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Lexikon Latein

Vokativ

Andere Bezeichnung:  Anredefall

 

Über das Wort „Vokativ“

Herkunft:  von lat. cāsus vocātīvus zum Herbeirufen dienlicher Fall  (zu vocāre rufen, herbeirufen)
Genus:  Maskulin: der Vokativ
Plural:  die Vokative
Abkürzung:  Vok.

 

Definition

Unter „Vokativ“ versteht man einen Kasus, der eine Anrede kennzeichnet. Eine Anrede ist ein Wort (oder eine Wortverbindung) mit folgenden Eigenschaften:
• Es identifiziert die angesprochene Person.
• Es signalisiert der angesprochenen Person, dass sie eine Information des Sprechers aufnehmen soll.
• Es ist syntaktisch isoliert, d.h. nicht in einen Satz eingebunden.

Beachte:  Die Definition gibt nur die Funktion an, die den Vokativ zum Vokativ macht! Eine Zusammenstellung aller seiner Funktionen findest du unten.

 

Form und Übersetzung

• Form:  Eine eigenständige Vokativ-Form gibt es nur im Maskulin Singular der ō-Deklination bei Substantiven und Adjektiven, sie hat die Endung -e (die bei Stämmen auf i fehlt, z.B. Vokativ von fīlius Sohn: fīlī). In allen anderen Fällen wird der Nominativ als Vokativ mitverwendet.

• Übersetzung:  Da das Deutsche keinen Vokativ besitzt, müssen wir den Vokativ immer mit Nominativ übersetzen. Im Singular können wir vor die Anrede oft „mein“, manchmal „du“, im Plural „meine“ oder „ihr“ setzen; z.B.:
÷ Venī, amīce!  Komm, (mein) Freund!
÷ Venīte, amīcī!  Kommt, (meine) Freunde!
÷ Sīc sē, iūdicēs, rēs habet!  So, ihr Richter, verhält sich die Sache!

 

Vokativpartikeln

Bei emotionalen Anreden kann dem Vokativ (oder dem als Vokativ gebrauchten Nominativ) eine der Vokativpartikeln ō oder prō vorausgehen, die wir mit „o du/ihr“ übersetzen. Prō hat dabei einen klagenden Unterton. Z.B.:
÷ Ō fortūnāte adulēscēns!  O du glücklicher Jüngling!
÷ Prō sāncte Iuppiter!  O (weh), du heiliger Jupiter!

 

Funktionen

(1)  Identifizierender Vokativ
Diese Vokativfunktion entspricht genau der Definition des Vokativs. Durch das im Vokativ stehende Wort (oder Wortverbindung) wird die angesprochene Person identifiziert. Z.B.:
÷ Mārce et Lūcī, venīte mēcum!
   Marcus und Lucius, kommt mit mir!
Wenn ohnehin schon klar ist, welche Person angesprochen ist, dient der identifizierende Vokativ als Hinweis, dass die Information des Satzes für den Angesprochenen besonders wichtig ist. Z.B.:
÷ Quemadmodum officia dūcerentur, Mārce fīlī, ā virtūte, satis explicāvī.
   Auf welche Weise sich die Pflichten, mein Sohn Marcus, von der Tugend ableiten,
   habe ich schon genug erklärt
.

(2)  Prädikativer Vokativ
Wenn zuvor schon geklärt ist, welche Person angesprochen ist, kann der Vokativ dazu verwendet werden, eine Aussage (= Prädikat) über den Angesprochenen zu machen. Z.B.:
÷ Quid nunc tē, asine, litterās doceam?
   Was soll ich dir, du Esel, jetzt das Lesen beibringen?

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