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Lexikon Latein

Nebensatz

Andere Bezeichnung:  Gliedsatz

 

Über die Bezeichnungen „Nebensatz“ und „Gliedsatz“

• Die Bezeichnung „Nebensatz“ drückt aus, dass diese Art von Satz einem anderen Satz untergeordnet ist.

• Die Bezeichnung „Gliedsatz“ drückt aus, dass es sich um einen Satz handelt, der die Funktion eines Satzglieds in einem übergeordneten Satz hat.

Daraus ergibt sich, dass beide Wörter streng genommen nicht die gleiche Bedeutung haben. Da ein Gliedsatz als Satzglied einem anderen Satz untergeordnet ist, sind alle Gliedsätze auch Nebensätze. Umgekehrt sind aber nicht alle Nebensätze Gliedsätze. Nebensätze können auch die Funktion von Attributen haben (z.B. Relativsätze), sind dann also keine Satzglieder, sondern nur Teile von Satzgliedern.

Trotzdem wird die Bezeichnung „Gliedsatz“ meist in ungenauer Weise gleichbedeutend mit „Nebensatz“ gebraucht.

 

Definition

Ein „Nebensatz“ ist ein Teilsatz eines Satzes, und zwar ein Teilsatz, der einem anderen Teilsatz untergeordnet ist.

Erläuterung:  Das Gegenstück zum Nebensatz ist der Hauptsatz. Ein Hauptsatz ist keinem anderen Teilsatz untergeordnet.

 

 

ERSCHEINUNGSFORMEN

 

(A)  Nebensatztypen nach Verbform

Je nachdem, was für eine Verbform das Nebensatzverb hat, unterscheidet man drei Nebensatztypen:

(1)  finite Nebensätze
Dies sind Nebensätze, die eine finite Verbform enthalten.

(2)  Infinitivsätze

(3)  Partizipialsätze

 

(B)  Nebensatztypen nach Einleitewort

Die Funktion des Nebensatzes im übergeordneten Satz kann durch ein Einleitewort angezeigt sein. Je nachdem, ob der Nebensatz durch ein Einleitewort gekennzeichnet ist und welche Art von Einleitewort verwendet ist, unterscheidet man:

(1)  Nebensätze ohne Einleitewort
Infinitivsätze und Partizipialsätze können im Lateinischen im Normalfall kein Einleitewort haben, im Gegensatz zum Deutschen (Infinitiv mit „zu“, „um zu“, „ohne zu“) und Griechischen (Partizipialsätze mit „Sinnpartikeln“, Infinitivsätze mit Präposition + Artikel). Eine Ausnahme bildet das Gerundium mit Präposition, siehe (5).
In wenigen Fällen können im Lateinischen auch finite Nebensätze ohne Einleitewort stehen. Es handelt sich dabei um Wunschnebensätze, denen die Subjunktion ut fehlt; z.B.:
÷ Fac nunc, egō intellegam, tū quid sentiās!
   (Mach nun, dass ICH verstehe, was DU meinst! =)
   Lass nun MICH verstehen, was DU meinst!
   (Cicero: De natura deorum 3:6)
÷ Ad reliqua pergās, velim!
   (Ich möchte gerne, dass du zu den übrigen Dingen weitergehst! =)
   Mach bitte mit den andern Themen weiter!
   (Cicero: De legibus 3:26)

(2)  Nebensätze mit Subjunktion (= Subjunktionalsätze)
(Subjunktion = unterordnende Konjunktion)
sind im Lateinischen fast immer finite Nebensätze.

(3)  Nebensätze mit Relativwort (= Relativsätze)
sind im Lateinischen immer finite Nebensätze.

(4)  Nebensätze mit Fragewort (= Fragenebensätze)
sind im Lateinischen fast immer finite Nebensätze.

(5)  Nebensätze mit Präposition
Infinitivsätze, die mit Gerundium gebildet sind, können durch eine Präposition eingeleitet werden.

 

(C)  Nebensatztypen nach Funktion

Nebensätze können die Funktionen aller Satzglieder und Satzgliedteile erfüllen:

(1)  Prädikat in Gestalt des Prädikatsnomens, als Prädikatsätze

(2)  Ergänzungen = Komplemente
• Subjekt als Subjektsätze
Objekt als Objektsätze
• Lokalkomplement
zugewiesene Eigenschaft

(3)  freie Angaben = Supplemente
Adverbial als Adverbialsätze
  (Hierzu gehören Temporalsätze, Kausalsätze, Finalsätze usw.)
Attribut als Attributsätze

 

Wie unterscheidet man Hauptsatz und Nebensatz?

Für die Satzanalyse ist es wichtig, Hauptsätze und Nebensätze unterscheidend zu können.
 

(1)  Ein Nebensatz liegt vor, wenn eins der folgenden Kennzeichen vorhanden ist:

(a)  Das Verb ist ein Infinitiv.
(Ausnahme: Der sogenannte „historische Infinitiv“ bildet Hauptsätze.)

(b)  Das Verb ist ein Partizip.

(c)  Der Satz wird durch eine Subjunktion eingeleitet.

(d)  Der Satz wird durch ein Relativwort eingeleitet.
(Ausnahme: Ein relativischer Satzanschluss kann in einem Hauptsatz oder Nebensatz stehen.)

(e)  Der Satz wird durch ein Fragewort eingeleitet und zugleich steht sein Verb im Konjunktiv.
(Ausnahme: In Fragehauptsätzen kann der Konjunktiv in den Funktionen Wunsch, Potentialis und Irrealis stehen.)

Nicht formal erkennbar sind nur die seltenen finiten Nebensätze ohne Einleitewort, siehe oben unter (B)(1).
 

(2)  Ein Hauptsatz hat meist keine besonderen Kennzeichen, d.h. er ist meist nur daran erkennbar, dass er kein Nebensatzkennzeichen besitzt. Eigene Hauptsatzkennzeichen sind nur folgende:

(a)  Der Satz wird durch ein Fragewort eingeleitet und zugleich steht sein Verb im Indikativ.
(Jeder Fragesatz im Indikativ ist ein Fragehauptsatz. Aber nicht jeder Fragehauptsatz steht im Indikativ, auch der Konjunktiv ist möglich.)

(b)  Das Verb steht im Imperativ.
(Ausnahme: In sehr seltenen Fällen tritt der Imperativ auch im Nebensatz auf.)

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