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Lexikon Latein

relativischer Satzanschluss

Definition

Ein „relativischer Satzanschluss“ liegt vor, wenn ein Relativwort (= Relativpronomen oder Relativadverb) nicht zur Einleitung eines Relativsatzes verwendet ist, sondern
• (wie eine Konjunktion) den Gesamtsatz, in dem es steht, an den vorausgehenden Gesamtsatz anschließt UND
• (als Pronomen/Pronominaladverb) einen Gegenstand aus dem vorausgehenden Gesamtsatz wieder aufnimmt.

 

Eigenschaften des relativischen Satzanschlusses

(1)  Das Relativwort steht ganz am Anfang des Gesamtsatzes; nur eine Präposition darf ihm noch vorausgehen.

(2)  Das Relativwort kann sowohl in einem Hauptsatz stehen als auch in einem beliebigen Nebensatz (Subjunktionalsatz, Infinitivsatz, Partizipialsatz, auch Fragenebensatz oder sogar in einem Relativsatz, der dann zwei Relativwörter enthält).

(3)  Da das Relativwort den Satzanschluss bildet, fehlen andere satzanschließende Wörter (Konjunktionen, satzanschließende Adverbien; z.B. et und, autem aber, enim nämlich, proptereā deswegen).

(4)  Im Deutschen entspricht das Anschluss-Relativwort einem Demonstrativwort (= Demonstrativpronomen oder Demonstrativadverb) oder Personalpronomen.

 

Beispiele

(1)  Anschluss-Relativwort im Hauptsatz
÷ Vix octingentī profugī incolumēs ad Vercingetorīgem pervēnērunt . Quōs ille multā iam nocte excēpit.
Kaum achthundert Flüchtende gelangten unversehrt zu Vercingetorix. Diese nahm er zu schon vorgerückter Nachtzeit auf.  (Cäsar: De bello Gallico 7:28:5f)

(2)  Anschluss-Relativwort im Subjunktionalsatz
Das Anschluss-Relativwort wird vor die Subjunktion gezogen, um es unmittelbar an den Satzanfang zu stellen. Z.B.:
÷ Caesar statuit expectandam esse classem. Quae UBĪ convēnit ac ab hostibus vīsa est, navēs eōrum nostrīs adversae cōnstitērunt. 
Caesar beschloss, dass man auf die (eigene) Flotte warten müsse. SOBALD diese ankam und von den Feinden gesichtet wurde, brachten sie ihre Schiffe den unseren gegenüber in Stellung.  (Cäsar: De bello Gallico 3:14:1f)

(3)  Anschluss-Relativwort im ACI
÷ Panaetius semper habuit in ōre Platōnem, Aristotelem, Xenocratem, Theophrastum, Dicaearchum. Quōs tibī dīligenter tractandōs esse cēnseō.
Panaitios führte immer Platon, Aristoteles, Xenokrates, Theophrast und Dikaiarch im Munde. Ich meine, dass diese von dir sorgfältig studiert werden sollten.  (Cicero: De finibus 4:79)

(4)  Anschluss-Relativwort im PC
÷ Caesar aedificia vīcōsque incendit, magnō pecoris atque hominum numerō potītur. Quibus rēbus coācti Menapiī legatōs ad eum pacis petendae causā mittunt.
Cäsar ließ Gebäude und Dörfer in Brand stecken und brachte eine große Zahl an Vieh und Menschen in seine Gewalt. Durch diese Dinge gezwungen (= Da sie durch diese Dinge gezwungen wurden,) schickten die Menapier Gesandte zu ihm, um Frieden zu erbitten.  (Caesar: De bello Gallico 6:6:1f)

(5)  Anschluss-Relativwort im Abl. abs.
÷ Crassus oppidum Sotiātium oppūgnāre coepit. Quibus fortiter resistentibus vīneās turrēsque ēgit.
Crassus begann, die Stadt der Sotiaten zu bestürmen. Da diese tapfer Widerstand leisteten, ließ er Laufgänge und Belagerungstürme heranschieben.  (Cäsar: De bello Gallico 3:21:2)

(6)  Anschluss-Relativwort im Nebensatz zweiten Grades (= Nebensatz vom Nebensatz)
Im folgenden Beispiel steht das Anschluss-Relativwort in einem ACI (hellblau), der von einem Subjunktionalsatz (hellrot) abhängt:
÷ Mīlitēs summā vī trānscendere in hostium navēs contendēbant. Quod POSTQUAM barbarī fierī animadvertērunt, fugā salūtem petere contendērunt.
Die (römischen) Soldaten bemühten sich mit aller Kraft, auf die Schiffe der Feinde hinüberzusteigen. ALS die Barbaren bemerkten, dass dies geschah, versuchten sie, sich durch Flucht zu retten.  (Cäsar:  De bello Gallico 3:15:1f)

(7)  Anschluss-Relativwort ist Relativadverb
÷ Vīctum Lacedaemoniōrum in philitiīs nōnne vidēmus? Ubī CUM tyrannus cēnāvisset Dionȳsius, negāvit sē iūre illō nigrō, quod cēnae caput erat, esse dēlectātum. 
Sehen wir nicht die Lebensweise der Spartaner bei ihren Gemeinschaftsmählern? ALS dort der Tyrann Dionysios gespeist hatte, sagte er, dass er an jener schwarzen Suppe, die die Hauptmahlzeit war, keinen Genuss gehabt habe.  (Cicero: Tusculanen 5:98)

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