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Lexikon Latein

Supinum

Andere Bezeichnung:  Supin

 

Über das Wort „Supinum“

Herkunft:  von lat. (verbum) supīnum zurückgelehntes/zurückgebogenes Verb  (Übersetzung von griechisch hyption zurückgelehnt, zurückgebogen, verkehrt herum; der Grund für die Benennung ist nicht geklärt; bezieht sich möglicherweise darauf, dass das u-Supinum sich auf das Subjekt zurückbezieht, indem es dieses als Objekt oder Patiens benötigt, z.B.: Rēs difficilis est intellēctū Der Sachverhalt ist schwer zu verstehen = Difficile est intellegere rem Es ist schwer, den Sachverhalt zu verstehen).
Genus:  Neutrum: das Supinum
Plural:  die Supina
provisorische Abkürzung:  Spn.

 

Bildung

Die beiden Supina werden vom Supinstamm des Verbs abgeleitet, von dem auch das vorzeitige Passivpartizip (= PPP) und das nachzeitige Aktivpartizip (= PFA) gebildet sind (siehe Unterstämme des Verbs und Konjugation des Supinstamms). Ursprünglich waren die Supina zwei Kasus eines vom Verb abgeleiteten Tätigkeitssubstantivs der ū-Deklination:

• Das um-Supinum (= Supinum I) war ein Akkusativ Singular, z.B.:
  ÷ audītum um zu hören, eigentlich: das Hören, zum Hören
     (Akkusativ des Ziels auf die Frage: wohin?).

• Das u-Supinum (= Supinum II) war ein Ablativ Singular, z.B.:
  ÷ audītū zu hören, eigentlich: beim Hören
     (Ablativ des Gültigkeitsbereichs auf die Frage: wobei?, in welchem Bereich?).

 

Verwechslungsgefahr

• Das um-Supinum kann verwechselt werden:
— mit Formen des vorzeitige Passivpartizip (= PPP):
     Nom./Akk.Sg. Neutrum und Akk.Sg. Maskulin;
— mit dem Akkusativ eines Tätigkeitssubstantivs der u-Deklination,
     z.B. von audītus das Hören, das Gehör.
Es kommt jedoch nur in Abhängigkeit von Verben der Bewegung vor.

• Das u-Supinum gleicht dem Ablativ eines Tätigkeitssubstantivs der u-Deklination,
   z.B. von audītus das Hören, das Gehör.
Es steht jedoch fast nur in Abhängigkeit von bestimmten Adjektiven (siehe unten).

 

Verwendungsmöglichkeiten

 

(1)  um-Supinum

Es steht ausschließlich nach Verben der Bewegung und des Veranlassens einer Bewegung, z.B.:  īre gehen, venīre kommen, mittere schicken. Es bezeichnet den Zweck der Bewegung (Finalsatz) und kann auch ein Objekt bei sich führen. Die Konstruktion ist ein Infinitiv mit übernommenem Subjekt. Z.B.:
÷ Omnēs [cubitum] eunt. Alle gehen [zum Schlafen] = alle gehen [schlafen].
÷ Amīcī [admonitum ] vēnērunt. Die Freunde sind gekommen, [um dich zu ermahnen].
÷ Haeduī legātos ad Caesarem mittunt [rogātum auxilium].
   Die Häduer schicken Gesandte zu Cäsar, [damit sie (von ihm) Hilfe erbitten].
In den ersten beiden Beispielen ist das Subjekt des übergeordneten Satzes als Subjekt des Supinums übernommen, im letzten Beispiel ist das Objekt als Subjekt übernommen.

 

(2)  u-Supinum

Es steht hauptsächlich in Abhängigkeit von Adjektiven, die den im Supinum ausgedrückten Vorgang bewerten, und kann keine Erweiterungen mit sich führen.  Z.B.:
÷ Hoc facile est [intellēctū].
   Dies ist leicht [zu verstehen] = Es ist leicht, dies [zu verstehen].
÷ Ea rēs est crudēlis [audītū].
   Diese Sache ist grausam [anzuhören] = Diese Sache hört sich grausam an.

Die Konstruktion lässt sich fast immer als NCI auffassen, wobei das Supinum einem Passivinfinitiv entspricht. Das scheinbare Subjekt des übergeordneten Verbs ist Subjekt des Supinums. Also:
÷ [Hoc] facile est [intellēctū] = [Hoc] facile est [intellegī]
   Es ist leicht, [DASS dies verstanden wird].
   Ins Aktiv gedreht: Es ist leicht, [DASS man dies versteht]
   = Es ist leicht, [dies zu verstehen].
÷ [Ea rēs] est crudēlis [audītū] = [Ea rēs] est crudēlis [audīrī].
   Es ist grausam, [DASS/WENN diese Sache angehört wird].
   Ins Aktiv gedreht: Es ist grausam, [DASS/WENN man diese Sache anhört]
   = Es ist grausam, [diese Sache anzuhören].

Im nachklassischen Latein setzt sich die angegebene NCI-Konstruktion mit dem gleichzeitigen Passivinfinitiv (intellegī, audīrī) mehr und mehr gegen das Supinum durch. Bei Cicero und Caesar hingegen kann ein NCI nur von Passiv-Verbformen abhängen. Das u-Supinum wurde traditionell als Ablativ des Gültigkeitsbereichs aufgefasst, z.B.:
÷ Hoc facile est [intellēctū].
   Dies ist leicht [IM BEZUG AUF das Verstehen].
Für die deutsche Übersetzung ist eine solche Formulierung natürlich nicht geeignet.

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