulieren‘ in dem Sinne, dass man das Kind mehr oder weniger durch Lob dahingehend konditionieren möchte, immer wieder gerne zu helfen und die Hausaufgaben von sich aus zu machen.
Das war jetzt vielleicht alles etwas überspitzt formuliert, mögen Sie vermutlich denken. Die Intention war jedoch, durch ein bisschen Übertreibung unseren Punkt deutlich zu machen.

Unser Vorschlag, was das Thema Lob angeht, wäre der Folgende: Beschränken Sie Ihr Lob auf Situationen, in denen Sie es wirklich ernst meinen. Damit verhindern Sie bewusst die eben angesprochenen eventuellen „Manipulationsversuche“. Lob sollte nämlich von Herzen kommen. Man sollte das ähnlich aufziehen wie im Umgang mit anderen Erwachsenen. Da loben Sie sich ja auch nicht alle paar Minuten gegenseitig für erledigte Arbeiten. Da würde Ihr Gegenüber schnell denken, dass Sie ihn auf den Arm nehmen wollen. Kinder müssen nicht ständig gelobt werden; viel mehr wert ist wahre Aufmerksamkeit.
Zusätzlich möchten wir Ihnen empfehlen, Ihr Lob eher auf Prozesse, anstatt auf Ergebnisse zu richten. Das bedeutet im Einzelnen, dass Sie zum Beispiel nicht das Endergebnis „bewerten“, also die 2 in der Klassenarbeit, sondern, wie fleißig Ihr Kind sich auf die Klassenarbeit vorbereitet hat.

In welchem Maße sollte man Belohnungen einsetzen?

Belohnungssystem
©Daisy-Daisy

Wer kennt sie nicht: die Hefte mit Bienchen oder Sternen aus der Schule. Wo man eine Art Sticker bekommt, die in ein Sammelheft eingeklebt werden. Das klingt erstmal albern, aber solch ein Sticker kann für ein Kind einen Wert haben. Nicht nur, dass das Kind stolz ist, dass es mit dem Symbol ausgezeichnet worden ist. Es kann auch sein, dass es für 10 Sternchen im Heft eine reale Belohnung erhält und sich somit der „Wert“ des Symbols erschließt.

Wir möchten nicht grundsätzlich davon abraten, solche Belohnungssysteme einzusetzen, wenn das bei Ihnen Zuhause gut funktioniert. Denn nicht anders läuft es ja auch bei Erwachsenen in manchen Sektoren: Für sehr gute Leistung auf der Arbeit erhält man oftmals einen Bonus.
Nicht empfehlenswert ist es aber, diese Belohnungen für an sich selbstverständliche Tätigkeiten, wie die Hausaufgaben, einzusetzen. Es kann sonst schnell eine fordernde „Welche Belohnung erhalte ich dafür?“-Einstellung entstehen.
Sie sollten sich also genau überlegen, welche Dinge sie mit einer Belohnung unterstützen möchten. Auch beim Thema Schulnoten ist es schwierig, eine grundsätzliche Empfehlung auszusprechen, ob ein solches System sinnvoll ist oder nicht. Eventuell hat Ihr Kind einfach manche Schulinhalte im Schulunterricht noch nicht ganz verstanden und Online-Nachhilfe wäre eine gute Ergänzung. Da könnte man dann mit einer Belohnung ansetzen. Etwa, wenn zusätzlich zu den Hausaufgaben noch 2-3 Übungen am Computer bearbeitet werden. Das wäre in dem Sinne eine Belohnung für eine geleistete Bonus-Aufgabe und eher sinnvoll.

Zusammenfassung

Sie sollten unseren Artikel als Denkanstoß verstehen, um Ihre Art des Feedbacks zu reflektieren und gegebenenfalls neue Wege austesten. Wir haben Ihnen ein paar Strategien vorgestellt und Ihnen einige Tipps gegeben, wie Feedback bestenfalls funktioniert. Letztendlich entscheiden aber natürlich Sie als Eltern, welche Art von Feedback Sie nutzen. Es ist immer sinnvoll mit dem eigenen Kind direkt über Belohnung zu sprechen und verschiedene Strategien auszuprobieren, um einen Weg zu finden, die zu Ihnen und Ihrem Kind passt.